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04.03.2026 04:15

Iran-Krieg macht Öl teurer - Wie der Preis berechnet wird

Energie

Frankfurt/Main (dpa) - Mit dem Beginn des Iran-Kriegs sind die Preise für Rohöl auf dem Weltmarkt kräftig gestiegen. Das für den europäischen Markt wichtige Öl der Sorte Brent aus der Nordsee hat sich in den ersten beiden Handelstagen der Woche deutlich verteuert. Der Preis stieg von etwa 72 Dollar je Barrel (159 Liter) am vergangenen Freitag um etwa 17 Prozent auf mehr als 85 Dollar. Sollte der Krieg im Nahen Osten länger andauern, rechnen Experten mit einem weiteren Preisanstieg am Ölmarkt.

Wie kommt der Ölpreis auf dem Weltmarkt zustande?

Rohöl wird auf dem Weltmarkt in der Regel über Terminkontrakte gehandelt. Das bedeutet: Der Kunde bekommt die bestellte Menge an Rohöl erst mit Verzögerung geliefert. Die Kontrakte werden dabei monatlich erstellt. Allerdings werden die gekauften Terminkontrakte oftmals nicht bis zur Fälligkeit gehalten. Sie werden vielmehr schon früher weiterverkauft, was die Spekulation auf die Ölpreise verstärkt.

In aller Regel hat der Terminkontrakt, der als Nächstes fällig wird, das höchste Handelsvolumen und wird an den Finanzmärkten am stärksten beachtet. Für die Preisfindung ist neben dem Angebot und der Nachfrage zudem von Bedeutung, dass der Rohstoff in aller Regel in US-Dollar gehandelt wird. Eine Dollar-Schwäche kann daher den Rohstoff günstiger machen. Umgekehrt kann ein stärkerer Dollar den Rohstoff verteuern. Die Währungsschwankungen können einen deutlichen Einfluss auf die Preisbildung haben.

Welche Rolle spielt die Qualität des Rohöls?

Entscheidend für die Qualität des Rohöls ist zunächst der Schwefelgehalt. Man spricht hier von leichtem und schwerem Rohöl. Schwefel ist ein unerwünschter Bestandteil, da die Verarbeitung von Ölsorten mit einem hohen Schwefelgehalt aufwendiger ist. Daher sind die Preise für leichtes Rohöl höher. Ein weiterer Qualitätsfaktor ist die Dichte des Rohöls. Viele Raffinerien sind nur auf bestimmte Rohölsorten ausgerichtet und können andere Sorten gar nicht verarbeiten.

Was sind die wichtigsten Ölsorten?

Es gibt auf der Welt eine Vielzahl von Rohölsorten. Die Preisentwicklung orientiert sich vor allem an den Referenzsorten, die an den führenden Rohstoffmärkten jeweils gehandelt werden. Dies ist in den USA die Sorte West Texas Intermediate (WTI) und in Europa die Nordseesorte Brent. Bei beiden Sorten handelt es sich jeweils um qualitativ wertvolles Leichtöl, das in den Raffinerien vergleichsweise einfach zu Mineralölprodukten wie Benzin oder Diesel weiter verarbeitet werden kann.

Die Preisentwicklung von anderen Rohölsorten orientiert sich entsprechend ihrem Schwefelgehalt an diesen Sorten. Die wichtigste Rohölsorte aus Saudi-Arabien ist Arab Light und wird vor allem für die Treibstoffherstellung genutzt. Der Schwefelgehalt liegt im mittleren Bereich. Über die weltweit höchsten Ölvorkommen verfügt Venezuela. Es handelt sich allerdings um sehr schwere Ölsorten mit einem hohen Schwefelgehalt. Die Verarbeitung ist entsprechend teuer. Die wichtigste Ölsorte in Russland ist Urals. Auch hier handelt es sich um Rohöl mit einem hohen Schwefelgehalt.

Gibt es auf dem Weltmarkt genug Rohöl?

Zuletzt haben mit der Internationalen Energieagentur (IEA) und der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) zwei wichtige Organisationen der globalen Ölbranche vor einem Überangebot in diesem Jahr gewarnt. Hintergrund sind unter anderem die Fördermengen wichtiger Ölstaaten, die in dem Ölverbund Opec+ organisiert sind. 

Diese haben in den vergangenen Monaten immer wieder ihre Produktionsmengen angehoben und damit die Sorge vor einem zu hohen Angebot geschürt. Dies ist auch einer der wesentlichen Gründe, warum die Ölpreise in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres tendenziell gefallen waren. Im Dezember wurde Brent-Öl aus der Nordsee noch bei etwa 60 Dollar je Barrel gehandelt, bevor der Iran-Krieg die Notierung bis auf zuletzt 85 Dollar nach oben schnellen ließ.

Mit dem starken Preissprung seit Beginn des Iran-Kriegs könnte aber auch das hohe Angebot nicht ausreichen, um die Ölpreise wieder auf das Niveau des vergangenen Jahres zu drücken. Die heftigen Preisanstiege bei wichtigen Energierohstoffen rufen Ökonomen auf den Plan, die vor Risiken für die wirtschaftliche Entwicklung, auch in Deutschland, warnen. Entscheidend dürfte hierbei die Dauer des Krieges sein. 

Erst bei einem länger andauernden Konflikt würde ein deutlicher Anstieg der Ölpreise riskant für die Konjunktur, sagt Thomas Gitzel, Chefvolkswirt bei der VP Bank. In diesem Falle «wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant», sagt er. Bleibt es hingegen bei einem kürzeren Konflikt «werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben.»

Wer sind die größten Ölproduzenten der Welt?

Die USA sind derzeit der mit Abstand größte Ölproduzent der Welt. Unter der Präsidentschaft von Donald Trump ist die Anhebung der Fördermenge ein wesentlicher Teil der politischen Agenda, nachdem der Republikaner mit dem Slogan «Drill Baby Drill» in den Wahlkampf zog. 

Gefolgt werden die USA von Saudi-Arabien und Russland auf den Plätzen zwei und drei, allerdings mit einigem Abstand. Vor allem Saudi-Arabien ist nach Einschätzung von Experten schnell in der Lage, die Fördermenge zu erhöhen, um einem zu starken Preisanstieg entgegenzuwirken. Das führende Opec-Land kann Rohöl vergleichsweise einfach und kostengünstig zutage fördern. Dagegen ist eine Anhebung der Fördermenge in den USA mit deutlich mehr Aufwand und höheren Kosten verbunden.

Welche Transportwege gibt es beim Rohöl?

Eine zentrale Rolle für den Transport von Rohöl in der globalen Wirtschaft spielen Öltanker. Ein wichtiger Transportweg sind zudem Ölpipelines. In Deutschland wird das meiste Rohöl über Pipelines zu den Raffinerien geliefert.

Bei den globalen Lieferströmen werden hingegen Tanker genutzt, die Rohöl über Wochen zu den Zielhäfen transportieren. Neben dem Suezkanal gilt hierfür auch die Straße vom Hormus zwischen dem Iran und Oman als besonders wichtig. Durch die Meerenge am Persischen Golf wurde 2023 nahezu 30 Prozent des weltweiten verschifften Öls transportiert, rund ein Fünftel des weltweiten Bedarfs.



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