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19.03.2026 09:15



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Die volatile Lage wirkt zunehmend normaler, weshalb der Optimismus zwar leicht abnimmt, aber dennoch hoch bleibt. Ob dies eine Bremse nach oben sein könnte und wie es an der Unterseite aussieht, weiß Joachim Goldberg.

19. März 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Wieder hat sich der DAX seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung als vergleichsweise widerstandsfähig erwiesen. Zudem ist die Handelsbandbreite von knapp 2,6 Prozent angesichts der Geschehnisse im Iran-Krieg und der volatilen Entwicklung der ?-lpreise durchaus bemerkenswert.

Bemerkenswert ist aber auch die gestern veröffentlichte Fondsmanager-Umfrage der Bank of America, die erste seit Beginn des ?-lpreis-Schocks. Denn die internationalen Vermögensverwalter haben ihre Übergewichtung in globalen Aktien zurückgefahren, wenngleich in überschaubarem Maße. Immer noch netto 37 Prozent von ihnen gaben an, übergewichtet zu sein - ein Minus von gerade einmal 11 Prozentpunkten gegenüber Februar. Allerdings sprang die Kassenquote deutlich auf 4,3 Prozent; es handelt sich immerhin um den größten Zuwachs seit März 2020.

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Kurzum: Risikoaversion und -bewusstsein gegenüber Aktien ist durchaus gestiegen, gerade wenn man bedenkt, dass geopolitische Konflikte zur Zeit als größtes Extremrisiko eingestuft werden. Regional betrachtet haben sich die internationalen Fondsmanager vor allem aus Aktien der Eurozone zurückgezogen: Nur noch netto 21 Prozent von ihnen gaben im März an, dort noch übergewichtet zu sein, im Vormonat waren es noch 35 Prozent.

Nur leichte Risikoaversion

Unterdessen wurde auch der hohe Optimismus hierzulande bei den institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche etwas abgebaut. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 8 Punkte auf einen neuen Stand von +25 gefallen. Im Großen und Ganzen geht das aufs Konto einer Gruppe von Investoren - es handelt sich um 4 Prozent aller Befragten - zurück, die ihre Position um 180 Grad von Long auf Short gedreht haben. Diese wahrscheinlich eher kurzfristig orientierte Verhaltensweise mag auf frühere Dip-Käufer zurückzuführen sein, denen die Erholung des DAX von 1,1 Prozent im Wochenvergleich vermutlich nicht schnell genug ging, um noch an substanzielle Gewinne zu glauben.

Eine ganz ähnliche Entwicklung stellen wir bei den Privatanlegern fest, unter denen der Optimismus gegenüber der Vorwoche insgesamt ebenfalls zurückgegangen ist. Wir stellen in diesem Panel einen parallelen Rückgang im Deutsche Börse Sentiment-Index von 8 Punkten auf einen neuen Stand von +25 fest. Im Gegensatz zu den institutionellen Investoren ist das Bullenlager um 6 Prozentpunkte und damit etwas stärker geschrumpft, wobei zwei Drittel der Wechselwilligen zu den neutral gestimmten Investoren wechselten, der verbleibende Rest zu den Bären.

Parallelen zwischen Privaten und Profis

Betrachtet man diejenigen Anlegenden, die wir nicht über Social Media befragt haben, gleicht dieser Wechsel noch stärker dem Verhalten der institutionellen Investoren. Die überwiegende Mehrzahl der dort abwandernden Bullen (6 Prozent aller Befragten) sind nämlich direkt auf die Bärenseite gewechselt, haben ihre Engagements also um 180° gedreht. Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe hat sich immerhin um elf Punkte auf einen neuen Stand von +17 verringert.

Dass der Gesamtindex am Ende doch noch genauso hoch wie bei den institutionellen Pendants notiert, liegt an den Anlegenden, die wir über Social Media befragten. Denn deren Stimmung ist gegenüber der Vorwoche gegen den Trend sogar gestiegen.

Somit hat sich zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren auch in dieser Woche keine Stimmungskluft aufgetan. Dass der Deutsche Börse Sentiment-Index bei den institutionellen Investoren mit einem Stand von +25 immer noch von einem ordentlichen Optimismus zeugt, ließe sich einerseits dadurch erklären, dass man sich mittlerweile an die volatile Situation bei den ?-lpreisen und an die geopolitischen Einflussfaktoren gewöhnt zu haben scheint. Viel gravierender dürfte indes sein, dass viele Optimisten die Einstandspreise der bereits vor einigen Wochen begründeten bullishen Engagements bislang noch nicht wieder gesehen haben. Diese vermuten wir nunmehr zwischen 24.450 und 24.500 DAX-Zählern, so dass wir in diesem Bereich im Falle eines weiteren Kursanstiegs dort mit deutlichem Angebot rechnen.

Auf der Unterseite hat sich die Nachfragesituation von 23.200/250 DAX-Zählern genauso wie die Lage des DAX insgesamt etwas verbessert. Unterhalb davon sähe die heimische Aktienwelt allerdings wieder schlechter aus.

von Joachim Goldberg

19. März 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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