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06.01.2026 10:18



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 6. Januar 2026. FRANKFURT (pfp Adisory). Rund um den Jahreswechsel fühle ich mich ein wenig wie Phil Connors, der etwas zynische Wettermoderator aus dem Film "Und täglich grüßt das Murmeltier", der denselben Tag stets aufs Neue erlebt. Sind doch die (in diesem Fall jährlich) wiederkehrenden Muster zu diesem Zeitpunkt sehr groß. Unmittelbar mit dem neuen Jahr scheint die ganze Welt jedes Jahr aufs Neue mit neuen Vorhaben für Diäten, mehr Sport und überhaupt gesünderem Leben gefüllt zu sein.

Kurz zuvor und mit der gleichen Beständigkeit gibt es zumindest für die geneigten Anlegerinnen und Anleger nahezu kein Entrinnen, den großen Prognosetabellen für US-Dollar, Zinsen, EURO STOXX und natürlich dem DAX zu begegnen. Ich bin ja mittlerweile einige Jahrzehnte in dieser Industrie tätig und maße mir an, viele Menschen zu kennen, die sich professionell mit dem Kapitalmarkt beschäftigen. Dass unter den echten Profis Menschen sind, die sagen: "Ach, ist doch eine gute Sache, jetzt in den Markt zu gehen, schließlich sehen 25 befragte Experten den DAX etwa 2.000 Punkte höher in einem Jahr", würde ich vielleicht nicht ausschließen. Mir begegnet sind sie indes nicht. Im Ernst: Ich weiß nicht wirklich, was diese "Kristallkugel-Challenge" soll.

Ich habe eine gewisse Vorstellung, wie diese unverändert häufig anzutreffenden Tabellen zustande kommen. Demnach halte ich es für denkbar, dass die Chefredakteure der überregionalen Zeitungen mit großem Wirtschafts- und Finanzteil ihren Leuten sagen "Da müssen wir doch dabei sein, bei xy ist es ja auch drin und unsere Leser brauchen Orientierung gerade in diesen unruhigen Zeiten!" (auch die sind gefühlt jedes Jahr). In den Bankhäusern natürlich ein ähnliches Bild: "Wie kann es sein, dass 20 Institute befragt werden und wir da nicht dabei sind?" Also hat spätestens zum Jahreswechsel praktisch jedes Bankhaus mit Kapitalmarktgeschäft irgendeinen Strategen vorzuweisen, der eine Meinung hat, wie sich der DAX entwickeln wird.

Die Prognosen, und da sind wir wieder beim eingangs so genannten "Phil-Connors-Syndrom", zeichnen sich durch eine faszinierende Wiederkehrbarkeit aus. Egal, ob am Ende einer Hausse oder Baisse. Egal, ob im Boom oder in einer Rezession. Gleich, ob die Zinsen steigen oder fallen und auch unabhängig vom Rest des Geschehens auf der Welt: Die prognostizierten Werte liegen mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit im Schnitt etwa 8 bis 10 Prozent über dem Index-Stand zur Abgabe der Prognose.

Dieses Jahr etwa landet der DAX in solch Umfragen DAX bei etwa 26.000 Punkten, verglichen mit dem DAX-Stand, bei dem die Umfrage erhoben wurde, kommt der von mir skizierte Abstand also erneut gut hin. Dieser Mittelwert kommt zudem nicht zustande, weil der eine Stratege 20.000 Punkte erwartet und die andere 32.000, sondern weil mehr oder weniger alle auffallend nah an der durchschnittlichen historischen jährlichen Wertentwicklung liegen. Der kleine, aber feine Unterschied: Diese Historie basiert auf einer deutlich größeren Spannbreite. Die moderaten Steigerungen sind in der Realität eben nicht die Regel, sondern die Ausnahme.

Dass sich dennoch kaum jemand traut, mutige Prognosen mit Veränderungen über 20 Prozent anzukündigen, ist ja menschlich nachvollziehbar. Sollte die angenommene Richtung falsch sein und man lehnt sich weit aus dem Fenster, könnte man in einem Jahr wie ein Verlierer aussehen, man hatte vielleicht die mutigste, aber auch die "falscheste" Prognose. Deshalb versteckt man sich lieber unauffällig in der Herde. Diese Redundanz geht für mich mit einem fragwürdigen Nutzen einher.

Der andere Grund, warum ich diese "Tippspielchen" ablehne: Sie sind bei Kapitalmärkten schlichtweg fragwürdig in ihrer Idee. Kapitalmärkte sind sogenannte "selbstreferenzielle Systeme", also verkürzt Systeme, die sich selbst beobachten und dadurch die Erwartungen verändern. Zudem sind die Komplexität und Menge der Einflussfaktoren schlicht zu groß. Vergleichen Sie es mit dem Wetter: Viele Meteorologen sind durchaus befähigt, das Wetter in wenigen Tagen mit einer hohen Wahrscheinlichkeit korrekt vorhersagen. Aber selbst die besten dieser Zunft werden Ihnen nicht sagen können, ob es heute in 12 Monaten stürmt oder schneit. Es passiert schlicht zu viel bis dahin. Und niemand weiß, was alles passiert.

Meine vorgeschlagene Alternative zu dem Streben nach einer höheren Sicherheit, wo der Index xy (alles Geschriebene gilt natürlich genauso für EURO STOXX; S&P500 etc.) in zwölf Monaten notiert, ist eine grundsätzliche und langfristig aufgesetzte Strategie (etwa über Sparpläne in ausgewählte Produkte) und eine Gelassenheit, ob der Markt kurzfristig steigt oder fällt. Die Meisten wollen langfristig an den Märkten partizipieren und nicht kurzfristig auf irgendwas wetten. Und ich glaube auch nicht wirklich, dass man es systematisch kann. Deshalb verwende ich darauf keine wesentliche Aufmerksamkeit. Analogie zu anderen eingangs genannten Besonderheiten um den Jahreswechsel. Eine nachhaltig vernünftige Ernährung ist sinnvoller als eine Blitzdiät (mit eingebautem Jo-Jo-Effekt), die man kurzfristig startet nur weil gerade Januar ist.

Von Roger Peeters, 6. Januar 2026, © pfp Advisory

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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