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17.04.2026 17:02

KORREKTUR: Gemischtes Echo zur Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze

(Berichtigt wurde im 2. Absatz, 1. Satz, dass die Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2027 einmalig um rund 300 Euro "zusätzlich" angehoben wird. Außerdem wurde in den folgenden Sätzen präzisiert, bei welchem Wert die Grenze aktuell liegt.)

BERLIN (dpa-AFX) - Die Pläne von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) stoßen auf ein geteiltes Echo. Diskutiert wird unter anderem die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze, die laut dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) zu massiven Mehrbelastungen für Millionen Versicherte und Unternehmen führen könnte.

Der Referentenentwurf zum Beitragsstabilisierungsgesetz sieht vor, dass die Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2027 einmalig um rund 300 Euro zusätzlich angehoben wird. Aktuell liegt diese Grenze, die jährlich angepasst wird, bei 5.812,50 Euro. Bis zu dieser Schwelle des Brutto-Monatsgehalts werden Versicherungsbeiträge fällig, vom darüber liegenden Gehalt werden keine Beiträge mehr abgezogen.

Das IW warnt, dass dieser Schritt zwar als "einmalig" deklariert werde, durch die Koppelung an die Lohnentwicklung jedoch eine dauerhafte Mehrbelastung darstelle.

Nach IW-Berechnungen sind rund 6,3 Millionen Beschäftigte sowie deren Arbeitgeber betroffen. Insgesamt könnten sich die jährlichen Mehrkosten für Kranken- und Pflegeversicherung auf mindestens 4,5 Milliarden Euro belaufen. Das IW kritisiert, dass dies die Arbeitskosten in Deutschland weiter in die Höhe treibe und das Wirtschaftswachstum bremse, ohne die eigentlichen Ausgabenprobleme der Kassen zu lösen.

AOK und VdK mit gemischtem Urteil

Der Krankenkassenverband AOK bewertet den Entwurf als "wirksam, aber sozial unausgewogen". Zwar greife das Gesetz wichtige Punkte zur Kostendämpfung auf, belaste die Versicherten aber durch Kürzungen beim Krankengeld sowie Einschränkungen bei der Familienversicherung mit zusätzlich etwa acht Milliarden Euro. Zudem warnt AOK-Chefin Carola Reimann, dass die höhere Bemessungsgrenze die Abwanderung von Gutverdienern in die private Krankenversicherung provozieren könnte.

Der Sozialverband VdK begrüßt die Anhebung grundsätzlich, fordert jedoch "mehr Mut". VdK-Präsidentin Verena Bentele plädiert für eine dauerhafte Angleichung an die Grenze der Rentenversicherung (derzeit 8.450 Euro) und die Einbeziehung von Vermögens- und Mieteinahmen.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA), Steffen Kampeter, sagte laut Mitteilung, die Anhebung der Beitragsbemessungsgrenze sei keine Stärkung des Standortes Deutschland. "Im Gegenteil: Sie verteuert die Arbeitskosten für Arbeitgeber, schrumpft das Netto eines gutverdienenden Facharbeiters und senkt den Druck auf Reformen im Gesundheitswesen", so Kampeter.

Sowohl der VdK als auch die AOK kritisieren zudem scharf, dass der Bund versicherungsfremde Leistungen, etwa für Bürgergeld-Bezieher, weiterhin nicht kostendeckend finanziere und damit die finanzielle Last allein den Beitragszahlern aufbürde. Zusätzliche Zuzahlungen bei Arzneimitteln lehnt der VdK als unsoziale Belastung für chronisch Kranke und Geringverdiener ab./ram/DP/stw



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