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12.04.2026 13:41

Historischer Tiefpunkt: Tennis-Frauen nur noch drittklassig

Billie Jean King Cup

Oeiras (dpa) - Nach dem historischen Absturz in die Drittklassigkeit liegt das deutsche Frauen-Tennis in Trümmern. Der desaströse Auftritt in der Relegation im portugiesischen Oeiras vor den Toren Lissabons ist der nächste Tiefpunkt einer beispiellosen Negativentwicklung der vergangenen Jahre.

2014 kämpfte die Goldene Generation um Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki in Prag noch um den Titel im prestigeträchtigen Team-Wettbewerb. Vor zwei Jahren war Deutschland bei der Endrunde in Malaga dabei. Nun wissen die deutschen Tennisspielerinnen nicht einmal, wann und in welchem Format sie irgendwann um die Rückkehr in die Zweitklassigkeit spielen.

Große Enttäuschung

«Es sind alle sehr niedergeschlagen, sehr traurig. Es haben alle natürlich gehofft, dass das anders ausgeht hier», sagte Teamchef Torben Beltz der Deutschen Presse-Agentur nach dem 1:2 im entscheidenden Relegationsspiel gegen Litauen. «Es hat sportlich in dieser Woche nicht gereicht und wir müssen anerkennen, dass unsere Gegnerinnen in den entscheidenden Momenten besser waren», sagte der langjährige Trainer von Angelique Kerber.

Eine Aussage, die bei zweitklassigen Gegnern wie Portugal, Schweden, Dänemark und Litauen das ganze Dilemma des deutschen Frauen-Tennis aufzeigt. Selbst für dieses Niveau reicht es derzeit nicht. «Rein vom Papier her müssen diese Matches gewonnen werden», sagte Laura Siegemund, die in Portugal nicht dabei war. «Ich hätte auch mehr erwartet, dass wir zumindest die Klasse halten.»

Junges Team scheitert an sich selbst

Natürlich fehlten in Siegemund, Tatjana Maria (beide 38 Jahre alt) und Eva Lys (24) die laut Ranking aktuell drei besten Spielerinnen. Eine Entschuldigung für das Debakel von Oeiras ist das aber nicht. Lediglich Noma Noha Akugue erfüllte die Erwartungen und gewann drei ihrer vier Einzel. Doch vor allem Ella Seidel enttäuschte und scheiterte wieder einmal an den eigenen Nerven.

Für Siegemund sind die Niederlagen auch ein Versäumnis der vergangenen Jahre. «Es wäre vielleicht nicht schlecht gewesen, die jungen Leute ein bisschen früher mit reinzuholen. Das ist in der Vergangenheit, glaube ich, zu wenig passiert. Da hat man sich zu viel drauf verlassen, dass die aus der älteren Generation die Punkte holen», sagte Siegemund. 

Die Metzingerin erklärte, grundsätzlich Lust auf den Teamwettbewerb zu haben, aber auf ihren Körper hören zu müssen. Sie fehlte - wie Lys - aus gesundheitlichen Gründen. Sie habe abgesagt, um Probleme am hinteren Oberschenkel vor der Sandplatz-Saison und dem Start beim am Montag beginnenden Turnier in Stuttgart auszukurieren. «Sie wollten schon gerne, dass ich komme. Aber ich habe es einfach nicht rechtzeitig geschafft», sagte sie.

Wie geht es weiter?

Der Bundestrainer gab der nachrückenden Generation aber auch aus nachvollziehbaren Gründen eine Chance - die diese verspielten. Das triste Ambiente im Complexo de Tenis do Jamor von Oeiras passte zu den teils desolaten Auftritten der deutschen Spielerinnen.

«Das entspricht nicht unserem Anspruch, den wir für das deutsche Damentennis haben», sagte Beltz, der seine Entscheidung rechtfertigte. «Die, die hier waren, waren die Richtigen», sagte Beltz, «in den Mädels steckt viel mehr Potenzial, als sie hier leider gezeigt haben.» Eine Rückkehr von Siegemund oder Maria schloss er aber nicht aus. «Wie wir jetzt weitermachen, werden wir in den nächsten Tagen sehen. Das ist jetzt noch zu früh», sagte der Teamchef.

Becker kritisiert Nachwuchs und Verband

Den Optimismus von Beltz teilen aber bei weitem nicht alle. Schon vor den Pleiten in Portugal hatte Tennis-Legende Boris Becker den deutschen Nachwuchs insgesamt kritisiert. Schließlich sieht es auch bei den Männern hinter Alexander Zverev nicht rosig aus. Auch wenn dort immerhin Spieler wie Justin Engel, Diego Dedura, Max Schönhaus oder Niels McDonald nachrücken.

In seinem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic hatte Becker die Verantwortlichen für die Nachwuchsförderung im Deutschen Tennis Bund heftig kritisiert. «Ich will niemandem zu nahetreten. Aber wenn ich in den Supermarkt gehe und einkaufen soll für den Abend, aber noch nie gekocht habe, weiß ich doch nicht, was ich einkaufen soll», hatte Becker gesagt. Der neuen Generation fehle es zudem an Einsatzwillen und Widerstandsfähigkeit.

Die im DTB für den Leistungssport zuständige Veronika Rücker wies die Vorwürfe bei sportschau.de zurück. Der Verband hat bereits vor einiger Zeit einen ambitionierten Plan ausgearbeitet, nachdem im Jahr 2032 jeweils acht bis zehn Spielerinnen und Spieler in den Top 100 der Welt stehen sollen. Aktuell sind es insgesamt nur acht - und Profis wie Siegemund und Maria bei den Frauen sowie Jan-Lennard Struff (35) und Yannick Hanfmann (34) bei den Männern stehen vor dem Ende ihrer Karrieren.



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