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15.01.2026 12:10



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Entgegen des Trends wechseln hiesige Profis und einige Private von der Long- auf die Short-Seite. Was nach Ansicht von Goldberg den Markt nicht behindert - im Gegenteil.

15. Januar 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Zumindest was die Nachrichtenlage der ersten 14 Tage im neuen Jahr angeht, mag es sich für manchen Anleger angefühlt haben wie ein Vierteljahr Geschichte, auch wegen der Fülle an Informationen, die für Börsianer wichtig gewesen sein dürfte.

Allein während der Berichtswoche seit der vergangenen Sentiment-Erhebung gab es Nachrichten, die in früheren Zeiten für erhebliche Volatilität gesorgt hätten. Sei es alleine die schwierige geopolitische Situation oder auch die wachsenden Sorgen um die Unabhängigkeit der US-Notenbank seit vergangenem Sonntag. Fed-Chef Jerome Powell hatte sich in einer außergewöhnlichen Stellungnahme zu den gegen ihn erhobenen strafrechtlichen Ermittlungen geäußert, ohne dass sich diese wichtigen Neuigkeiten weder in den USA noch hierzulande sichtbar in den Kursen niederschlugen, und wenn doch, dann nur ganz kurzzeitig. Der DAX hat seit vergangenem Mittwoch ohne größere Rücksetzer seinen Aufwärtstrend fortgesetzt und zeitweise um bis zu 2 Prozent an Wert gewonnen.

Skepsis passt ins Konzept

Dass die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont der laufenden Aufwärtsbewegung nicht so recht trauen wollen, vermittelt die jüngste Entwicklung des Deutsche Börse Sentiment-Index, der nunmehr deutlich um 22 Punkte auf einen neuen Stand von -18 gefallen ist. Und zwar in erster Linie, weil sich das Bärenlager um 12 Prozentpunkte vergrößerte. Vier Fünftel dieser Pessimisten gehörten zuletzt den Bullen an, und nur ein Fünftel kommt aus der Gruppe vormals neutral eingestellter Akteure.

Mit anderen Worten: Zu großen Teilen wurden nicht nur Gewinne mitgenommen, sondern bestehende Engagements um 180 Grad auf bearish gedreht. Dabei dürften nicht nur die eingangs erwähnten Nachrichten eine Rolle gespielt haben. Möglicherweise auch nur insofern, dass sie den Drang zu Gewinnmitnahmen bestätigt und so ins Konzept gepasst haben. Und so mag es sich vielerorts auch leicht angefühlt haben, nach vier neuen Rekordhochs die Short-Seite anzupeilen.

Bei den Privatanlegern können wir indes nur einen vergleichsweise geringen Stimmungswechsel wahrnehmen. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel fällt lediglich um 6 Punkte auf einen neuen Stand von +19.

Diese recht übersichtliche Veränderung im Vergleich zu den institutionellen Pendants mag zum einen daran liegen, dass diejenigen Privatanleger, die wir über Social Media befragen, gegenüber der Vorwoche noch bullisher als die übrigen Anlegenden eingestellt sind. Bei Letzteren stellen wir dagegen eine ähnliche Entwicklung wie bei den institutionellen Pendants fest, allerdings längst nicht so stark und auch nicht so mutig. Der Rückgang bei den Bullen bei dieser Untergruppe beträgt zwar 7 Prozentpunkte, aber nur etwa die Hälfte dieser Akteure wagt sich direkt auf die Bärenseite, während sich die andere Hälfte mit Gewinnmitnahmen begnügt. Dies hat dazu geführt, dass selbst bei den aktiven Anlegenden noch die Bullen (Sentiment-Index +7) das Zepter in der Hand halten.

Und dennoch bleibt der DAX fest

Mit der heutigen Befragung hat sich eine deutliche Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren aufgetan. Und zwar vor allen Dingen, weil Letztere ihre bullishen Positionen seit Jahresbeginn deutlich verringert haben. Allein in den ersten beiden Stimmungserhebungen im neuen Jahr hat sich der Deutsche Börse Sentiment-Index dadurch um 34 Punkte verringert.

Stellt man allerdings die Kursentwicklung des DAX dagegen, muss einem diese Stimmungsentwicklung zu denken geben. Vor allen Dingen, weil das Börsenbarometer trotz dieser Stimmungsverschlechterung und den damit verbundenen Abgaben stabil geblieben, ja, sogar noch gestiegen ist. Vermutlich, weil die langfristigen Kapitalzuflüsse auch in der vergangenen Woche nicht abgerissen sind. Vieles spricht dafür, dass Nachfrage aus dem Ausland die Abgaben heimischer Investoren aufgesaugt hat.

Da wir überdies glauben, dass die Pessimisten von heute tatsächlich nur auf eine DAX-Korrektur setzen, rechnen wir mit erster unterstützender Nachfrage aus Rückkäufen im Falle von Rücksetzern im Bereich von 24.650/700 DAX-Zählern. Auch wenn der Pessimismus zum Jahresbeginn noch nicht überbordendend ist, dürfte er im Falle eines weiteren deutlichen Kursanstiegs zumindest für eine kleine Shortsqueeze gut sein. Insgesamt also weiterhin gute Aussichten für den DAX.

von Joachim Goldberg

14. Januar 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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