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08.01.2026 10:51



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Während private Anlegerinnen und Anleger kaufen ("endlich bewegt sich was"), drehen Profis von long auf short. Was das für die ersten Börsenwochen 2026 bedeutet, weiß Joachim Goldberg.

8. Januar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Nun hat der DAX das neue Jahr gleich ganz eindrucksvoll begonnen und den Trend seit unserer vergangenen Stimmungserhebung vom 17. Dezember des Vorjahres fortgesetzt. Seither hat das Börsenbarometer insgesamt um rund 3,5 Prozent zugelegt - 2,2 Prozent alleine in diesem Jahr. Plötzlich war das mit Leichtigkeit möglich, was im vergangenen Jahr noch ausgesprochen schwierig erschien. Nicht nur, dass es drei neue Allzeithochs hintereinander gegeben hat, sondern auch die runde Marke von 25.000 Zählern wurde heute überwunden. Die Börsianer haben sich also von den geopolitischen Spannungen angesichts der US-Militäraktion in Venezuela und den Grönland-Ansprüchen von US-Präsident Donald Trump hierzulande bislang nur wenig beeinflussen lassen. Und was makroökonomische Daten angeht, wie etwa die zur Veröffentlichung in dieser Woche anstehenden diversen Zahlen zum US-Arbeitsmarkt, scheinen diese eher eine untergeordnete Rolle in der Wahrnehmung der Marktteilnehmer zu spielen.

Unterdessen hat sich die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber derjenigen vom 17. Dezember des Vorjahres verschlechtert. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 12 Punkte auf einen neuen Stand von +4 gefallen. Dabei hat sich das Bullenlager um 6 Prozentpunkte verringert, das Bärenlager sich in gleichem Umfang erhöht. Aufgrund der vergleichsweise langen Dauer zwischen den beiden Erhebungen ist es durchaus möglich, dass diese Veränderung weniger drastisch ist, als sie tatsächlich aussieht.

Die Verlockung der runden Zahl

So ist es durchaus möglich, dass zunächst Gewinnmitnahmen im alten Jahr vorgenommen wurden, da vielerorts aufgrund des Jahreswechsels die Uhren gewissermaßen auf null gestellt, also bis dahin aufgelaufene Gewinne und Verluste mental ausgebucht werden. Auch passt es ins Bild, dass neue bearishe Engagements im neuen Jahr in den steigenden Markt eröffnet wurden, zumal mit 25.000 DAX-Zählern auch noch ein wahrnehmungstechnisch wichtiges Niveau erreicht wurde.

Anders gestaltet sich die Situation indes bei den Privatanlegern, die bereits vor Weihnachten ihre Gewinne aus zuletzt bullishen Positionen mitgenommen hatten. Dies vermittelte der letzte Deutsche Börse Sentiment-Index vom Vorjahr, der in diesem Panel zuletzt auf einen Stand von +5 gesunken war. Mit der heutigen Befragung ist der Index allerdings wieder um 20 Punkte angestiegen, auf einen neuen Stand von +25. Dabei hat sich das Bullenlager um 16 Prozentpunkte erhöht, wobei ein Viertel bearish eingestellter Akteure die Seite direkt gewechselt hat - drei Viertel der Wanderung geht auf zuletzt neutral gestimmte Privatanleger zurück.

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass diejenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragten, ähnlich wie die übrigen Privatanleger agiert haben. Der Deutsche Börse Sentiment-Index für letztere Untergruppe liegt für sich betrachtet damit bei +17. Erfahrungsgemäß sind die über Social Media befragten Privatanleger noch etwas bullisher eingestellt.

Zwei Welten

Am Ende klafft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren eine deutliche Stimmungslücke. Dabei haben die Positionierungen vor dem Jahresende für die Stimmungs-Wanderungen eine große Rolle gespielt. Während sich die Privatanleger noch bei unserer vergangenen Sentiment-Umfrage ungewöhnlich zurückhaltend zeigten und sich im neuen Jahr aus vielen neutralen Engagements heraus auf die Bullen-Seite bewegt haben, sind die institutionellen Pendants misstrauischer eingestellt. Diese Engagements müssen jedoch nicht zwangsläufig mit einem starken Pessimismus einhergehen, sondern sind möglicherweise aufgrund der vergleichsweise hohen DAX-Stände der vergangenen Tage (Allzeithoch etc.) eingegangen worden, um möglichst schnell von einem Rücksetzer zu profitieren. Zumindest aus dieser Sicht ist im Falle einer tatsächlichen Korrektur im Bereich von 24.400/24.500 Zählern mit Nachfrage aus Glattstellungen dieser Positionen zu rechnen. Unter dem Strich geht der DAX mit Sentiment-technisch leicht positivem Unterton ins neue Jahr.

von Joachim Goldberg

8. Januar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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