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08.01.2026 11:37

OTS: The Boston Consulting Group / BCG Global Trade Report: Europas ...

    BCG Global Trade Report: Europas Handelsströme verlagern sich
München (ots) -

- Welthandel wächst weiter - für die EU verändern sich jedoch die Gewichte ihrer
  wichtigsten Handelspartner deutlich
- EU-Handel mit den USA und China entwickelt sich unterdurchschnittlich
- An Bedeutung gewinnen regelbasierte, handelsoffene Volkswirtschaften sowie
  ausgewählte Märkte außerhalb der klassischen Handelsachsen
- EU-Außenhandel legt deutlich stärker zu als Binnenhandel

Der globale Warenhandel bleibt auch in einem zunehmend fragmentierten Umfeld
robust und wächst bis 2034 im moderaten Entwicklungspfad jährlich um rund 2,5
Prozent, so eine Prognose der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG).
Die Handelsbeziehungen der EU werden sich dabei grundlegend verändern, weil sich
die Märkte zunehmend multipolar entwickeln mit Auswirkungen auf die Bedeutung
einzelner Handelspartner. Das zeigt der BCG Global Trade Report 2026, der die
Entwicklung der weltweiten Handelsströme über einen Zeitraum von zehn Jahren
untersucht. Entscheidend für die EU ist dabei weniger das globale Wachstum
insgesamt als die Frage, woher dieses Wachstum künftig kommt und wie sich
Europas Handelsprofil verändert.

Um diese Dynamik einzuordnen, arbeitet der BCG Global Trade Report 2026 erstmals
mit vier unterschiedlichen Entwicklungspfaden für den Welthandel über die
kommenden zehn Jahre. Hintergrund ist die wachsende Unsicherheit durch
geopolitische Spannungen, industriepolitische Eingriffe und fragmentierte
Handelsregeln. In dem von den Beratern als besonders plausibel eingeschätzten,
moderaten Trade-Patchwork-Szenario wächst der globale Warenhandel trotz dieser
Belastungen weiter und steigt von rund 23 Billionen US-Dollar im Jahr 2024 auf
knapp 30 Billionen US-Dollar bis 2034. Dieses Wachstum liegt leicht über dem
erwarteten globalen Wirtschaftswachstum, geht jedoch mit einer tiefgreifenden
Neuordnung der Handelsströme einher: Während einzelne traditionelle
Handelsachsen an Bedeutung verlieren, gewinnen neue, politisch und regulatorisch
geprägte Verbindungen an Gewicht.

Phase tiefgreifender Neuordnung

Für die Europäische Union zeigen die Daten ein differenziertes Bild: Während der
EU-Handel mit den USA und China bis 2034 jeweils nur um rund 1,5 Prozent pro
Jahr wächst und damit deutlich unter dem globalen Durchschnitt bleibt,
entwickeln sich andere Partnerschaften spürbar dynamischer. Der Handel der EU
mit regelbasierten, handelsoffenen Volkswirtschaften legt im selben Zeitraum im
Schnitt um rund 2,5 Prozent jährlich zu, so die Prognose. Innerhalb dieser
Gruppe entfällt etwa 40 Prozent des Handelsvolumens auf die EU selbst, was die
wachsende Bedeutung eng integrierter Handelsräume unterstreicht. Besonders
relevant für Europas künftige Handelsentwicklung sind dabei die Beziehungen zu
den EFTA-Staaten, den CPTPP-Ländern, dem Vereinigten Königreich und Südkorea.
"Der Welthandel tritt nicht in eine Phase des Rückzugs ein, sondern in eine
Phase tiefgreifender Neuordnung", sagt Nikolaus Lang, Senior Partner bei BCG und
Co-Autor des Reports. "Trotz zunehmender geopolitischer Fragmentierung wächst
der globale Warenhandel weiter - entlang neuer, politisch geprägter
Handelsachsen."

Diese Verschiebungen spiegeln sich auch in der unterschiedlichen Dynamik von
EU-Binnen- und EU-Außenhandel wider: Während nach Einschätzung der BCG-Experten
der Binnenhandel bis 2034 nur um rund 1,4 Prozent jährlich wächst, entwickelt
sich der EU-Außenhandel mit einem Plus von etwa 2,3 Prozent pro Jahr deutlich
dynamischer. Das externe Handelsvolumen der EU steigt von rund 5,3 Billionen
US-Dollar im Jahr 2024 auf etwa 6,7 Billionen US-Dollar bis 2034. Für Europas
Handelsentwicklung wird also die Positionierung in internationalen
Wertschöpfungs- und Handelsnetzwerken immer entscheidender.

