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15.04.2026 18:26



Streiks zum Festakt

Frankfurt/Main (dpa) - Die Gegensätze hätten kaum deutlicher sein können: Im nagelneuen Besucherzentrum «Hangar One»entfaltet die Lufthansa zum 100. Geburtstag allen Glanz, zu dem sie fähig ist, während draußen die streikenden Flugbegleiterinnen und Piloten für bessere Tarifbedingungen demonstrieren. Mit der Deutschen Lufthansa AG geht es um ein besonderes Unternehmen, wie nicht nur der flugbegeisterte Bundeskanzler Friedrich Merz feststellt. 

Das strategisch wichtige Unternehmen habe das Bild von Deutschland stärker geprägt als jedes andere, lobt der Kanzler. Die Bundesregierung setze sich dafür ein, dass Deutschland wichtiger Luftverkehrsstandort bleibe, versprach Merz. «Weniger Fliegen ist keine Option für den Wirtschaftsstandort Deutschland.» Dazu brauche man nachhaltige klimaschonende Technologien, aber auch niedrige Kosten und eine höhere Wettbewerbsfähigkeit. 

100 Jahre nach dem Erstflug

Merz dankte Lufthansa-Chef Carsten Spohr ausdrücklich dafür, dass sich das Unternehmen erstmals auch vollständig zu seiner Rolle im Nationalsozialismus bekannt habe. Die erste Lufthansa hatte ihren kommerziellen Erstflug am 6. April 1926 von Berlin nach Zürich absolviert. Die staatlich stark gestützte Gesellschaft war an der verdeckten Aufrüstung des NS-Staates ebenso beteiligt wie an der rücksichtslosen Ausbeutung zehntausender Zwangsarbeiter. Zum Ende des Zweiten Weltkriegs ging sie mit dem Nationalsozialismus unter und wurde erst 1955 neu gegründet. Spohr erinnerte an die maßgebliche Unterstützung der USA beim Neustart. 

Inmitten historischer Uniformen, auf Hochglanz polierten Flugzeugen und Showeinlagen bekamen die Teilnehmer des Festaktes kaum etwas mit von den Protesten der Beschäftigten vor der Tür. Der scheidende Aufsichtratschef Karl-Ludwig Kley kritisierte die streikenden Gewerkschaften hart und kurz: «Selbstbezogenheit ersetzt Sozialpartnerschaft.» Er forderte Merz auf, das deutsche Streikrecht zu reformieren, weil Arbeitgeber nach aktuellem Streikrecht und Praxis zum Zuschauen verurteilt seien. Waffengleichheit gehöre der Vergangenheit an.

«Wir wollen gesehen werden»

Doch auch die demonstrierenden Beschäftigten identifizieren sich stark mit dem Unternehmen. «100 Jahre Lufthansa, da sind ganz viele fleißige Menschen dahinter, und die wollen gesehen und wertgeschätzt werden – und das ist seit Jahren leider nicht mehr der Fall», sagt Yvonne, eine Flugbegleiterin auf dem Demonstrationszug. 

Der Ufo-Tarifexperte Harry Jaeger bekräftigt: «Wir würden lieber 100 Jahre Lufthansa feiern. Und das meine ich bitterernst. Nicht nur die Gewerkschaften, sondern insbesondere die Menschen, die wir vertreten, brennen für Lufthansa.» Man habe jedoch das Gefühl, mit den Anliegen nicht gehört zu werden. 

In dem festgefahrenen Tarifkonflikt geht es um die im Manteltarifvertrag geregelten Arbeitsbedingungen für die rund 20.000 Flugbegleiter und einen Sozialplan bei der Regionalgesellschaft Lufthansa Cityline, die vor der Schließung steht. Es sei das Normalste der Welt, einen Sozialtarifvertrag zu verlangen, meinte Jaeger. Lufthansa verweist auf Übernahmeangebote in die neuen Gesellschaft Lufthansa City Airlines. 

Streikwellen rollen weiter

Tatsächlich erschüttert weiterhin die heftigste Streikwelle seit Jahren die Kunden des MDax-Konzern, der nur noch ein Viertel seiner Umsätze in Deutschland einfliegt. Auch wenn Spohr sich freute, dass in der großen Lufthansa-Gruppe auch am Mittwoch 75 Prozent der geplanten Flüge stattfanden, ging an den deutschen Flughäfen den dritten Tag in Folge nur sehr wenig. An den Drehkreuzen München und Frankfurt fielen erneut Hunderte Flüge aus, Zehntausende Passagiere kamen nicht wie geplant ans Ziel. 

Dieses Mal hatte die Gewerkschaft Ufo die Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter aufgerufen, die Arbeit für zwei Tage bis einschließlich Donnerstag niederzulegen. Sie lösten damit nahtlos die Piloten ab, die zuvor für zwei Tage den Flugverkehr der Lufthansa weitgehend lahmgelegt hatten. Und es kommt noch dicker: Einen nur wenige Stunden zuvor vorgeschlagenen Schlichtungsversuch erklärte die Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) schnell wieder für gescheitert, die nächsten Streiks am Donnerstag und Freitag stehen bevor. 

Schlichtungsversuch vorerst gescheitert

Die Lufthansa strebe «offenbar kein faires Schlichtungsverfahren» zur Befriedung der Tarifkonflikte an, kritisierte VC. Sie habe umfassende Forderungen zur Bedingung gemacht. Die Lufthansa erklärte, dass das Ziel einer Schlichtung ausschließlich die Befriedung sämtlicher Konflikte sein könne. Dies sei mit der VC nicht zu machen gewesen. Die Airline kündigte aber an, nochmals auf die Gewerkschaft zugehen zu wollen. 

Die Pilotengewerkschaft schloss weitere Streiks bereits nicht aus: «Wer ein solches Angebot ausschlägt und darüber hinaus auch keinerlei verhandlungsfähige Angebote macht, nimmt zumindest in Kauf, dass sich Tarifauseinandersetzungen weiter zuspitzen, anstatt aktiv an einer Deeskalation mitzuwirken», sagte VC-Präsident Andreas Pinheiro.



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