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19.03.2026 14:18

EZB lässt Leitzinsen trotz Inflationsgefahren konstant

Zinsentscheid

Frankfurt/Main (dpa) - Die Europäische Zentralbank hält die Leitzinsen trotz Sorgen vor einer neuen Inflationswelle wegen des Iran-Kriegs unverändert. Der für Sparer und Banken wichtige Einlagenzins bleibt bei 2,0 Prozent, wie die Notenbank in Frankfurt mitteilte. Damit tastet die EZB zum sechsten Mal in Folge die Zinsen nicht an. «Der Krieg im Nahen Osten hat zu deutlich unsichereren Aussichten geführt. Er hat Aufwärtsrisiken für die Inflation und Abwärtsrisiken für das Wirtschaftswachstum zur Folge.»

Noch vor wenigen Wochen sah sich die EZB in einer komfortablen Lage im Kampf gegen die Teuerung im Währungsraum. Denn mit einer Rate von 1,9 Prozent im Februar liegt die Inflation nahe am mittelfristigen Ziel der Notenbank von 2 Prozent. Doch mit dem Krieg im Nahen Osten und dem Ölpreisschock wächst die Sorge vor einem starken Anziehen der Inflation.

Teuerung dürfte auch in Deutschland anziehen 

Deutschland dürfte nicht verschont bleiben. Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung erwartet, dass die Inflation in der ersten Jahreshälfte von zuletzt knapp zwei Prozent «merklich über 2,5 Prozent» steigen wird.

EZB-Chefvolkswirt Philip R. Lane warnte bereits vor den Folgen eines länger andauernden Krieges im Nahen Osten. Dies könne die Wirtschaft bremsen und die Inflation anheizen: «Eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten ist eines der wichtigsten Risikoszenarien, die von der EZB beobachtet werden.» 

Schlechte Erinnerungen an Ukraine-Krieg

Die Notenbank will verhindern, dass sie auf eine mögliche neue Preiswelle zu spät reagiert. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 stand die EZB in der Kritik, den damaligen Preisanstieg lange unterschätzt zu haben. Die Inflation im Euroraum schnellte zeitweise auf mehr als zehn Prozent nach oben. 

Mit der Energiekrise stiegen damals auch die Lebensmittel- und Spritpreise in Deutschland rasant, die Inflation kletterte im Jahresschnitt 2022 auf 6,9 Prozent und lag 2023 immer noch bei 5,9 Prozent. Das kostete die Verbraucher Kaufkraft und die EZB Glaubwürdigkeit. 

Der Iran-Krieg hat mit steigenden Spritpreisen und teurerem Gas längst Deutschland erreicht. Zöge sich der Krieg über Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone «schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent», sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. 

Einige Experten vermuten bereits, dass die Notenbank im Sommer die Zinsen anheben wird. Im Fall der Fälle dürfte die EZB dieses Mal schneller agieren als 2022, meint Ulrike Kastens, Ökonomin bei der Deutschen-Bank-Fondstochter DWS: «Zinserhöhungen werden damit wahrscheinlicher, Zinssenkungen sind vom Tisch.» 

Sparzinsen steigen - aber Gefahr durch Inflation

Für Sparer bedeutet die Inflationsgefahr Chancen und Risiken zugleich. Zwar beobachtet der Geldratgeber Finanztip bei Tagesgeld steigende Aktionszinsen für Neukunden: Immer mehr oft zeitlich begrenzte Tagesgeld-Angebote lägen über drei Prozent. «Banken nutzen die aktuelle Phase, um sich mit befristeten Angeboten neue Einlagen zu sichern.» Grund sei, dass Banken immer weniger an baldige Zinssenkungen der EZB glaubten.

Auch dem Vergleichsportal Verivox zufolge nimmt der Konkurrenzkampf der Banken Fahrt auf. Aktuell böten 18 Banken neuen Kunden einen Tagesgeldzins von 3 Prozent oder mehr. Im Schnitt würden bundesweit verfügbare Festgelder mit zwei Jahren Laufzeit mit 2,09 Prozent verzinst und Tagesgelder mit 1,3 Prozent.

Wegen des Iran-Kriegs «könnten die Realzinsen allerdings schnell wieder ins Minus fallen», warnt Verivox. «Die moderaten Zinsanstiege der letzten Wochen dürften den kriegsbedingten Anstieg der Verbraucherpreise bei Weitem nicht ausgleichen.» Erst Leitzinserhöhungen der EZB könnten dann wieder zu steigenden Sparzinsen führen.

EZB vor schwieriger Abwägung

Eine Zinsanhebung der EZB würde allerdings die Wirtschaft im Euroraum bremsen, die Prognosen zufolge in diesem Jahr ohnehin nur leicht wachsen dürfte und nun auch noch von den Folgen des Iran-Kriegs getroffen wird. 

Selbst wenn die Energiepreise längerfristig erhöht bleiben, wäre es für die EZB schwierig, ihre Geldpolitik zu straffen, sagt Berenberg-Ökonom Felix Schmidt. «Denn in diesem Szenario würde das Wirtschaftswachstum in der Eurozone möglicherweise zwischenzeitlich zum Erliegen kommen.» 

Dann würde das gefürchtete Szenario einer Stagflation Realität: steigende Preise bei zugleich stagnierender Wirtschaft - ein Alptraum für Notenbanken. Sie hätte dann kaum Optionen zum Gegensteuern.



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