Diversifizierung wird strategische Notwendigkeit

Besonders deutlich zeigen sich die strukturellen Herausforderungen der EU in
ihren sektoralen Abhängigkeiten. In Branchen wie Automobil & Mobilität,
Maschinenbau und Biopharma entfallen in einzelnen Segmenten jeweils mehr als 30
bis 40 Prozent des Handelsvolumens auf die USA und China. Diese Konzentration
erhöht die Anfälligkeit europäischer Wertschöpfungsketten gegenüber
handelspolitischen Eingriffen und geopolitischen Spannungen.
Diversifizierungsstrategien können Risiken reduzieren, gehen jedoch mit einer
steigenden Komplexität wirtschaftlicher und politischer Abstimmungsprozesse
innerhalb der EU einher.

"Die EU bleibt in zentralen Industrien stark von den USA und China abhängig",
betont Lang, der auch den Vorsitz des BCG Henderson Institute innehat. "Diese
Verwundbarkeit zwingt Europa, wirtschaftliche Sicherheitsinteressen und das
Bekenntnis zu regelbasiertem Handel neu auszubalancieren - Diversifizierung wird
damit zur strategischen Notwendigkeit." Und auch jenseits Europas zeigen sich
unterschiedliche Entwicklungsdynamiken im Welthandel: Der BCG Global Trade
Report zeigt, dass insbesondere der Handel zwischen BRICS+-Staaten (ohne China)
sowie mit Teilen des Global South bis 2034 jeweils um rund 3 Prozent pro Jahr
zunimmt. China baut seine wirtschaftlichen Beziehungen zu diesen Märkten weiter
aus; der Handel mit anderen BRICS+-Staaten wächst im gleichen Zeitraum um rund
5,5 Prozent jährlich. Dagegen verliert der direkte Handel zwischen den USA und
China weiter an Bedeutung und geht bis 2034 um rund 4,5 Prozent zurück.
Gleichzeitig wächst der Warenhandel der USA insgesamt mit nur rund 1,5 Prozent
pro Jahr deutlich langsamer als der globale Durchschnitt.

Implikationen für Wirtschaft und Politik

Vor diesem Hintergrund wird Europas Handelszukunft zur strategischen
Gestaltungsaufgabe. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen Handels- und
Lieferketten stärker an unterschiedliche Handelsräume anpassen und geopolitische
Risiken systematisch in Investitions- und Standortentscheidungen einbeziehen.
Gleichzeitig stehen politische Entscheidungsträger vor der Aufgabe,
wirtschaftliche Offenheit, industriepolitische Steuerung und das Bekenntnis zu
regelbasiertem Handel in einem komplexeren globalen Umfeld auszubalancieren.
"Die EU steht vor einem strukturellen Wendepunkt", sagt BCG-Partner Nikolaus
Lang. "Das künftige Handelswachstum wird vor allem aus Partnerschaften mit
gleichgesinnten Volkswirtschaften kommen - nicht aus dem Binnenmarkt allein."

Über die Studie

Der BCG Global Trade Report 2026 analysiert die Entwicklung des weltweiten
Warenhandels über einen Zeitraum von zehn Jahren bis 2034. Grundlage ist das BCG
Global Trade Model, das auf historischen Handelsdaten, makroökonomischen
Indikatoren und szenariobasierten Annahmen beruht. Der Bericht untersucht
Handelsströme zwischen mehr als 150 Ländern und ordnet sie in regionale und
handelspolitische Kontexte ein. Angesichts der zunehmenden Unsicherheit im
globalen Handelsumfeld arbeitet der Report erstmals mit vier möglichen
Entwicklungspfaden, um unterschiedliche wirtschafts- und geopolitische
Rahmenbedingungen abzubilden.

Über BCG

Die Boston Consulting Group (BCG) ist eine weltweit führende
Unternehmensberatung. Gemeinsam mit Führungskräften aus Wirtschaft und
Gesellschaft treiben wir tiefgreifende Transformationen voran. Seit der Gründung
1963 leistet BCG Pionierarbeit im Bereich Unternehmensstrategie. Unser Ziel:
Organisationen so stärken, dass sie wachsen, nachhaltige Wettbewerbsvorteile
entwickeln und positiven gesellschaftlichen Wandel gestalten können.

BCG steht für erstklassige Strategieberatung mit Technologiekompetenz sowie
unternehmerischer Umsetzungskraft - von digitalen Geschäftsmodellen bis zu
Corporate Ventures. Unsere internationalen Teams vereinen Branchenwissen,
funktionale Expertise und vielfältige Perspektiven - sie hinterfragen den Status
quo und setzen Impulse für echte Veränderung. Unser Beratungsmodell ist
einzigartig: Es setzt auf enge Zusammenarbeit innerhalb unserer Teams und bei
unseren Kunden - über alle Organisationsebenen hinweg. BCG ist mit rund 33.000
Mitarbeitenden in über 100 Städten und mehr als 50 Ländern vertreten. Weltweit
erzielte BCG im Jahr 2024 einen Umsatz von 13,5 Milliarden US-Dollar.

Weitere Informationen: https://www.bcg.com/

Pressekontakt:

Boston Consulting Group
Simona Gulich
Media Relations Specialist
T + 49 151 10386025
mailto:simona.gulich@bcg.com

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/180974/6192512
OTS:               The Boston Consulting Group


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