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19.04.2026 08:45

Leo XIV. will Streit mit Trump nicht ausufern lassen

LUANDA (dpa-AFX) - Im Streit mit US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. ein Zeichen der Entspannung gesetzt. Das Oberhaupt der katholischen Kirche sprach auf seiner Afrika-Reise davon, dass manche seiner Äußerungen falsch interpretiert worden seien. "Das wurde so aufgefasst, als wolle ich dem Präsidenten widersprechen. Das liegt überhaupt nicht in meiner Absicht." Von Trump, der den Papst nach dessen Friedensappellen mit Vorwürfen überzogen hatte, gab es zunächst keinen Kommentar.

Der offene Streit zwischen dem US-Präsidenten und dem ersten Papst aus den Vereinigten Staaten hatte über Tage hinweg weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Auf dem Flug nach Angola, der dritten Station einer langen Afrika-Reise, wandte sich Leo nun überraschend an die mitreisenden Journalisten. Manche Äußerung sei "nicht in allen Aspekten korrekt" gedeutet worden, sagte er. Allgemein wurde das als Versuch gesehen, den Streit mit Trump nicht ausufern zu lassen.

Offener Streit zwischen US-Präsident und Papst aus USA

Trump und Leo hatten sich aus der Distanz ein heftiges Wortgefecht geliefert. Der US-Präsident, der sich auf einen christlichen Glauben beruft, warf dem Papst eine "schreckliche" Außenpolitik vor. Kurz darauf stellte er vorübergehend ein KI-generiertes Gemälde ins Internet, das ihn selbst als Heiland zeigte. Auch von US-Vizepräsident JD Vance, der vor einigen Jahren zum katholischen Glauben übertrat, kam Kritik.

Leo entgegnete: "Ich habe keine Angst vor der Trump-Regierung." Später sprach er - ohne einzelne Politiker beim Namen zu nennen - von einer "Handvoll Tyrannen, die die Welt zerstören". Dies wurde vielfach in Zusammenhang zu Trumps Äußerungen gebracht. Dazu sagte der Papst nun im Flugzeug, die Rede mit dieser Formulierung sei bereits zwei Wochen zuvor vorbereitet worden - "also, bevor der Präsident etwas über mich gesagt hat und die Friedensbotschaft, die ich verbreite". Die Rede hielt er allerdings erst zwei Tage danach.

Leo: Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit

Leo fügte hinzu: "Viel von dem, was seither geschrieben wurde, war Kommentar auf Kommentar, im Versuch zu interpretieren, was gesagt wurde. Das wurde so aufgefasst, als wolle ich dem Präsidenten widersprechen." Sein Ziel bleibe, eine Botschaft von Frieden und Gerechtigkeit zu verbreiten.

Trump hatte ihm zuvor empfohlen, sich auf seine Rolle als Papst zu konzentrieren und sich mit politischen Äußerungen zurückzuhalten. Die evangelikalen und katholischen Christen gehören in den USA zu den wichtigen Wählergruppen. Im November stehen in den Vereinigten Staaten die Wahlen zur Halbzeit von Trumps zweiter Amtsperiode an.

Afrika-Programm gerät in Hintergrund

Leo ging im Flugzeug nicht näher darauf ein, was ihn zu der neuen Äußerung bewog. In den vergangenen Wochen hatte er mit verschiedenen Appellen deutlich gemacht, dass er mit dem Krieg der USA gegen den Iran nicht einverstanden ist. An Ostern verlangte er: "Schluss mit der Selbstvergötterung und der Vergötterung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!" Offensichtlich zog sich der Papst damit im Weißen Haus großen Zorn zu.

Durch die Auseinandersetzung mit dem US-Präsidenten geriet das eigentliche Programm von Leos Afrika-Reise - mit elf Tagen die längste seiner fast einjährigen Amtszeit - in den Hintergrund. Auch das könnte ihn dazu bewogen haben, sich nochmals zu erklären. In Angolas Hauptstadt Luanda verurteilte der Papst eine anhaltende Ausbeutung des Kontinents durch andere Länder sowie internationale Konzerne.

Papst kritisiert Ausbeutung afrikanischer Länder

Leo kritisierte ein "Entwicklungsmodell, das diskriminiert und ausgrenzt". Bei einem Treffen mit Präsident Joao Lourenço fügte er hinzu: "Wie viel Leid, wie viele Tote, wie viele soziale und ökologische Katastrophen werden durch diese Logik der Ausbeutung verursacht!" Die ehemalige portugiesische Kolonie ist reich an Rohstoffen und auch für Deutschland ein wichtiger Wirtschaftspartner

- vor allem als Lieferant von Erdöl und Gas.

Von den etwa 37 Millionen Einwohnern leben trotzdem viele in Armut. Zudem leidet die Bevölkerung immer noch unter den Nachwirkungen von fast drei Jahrzehnten Bürgerkrieg nach der Unabhängigkeit 1975. Mehr als 90 Prozent der Einwohner sind Christen - und davon etwa die Hälfte Katholiken.

Leo kritisierte auch, dass auf Afrika immer noch mit einem Blick geschaut werde, "um etwas zu nehmen". "Diese Kette von Interessen, die das Leben auf eine Tauschware reduziert, muss durchbrochen werden." Aktuell leben in Afrika etwa 290 Millionen Katholiken - inzwischen sogar mehr als in Europa./cs/DP/zb



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