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16.04.2026 10:35



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Inzwischen ungewöhnlich ruhige Handelstage und hohe Kurszulagen in den USA verheißen aus Behavioral Finance-Sicht nichts Gutes.

16. April 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Obwohl am Wochenende weltweit überwiegend mit Enttäuschung darauf reagiert wurde, dass die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran keinen greifbaren Erfolg gezeitigt hatten, scheinen die Börsianer neue Hoffnung geschöpft zu haben, dass der Krieg bald vorbei sein könnte. Zumindest haben die wichtigen US-Aktienindices die Kursverluste, die seit dem Beginn des Iran Kriegs entstanden waren, bereits vor einer Woche wieder wettgemacht und stehen gar vor neuen Rekordständen. Auch hierzulande musste der DAX über das Wochenende lediglich einen Kursverlust von zeitweise 1,6 Prozent über sich ergehen lassen, der ebenfalls schnell wieder aufgeholt wurde, gegenüber der vergangenen Stimmungserhebung jedoch nur zu einem kleinen Gewinn von 0,2 Prozent führte.

Zur Wahrheit gehört allerdings auch, dass der DAX im Gegensatz zu den US-Indices S&P 500 und Nasdaq keineswegs mit neuen Rekordständen liebäugelt. Dass das hiesige Börsenbarometer so weit davon entfernt ist, mag auch auf das Verhalten der internationalen Fondsmanager zurückzuführen sein, die laut der gestern publizierten April-Umfrage der Bank of America ihre Investments in Aktien der Eurozone sehr deutlich zurückgefahren haben. Nur noch netto 4 Prozent von ihnen gaben an, dort übergewichtet zu sein - im März betrug dieser Saldo noch 21 Prozent.

Institutioneller Zweckoptimismus bleibt

Unterdessen ist die Stimmung der von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont seit einigen Wochen recht stabil, und daran hat auch die heutige Befragung nicht viel geändert. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche lediglich um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +24 gefallen. Dabei gab es bei den Bullen einige Positionsreduzierungen in einer Größenordnung von 4 Prozentpunkten, wobei sich die Wanderung zu 50 Prozent direkt in Richtung Bärenlager vollzog, die andere Hälfte ist nunmehr bei den neutral eingestellten Akteuren gelandet.

Wesentlich deutlicher hat sich die Stimmung bei den Privatanlegern gedreht. Der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel zieht um ganze 19 Punkte auf einen neuen Stand von +22 an. Im Gegensatz zu den institutionellen Investoren geht das Bärenlager um 13 Prozentpunkte zurück, wobei sich etwa die Hälfte der ehemaligen Pessimisten direkt zu den Optimisten gesellt, also ihre Engagements um 180° gedreht hat; die andere Hälfte wechselte zu den neutral orientierten Marktteilnehmern. Dabei zeichnete sich erneut ab, dass sich vor allen Dingen diejenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragten, als besonders optimistisch erwiesen, während sich die übrigen Privatanleger etwas zurückhaltender zeigten, aber mit einem sub-Sentimentindex von +11 wesentlich optimistischer als vor einer Woche waren.

Privatanleger: Positiv aus Überzeugung

Mit der heutigen Erhebung hat sich die zuletzt starke Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren beinahe wieder vollständig geschlossen. Die unterschiedlichen Sentiment-Bewegungen zwischen diesen beiden Panels dürften vor allen Dingen auf den Einstandspreisen der jeweils zugrundeliegenden Engagements beruhen. So fiel es den Privatanlegern vermutlich auch wegen kleinerer Gewinne aus Short-Positionen, ziemlich leicht, die Seite zu wechseln. Bei den institutionellen Investoren hofft immer noch eine Mehrheit von 51 Prozent aller Befragten auf weiter steigende Kurse - eine Mehrheit, die bereits seit Mitte Februar im Großen und Ganzen recht stabil aussieht.

Sollte sich der DAX daher weiter nach oben bewegen, ist aus diesem Quellen wahrscheinlich mit gutem Angebot zu rechnen, zumal es sich um Positionen handelt, die dann in Sachen Einstandspreis endlich wieder Land sehen könnten. Allerdings dürfte sich der DAX-Appetit für langfristig orientierte Investoren aus dem Ausland (vgl. oben stehende Umfrage der Bank of America) weiterhin in Grenzen halten, so dass die Unterseite im Vergleich zur Vorwoche von heimischen Investoren verteidigt werden muss - ein nicht ganz einfaches Unterfangen.

von Joachim Goldberg

16. April 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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