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30.04.2025 16:46



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Anleger reagieren inzwischen gefasster auf die schwierige Marktphase, was nach Ansicht von Goldberg deutsche Bluechips stützt.

30. April 2025. Es ist schon eine eindrucksvolle Performance, die der DAX im April hingelegt hat. Nicht nur, weil der zwischenzeitliche Kurseinbruch von mehr als 16 Prozent als Reaktion auf die Zoll-Ankündigungen Donald Trumps bis heute, dem letzten Tag des Monats, wieder wettgemacht wurde. Am Ende bleibt zum heutigen Zeitpunkt der Stimmungserhebung sogar ein Plus übrig. Dies ist insofern bemerkenswert, als die vom US-Präsidenten anfangs angekündigten Zölle gegenüber fast der ganzen Welt zwar zu großen Teilen vorerst aufgeschoben, aber nicht aufgehoben wurden.

Die vergangenen Wochen sind aber auch ein gutes Beispiel dafür, dass Börsianer wie alle Menschen relativ bewerten. So können Risiken als weniger gefährlich erlebt werden, auch wenn die tatsächlich von ihnen ausgehende Bedrohung gleichgeblieben ist - so wie bei den von Trump verhängten Zöllen. Denn wir sind in der Lage, uns oftmals sogar recht schnell an negative ökonomische und politische Rahmenbedingungen zu gewöhnen. Und so genügen schon einige wenige, manchmal auch nur leicht positive Nachrichten, auch wenn sich an der gesamten Lage kaum etwas gebessert hat, um ein optimistischeres Weltbild zu generieren. Eindrücke, die umso stärker wirken, wenn sie im Umfeld von wichtigen Ereignissen mit hoher Medienpräsenz wie bei der Trauerfeier zur Beisetzung von Papst Franziskus in Rom entstehen.

Gegangen, um wiederzukommen?

Unterdessen zeigt die heutige Sentiment-Erhebung, dass die Mehrheit der institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont zuletzt den richtigen Riecher gehabt hat. Allerdings ist der Optimismus der Vorwoche gesunken: Unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist nämlich um 11 Punkte auf einen neuen Stand von +14 gefallen. Dabei hat sich das Bullenlager um 9 Prozentpunkte verringert, wobei sich etwa vier Fünftel der Wechselwilligen zu den neutral gestimmten Investoren gesellt haben, um ihre aufgelaufenen Gewinne zu realisieren. Die übrigen früheren Optimisten haben ihre Engagements um 180 Grad gedreht und die Gruppe der Bären vergrößert.

Eine Entwicklung in Gegenrichtung hat es indes bei den Privatanlegern gegeben. Denn der Börse Frankfurt Sentiment-Index steigt in diesem Panel um 5 Punkte auf einen neuen Stand von +22. Dabei fällt auf, dass vor allem über Social Media befragte Anlegende vormals bearishe Engagements direkt auf die Bullenseite gedreht haben. Die übrigen Panel-Teilnehmer haben dagegen nur geringfügige Positionsveränderungen vorgenommen und bleiben unter dem Strich nur ein bißchen optimistisch, ihr Börse Frankfurt Sentiment-Sub-Index liegt derzeit bei +2. Mit anderen Worten: Im Gegensatz zu den institutionellen Investoren zeigen sich diejenigen Privatanleger, die nicht über Social Media befragt wurden, gegenüber der jüngsten Aufwärtsentwicklung des DAX ausgesprochen skeptisch.

Angst, etwas zu verpassen

Mit der heutigen Erhebung hat sich die Stimmungskluft zwischen den Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche fast nicht verändert, allerdings hat sich das Vorzeichen gedreht. Denn Erstere sind nun wieder deutlich positiver als ihre institutionellen Pendants eingestellt. Obgleich der DAX im Wochenvergleich 3,3 Prozent an Wert zulegen konnte, hat weniger als die Hälfte der neuen Optimisten aus der Vorwoche bislang Gewinne mitgenommen. Anscheinend ist die Angst, weitere Aufwärtsbewegungen des DAX zu verpassen, größer als die Angst vor einem neuerlichen Kurseinbruch aufgrund ungünstiger handelspolitischer Entwicklungen in den USA. Bemerkenswert ist allerdings auch, dass trotz der jüngsten Abgaben der DAX keine nennenswerten Rücksetzer produzieren konnte - ein Indiz, dass auch wieder langfristige Nachfrage aus dem Ausland Aktien der Eurozone zugute gekommen sein könnte.

Unter dem Strich hat sich die Sentiment-technische Lage für den DAX also etwas verbessert, zumal die heimischen Abgeber von heute im Falle von Rücksetzern (vermutlich erstmals auf dem Niveau von 21.800/850 Zählern) wieder als Nachfrager auftreten könnten.

von Joachim Goldberg

30. April 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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