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10.03.2026 10:34

China-Geschäft bricht ein: Deutsche Exporte sinken deutlich

Welthandel

Wiesbaden (dpa) - Rückgänge in Europa, Einbruch der China-Nachfrage: Die deutschen Exporte sind zu Jahresbeginn überraschend stark gesunken. Im Januar wurden Waren im Wert von 130,5 Milliarden Euro in alle Welt verkauft, ein Minus von 2,3 Prozent zum starken Vormonat Dezember, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Damit fiel der Rückgang großer aus als von Analysten erwartet, nachdem die Ausfuhren im Dezember noch um rund vier Prozent zugelegt hatten. Immerhin: Für Hoffnung sorgt das Geschäft mit den USA, wo die Exporte im Januar kräftig stiegen.

«Der deutsche Außenhandel startet schwach ins neue Jahr – und die Risiken nehmen weiter zu», sagte Dirk Jandura, Präsident des Außenhandelsverbands BGA. «Der Krieg um den Iran mit seinen Folgen für Energiepreise und Handelsrouten belastet Unternehmen und Bürger.» Erste Störungen im Luft- und Seeverkehr führten schon zu längeren Transportzeiten und höheren Kosten.

Einbußen in Europa und China

Deutliche Rückgänge für die deutschen Exporteure gab es im Januar im wichtigen und zuletzt so robusten Geschäft mit Europa: Die Ausfuhren in die EU schrumpften um 4,8 Prozent zum Vormonat auf 71,6 Milliarden Euro. Zudem brachen die Exporte nach China um gut 13 Prozent ein auf 6,3 Milliarden Euro. Die Volksrepublik macht deutschen Unternehmen auf den Weltmärkten zunehmend Konkurrenz und überraschte zu Jahresbeginn selbst mit einem deutlichen Plus im Außenhandel.

«Dem deutschen Exportmotor fehlt das Schmieröl», sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. «Das Auslandsgeschäft springt nicht an.» Unter vielen Kunden weltweit herrsche angesichts der großen globalen Unsicherheiten Zurückhaltung. 

Nach Deutschland importiert wurden im Januar Waren im Wert von 109,2 Milliarden Euro. Das waren 5,9 Prozent weniger als im Vormonat Dezember und 4,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor - auch, weil die Einfuhren aus China sanken. Von dort wurden Waren im Wert von 14,2 Milliarden Euro eingeführt, gut 8 Prozent weniger als im Vormonat. Insgesamt stand ein Überschuss von gut 21 Milliarden Euro in der deutschen Außenhandelsbilanz. 

Erholung im US-Geschäft

Hoffnung machen die Exporte in die USA, dem wichtigsten Exportland für Deutschland. Die Ausfuhren dorthin wuchsen im Januar um 11,7 Prozent auf 13,2 Milliarden Euro. «In Anbetracht der Zollquerelen ist dies durchaus beachtlich», schrieb Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Der verkorkste Jahresstart der Exporteure sollte nicht fehlinterpretiert werden. Noch immer seien die Vorzeichen günstig für ein höheres Wirtschaftswachstum, schrieb er mit Blick auf die staatlichen Milliarden für Rüstung und Infrastruktur.

Der traditionell starke Export spielt eine entscheidende Rolle für die angeschlagene deutsche Wirtschaft, die dieses Jahr nach Prognose der Bundesregierung um 1,0 Prozent wachsen soll. Fast jeder vierte Arbeitsplatz hierzulande hängt laut Statistischem Bundesamt vom Export ab. Zuletzt machten nicht nur der Zollstreit mit den USA und Konkurrenz aus China den Exporteuren zu schaffen, sondern auch der starke Euro: Er verteuert deutsche Waren auf den Weltmärkten.

Unsicherheit mit Iran-Krieg

2025 waren die deutschen Exporte dank eines starken Dezembers erstmals seit zwei Jahren wieder leicht gewachsen - trotz des Zollstreits mit den USA unter Präsident Donald Trump. Für dieses Jahr erwartet der Exportverband BGA nach früherer Prognose ein Plus von 0,6 Prozent.

Zuletzt hatte sich die Stimmung in der Branche verbessert. Die Ifo-Exporterwartungen stiegen im Februar in den positiven Bereich. Von einer breiten Erholung könne jedoch noch keine Rede sein, hieß es zu den Daten, die noch vor Beginn des Iran-Kriegs veröffentlicht wurden.

Mit der Eskalation im Nahen Osten wachsen die Sorgen um die deutsche Wirtschaft, unter anderem weil die gestiegenen Ölpreise den Transport von Waren verteuern. Das trifft die Exportnation Deutschland besonders. Ökonomen fürchten negative Folgen für die Konjunktur, sollte sich der Krieg im Iran über Monate hinziehen und die Ölpreise längere Zeit erhöht bleiben.

Mit Blick auf den Iran-Krieg sähen die Unternehmen aktuell zwar noch keine gravierenden direkten Auswirkungen, sagt BGA-Präsident Jandura, doch mögliche Einschränkungen zentraler Handelsrouten wie der Straße von Hormus beobachte man mit Sorge. 

«Höhere Energiekosten wären für das globale verarbeitende Gewerbe eine schwerwiegende Belastung», meint Ökonom Gitzel. Eine geringe Investitionsneigung würde gerade die deutsche Industrie deutlich treffen. «Für die Exportwirtschaft wird entscheidend sein, ob sich die Zollkonflikte beruhigen und ob die Ölpreise fallen.»



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