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12.02.2026 15:59

Weniger Käse und Milch für China - Zölle auf EU-Produkte

Handelskonflikt

Peking (dpa) - Nach eineinhalb Jahren ist es offiziell: China verhängt Zölle gegen eine Reihe importierter Milchprodukte aus der Europäischen Union. Betroffen sind laut dem Handelsministerium in Peking auch deutsche Hersteller. Die Aufschläge beliefen sich auf bis zu 11,7 Prozent, teilte die Behörde zum Ende der Anti-Subventionsuntersuchung mit. 

Damit setzte China die Sätze, die ab diesem Freitag gelten, niedriger an als die im Dezember verhängten vorläufigen Zölle zwischen 21,9 und 42,7 Prozent. Die Aufschläge gelten den Angaben zufolge über die kommenden fünf Jahre für bestimmte Sorten von frischem sowie verarbeiteten Käse sowie Milch und Sahne über einem gewissen Fettgehalt, die in erster Linie zum Verzehr gedacht sind.

Deutsche Unternehmen auf der Liste

Von den betroffenen Firmen aus Deutschland listete die Behörde mit dem Deutschen Milchkontor, einen der größten Molkereibetriebe in der Bundesrepublik auf. Zudem tauchten die in Niedersachsen ansässige Molkerei Ammerland, die Privatmolkerei Naarmann aus dem Münsterland sowie Arla Foods Deutschland auf, Teil der gleichnamigen dänisch-schwedischen Großmolkereigenossenschaft.

Weitere betroffene Firmen kamen aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden und Italien, wie aus der Auflistung hervorging. Die Zollsätze schwanken demnach je nach Firma zwischen 7,4 und 11,7 Prozent. Direkte Auswirkungen für Verbraucher in Europa dürften die Zölle indes nicht haben. 

Folgen für deutsche Hersteller

Der Milchindustrie-Verband stuft die Auswirkungen der geplanten Zölle für den deutschen Milchsektor als «überschaubar» ein. Käse und Rahm machten im Vergleich zu Ländern wie Italien und Frankreich nur einen geringen Anteil an den deutschen China-Exporten aus. Von den Maßnahmen gegen Käse sind nach Verbandsangaben vor allem Italien und Dänemark betroffen. 

Für die deutschen Exportfirmen seien die chinesischen Zölle dennoch spürbar, sagte ein Sprecher des Verbandes. Margen und Wettbewerbsfähigkeit im China-Geschäft würden dadurch erheblich belastet.

Wie wichtig Chinas Markt ist

Laut der EU-Kommission exportierte Deutschland 2025 Milchprodukte im Wert von knapp 364 Millionen Euro nach China. Daten für Dezember liegen bislang nicht vor. Vollmilch war dabei mengenmäßig die wichtigste Position. Im Vorjahr hatte der Exportwert bei mehr als 373 Millionen Euro gelegen. Damit entfällt knapp ein Viertel der gesamten EU-Ausfuhren auf Deutschland. 

China ist für Deutschland neben Großbritannien laut Milchindustrie-Verband der wichtigste Drittland-Zielmarkt für Milchprodukte. Die Ausfuhren seien seit einigen Jahren jedoch rückläufig, weil China seine Milchproduktion deutlich ausgeweitet habe. Im Jahr 2021 lag der Exportwert noch bei 595 Millionen Euro. Dennoch sei der chinesische Markt für die EU sehr relevant, so der Sprecher.

Ähnlich äußerte sich der Präsident des Exportverbands BGA, Dirk Jandura. China gehöre für die deutsche Milchwirtschaft zu den wichtigsten Absatzmärkten außerhalb der EU. Zusätzliche Zölle verteuerten den Marktzugang, schwächten die Wettbewerbsfähigkeit und erhöhten die Unsicherheit in einem ohnehin anspruchsvollen internationalen Umfeld. 

Ökonom: Branche muss neue Märkte finden

Chinas finale Zölle seien niedriger, jedoch bleibe der Marktzugang für die Produzenten eine Sorge, sagte Ökonom Thijs Geijer von ING Research. «China gilt seit langem als Wachstumsmarkt für Exporteure von Milchprodukten aus der EU, aber die Exportmengen von Produkten wie Käse standen bereits vor Einführung der Zölle unter Druck», erklärte er. Die Zölle Chinas aber auch der USA zeigten, dass die Branche weitere Märkte außerhalb Europas erschließen müsse, sagte Geijer. 

Europäische Milchprodukte sind in China beliebt. Käse aus Frankreich oder Italien sowie Milch aus Deutschland genießen einen guten Ruf. Zudem hatten spätestens seit dem sogenannten Melamin-Skandal von 2008, bei dem Milchprodukte gepanscht wurden und sich bei Säuglingen anschließend Nierensteine gebildet hatten, das Vertrauen chinesischer Konsumenten in heimische Marken erschüttert. 

Wie China die Zölle begründet 

Seit August 2024 hatte das Handelsministerium die EU-Milchprodukte wegen mutmaßlich unfairer Subventionen untersucht. Wie schon in anderen Fällen gegen aus der EU importierte Schweinefleischprodukte oder Weinbrand bestätigte Peking am Ende den Anfangsverdacht. Ein Sprecher des Handelsministeriums betonte, die Untersuchung sei nach Prinzipien der Fairness, Unparteilichkeit und Offenheit verlaufen. 

Im aktuellen Fall erklärte die Behörde, die importierten Milcherzeugnisse aus der EU seien subventioniert und schädigten damit chinesische Milchprodukte-Hersteller. Zur Begründung hieß es weiter, dass zwischen dem Schaden und den Subventionen ein kausaler Zusammenhang bestanden habe. 

Zoll-Schlagabtausch zwischen Peking und Brüssel

Pekings Untersuchungen gelten als Gegenmaßnahme zu den von Brüssel 2024 eingeführten Zöllen auf Elektroautos, die in China hergestellt wurden. Im Fall der Milcherzeugnisse hatte sich die EU-Kommission bereits im Dezember besorgt über die Verhängung vorläufiger Aufschläge geäußert. Ein Sprecher hatte damals gesagt, die jüngste Untersuchung beruhe nach Einschätzung der Behörde auf fragwürdigen Vorwürfen und unzureichenden Beweisen. Die Maßnahmen seien ungerechtfertigt und unbegründet.



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