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05.01.2026 07:15

Beleidigen und beschuldigen: Skisprung-Zoff ums Material

Vierschanzentournee

Bischofshofen (dpa) - Sven Hannawald hat die Nase voll, Österreichs Sportdirektor spricht öffentlich von Manipulation: Im ersten Winter nach dem Anzug-Skandal bei der Weltmeisterschaft in Trondheim ist der Ton bei den Skispringern deutlich rauer geworden. Gegenseitige Vorwürfe und Beschuldigungen machen während der Vierschanzentournee die Runde, die Diskussionen um unzulässiges Material häufen sich.

Vor allem im Fokus steht der Slowene Timi Zajc, der zum Tournee-Auftakt eigentlich Platz zwei belegte - und dann wegen eines zu kurzen Sprunganzugs disqualifiziert wurde. Weil die Regelhüter Zajc in Garmisch-Partenkirchen wegen des gleichen Verstoßes erneut aus dem Wettbewerb nahmen, kassierte dieser eine Rote Karte, die infolge des Skandals von Trondheim in diesem Sommer neu eingeführt wurde. Zajc muss den Rest der Tournee zuschauen.

Österreichs Sportdirektor spricht von «Manipulation»

Die Skisprung-Szene ist entsprechend sauer auf den Slowenen. Der ehemalige Tournee-Sieger Hannawald sagte bei Sport1: «Da habe ich zwei Worte für: respektlos und dumm! Das beschreibt genau das, was dieser Typ ist.» Besonders verärgert war Hannawald darüber, dass sich Zajc nach seiner ersten Disqualifikation noch in den sozialen Netzwerken über den Vorfall amüsiert und geschrieben hatte, er wolle seinen zu kurzen Anzug nun stretchen.

«Bei solchen Beispielen fehlen mir echt die Worte. Er scheint allgemein sehr kompliziert zu sein und in seiner eigenen Welt zu leben», kritisierte Hannawald. 

Disqualifikation wegen Fluor

Österreichs Sportdirektor Mario Stecher war ähnlich erbost. «Es ärgert mich wirklich maßlos. Das ist für mich absolut eine Manipulation», sagte Stecher vor dem Springen in Innsbruck. Die Slowenen hingegen hatten sich überrascht gezeigt, dass Chefkontrolleur Mathias Hafele in Garmisch-Partenkirchen plötzlich oben an der Schanze und nicht wie sonst unten im Auslauf die Ausrüstung überprüfte.

Der gleich zweimal zu kurze Anzug von Zajc ist aber nur eines von mehreren Material-Kapiteln während der laufenden Tournee und der bereits beendeten Two-Nights-Tour der Frauen. So gab es auch eine in den Socken eingelegte zweite Sohle bei der Norwegerin Anna Odine Strøm, einen zu kurzen Anzug bei Norwegens Halvor Egner Granerud oder die Skier des Polen Pawel Wasek, die plötzlich unrechtmäßig mit Fluor gewachst worden waren.

Deutsches Team lobt bessere Kontrollen

Der Weltverband Fis um den neuen Kontrolleur Hafele bemüht infolge des Trondheim-Skandals eine Null-Toleranz-Politik, begutachtet noch mehr Details und begründet die Ausschlüsse detaillierter als vorher. «Regel ist Regel. Da kann man keine Ausnahmen machen. Ausnahmen machen wir nicht», sagte Hafele beim Tournee-Auftakt zum Thema Anzuglänge. Die Fis steht nach dem vorsätzlichen Betrug der Norweger bei der WM nun besonders im Fokus.

Das registrieren auch die nationalen Verbände. «Wir beobachten das schon und werten das auch aus. Ich finde, man hat das Gefühl, die Fis hat es deutlich besser im Griff als die vergangenen drei Jahre», sagte der deutsche Sportdirektor Horst Hüttel. Das deutsche Team war rund um den Jahreswechsel bislang nicht von Disqualifikationen betroffen.

Norweger reichen Attest nachträglich ein

Dass es nach den Vorfällen von Trondheim schon wieder Disqualifikationen gegen Norweger gibt, stößt manchen besonders sauer auf. Zum Beispiel Hannawald, der die milden Sanktionen seit Monaten kritisiert und die Norweger nach eigener Aussage nicht anschaut.

Der Fall Strøm mache ihn «fassungslos», schilderte Hannawald. Die 27-Jährige hatte beim Springen in Garmisch-Partenkirchen eine zweite Sohle in ihrem Socken versteckt - eine zusätzliche Sohle ist laut Regularien verboten. Cheftrainer Christian Mayer erklärte daraufhin, Strøm leide seit einem Sturz unter einer Schiefstellung der Hüfte. Doch das nötige Attest für die zweite Sohle reichte der Verband erst verspätet nach. Die Fis prüft den Fall.

Hafele: Disqualifikationen als «wichtiges Signal»

Hannawald hingegen hat sein Urteil bereits gefällt. «Dieses Verstecken im Strumpf ist genau wieder der Punkt: Danach kannst du dir alle möglichen Ausreden einfallen lassen», sagte der 51-Jährige. Er hätte den Norwegern geraten, transparent damit umzugehen und die Fis zu kontaktieren. Seine Schlussfolgerung: «Also wollen die uns alle verarschen?».

Kontrolleur Hafele wähnt sich und sein Team auf dem richtigen Weg. Auf die Frage, wie er vier Disqualifikationen beim Neujahrsspringen beurteile, antwortete er in einem Interview der «Frankfurter Rundschau»: «Zumindest ist es ein wichtiges Signal. Die Fis muss dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden. Wenn man etwa nur Verwarnungen verteilt, dann beginnt wieder nur ein Spiel. Das braucht keiner.»



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