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04.03.2026 12:21

ROUNDUP 2: Dieselpreis springt am Morgen über die 2-Euro-Marke

(neu: Reiche zu Spritpreisbremse, ADAC-Experte Laberer zu Tagesdurchschnittspreis, Spritpreisbremse)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Dieselpreis ist infolge der Verwerfungen des Iran-Krieges auf mehr als zwei Euro geklettert. In der morgendlichen Preisspitze um 7.15 Uhr ermittelte der ADAC einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter. Im weiteren Verlauf des Vormittags sank er zunächst wieder knapp unter die 2-Euro-Marke.

Auch Superbenzin der Sorte E10 legte deutlich zu und kostete in der morgendlichen Spitze 1,995 Euro pro Liter. Der Anstieg fiel aber nicht ganz so stark aus wie beim Dieselpreis, der dem ADAC zufolge deutlich sensibler auf Krisen reagiert. Beide Preise lagen am Vormittag aber klar höher als zum gleichen Zeitpunkt des Dienstags.

Die Bundesregierung plant nach den Worten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von Autofahrern vor dem Anstieg der Benzinpreise. "Das steht nicht auf der Agenda", sagte die CDU-Politikerin in München.

Tagesdurchschnittspreise steigen ebenfalls stark

"Bei Diesel geht auch der Tagesdurchschnittspreis in Richtung 2 Euro", sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. "Ob er dann über oder unter diesem Wert liegt, kann man jetzt noch nicht sagen. E10 bleibt sicher darunter, hier könnte es auf 1,93 bis 1,94 Euro pro Liter hinauslaufen. Beides wäre deutlich mehr als noch gestern."

Schon am Montag und Dienstag war der Spritpreis schnell gestiegen. Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch auf lange Sicht besser vergleichbar ist, lag am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10 und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel. Schon das waren 12,1 und 17,7 Cent mehr als am Freitag.

Dass Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro kostete, war zuletzt im November 2022 passiert, bei E10 zuletzt im September 2022 - beides waren Folgen des Ukrainekrieges.

ADAC hält Preise für zu hoch

"Wenn man sich Rohölpreis und Dollarkurs ansieht, war der Preisanstieg bei E10 schon gestern etwas zu hoch. Setzt sich die aktuelle Entwicklung fort, wäre es deutlich", sagt Laberer. "Für Diesel ist das schwieriger zu bewerten, weil hier auch andere Faktoren eine Rolle spielen, beispielsweise dass der Kraftstoff als Ersatz für Gas verwendet wird, das derzeit nicht aus Katar geliefert werden kann. Wahrscheinlich steckt im aktuellen Dieselpreis aber auch Spekulation."

Solange die aktuelle Krise anhalte, werde Diesel aber wohl teurer bleiben als E10. Normalerweise ist Diesel wegen niedrigerer Steuern der günstigere Kraftstoff. Sobald sich die Lage aber beruhige und der Ölpreis sinke, müsse dies "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden - die Spritpreise also deutlich sinken", sagt Laberer.

Keine Versorgungsengpässe zu erwarten

Seit der Konflikt im Nahen Osten am Samstag eskaliert ist, steigen die Preise für Öl und in der Folge auch für Sprit und Heizöl. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr vor der Küste des Irans fährt rund ein Fünftel der globalen Öltransporte. Jede Störung dort kann die Energiepreise steigen lassen und der Iran hat den Schiffsverkehr als Reaktion auf die Angriffe eingeschränkt.

Der Ölpreis ist - zusammen mit dem Dollarkurs - der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Spritpreis. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie wies auch darauf hin, dass der Nahe Osten derzeit auch als Lieferant von fertigem Kraftstoff - insbesondere Diesel teilweise ausfalle.

Die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas ist laut Wirtschaftsministerin Reiche aber nicht gefährdet. "Wir sehen keine Knappheiten bei Öl", sagte sie. "Im Gasmarkt sehen wir auch keine physischen Knappheiten." Auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie äußerte sich ähnlich. Deutschland beziehe sein Rohöl aus rund 30 Ländern. Hauptlieferländer sind demnach Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.

Tankrabatt wird kritisch gesehen

Je nach Tankstelle kann es große Abweichungen zum Durchschnittspreis geben. So gab es auch am Morgen noch viele Tankstellen, an denen Diesel noch unter 2 Euro pro Liter zu haben war. Gerade in Krisenzeiten lohne sich der Preisvergleich besonders, betont der ADAC.

Einen Tankrabatt hält auch der ADAC "derzeit nicht für sinnvoll", wie Laberer sagt. "2022 kam er zu spät und wegen Mitnahmeeffekten in der Mineralölindustrie auch nur teilweise bei den Verbrauchern an. Wenn die Preise längerfristig hoch bleiben, sollte sich der Staat aber auf jeden Fall Gedanken machen, wie er die Verbraucher mit anderen Maßnahmen sinnvoll entlasten kann."

Koalition setzt Taskforce ein

Die Koalitionsfraktionen im Bundestag nehmen die steigenden Preise für Sprit und Energie verstärkt in den Blick und setzen eine Arbeitsgruppe dazu ein. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) sowie CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Ziel der Taskforce solle sein, im engen Austausch mit der Regierung die Entwicklung zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten zu prüfen.

Reiche sagte: "Wir müssen beobachten, wie lange die Kriegshandlungen andauern und werden dann mit Krisenmechanismen, die wir selbstverständlich in unserem Portfolio haben und ziehen können, reagieren. Dazu ist aber jetzt kein Anlass." Welche Art von Krisenmechanismen möglich sind, wollte Reiche nicht sagen. Die Wirtschaftsministerin verwies darauf, dass die Bundesregierung die im letzten Sommer während der damaligen vorübergehenden Sperrung der Straße von Hormus tätige Taskforce wieder eingesetzt und die Krisenstäbe aktiviert habe./ruc/DP/stw



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