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20.03.2025 14:48



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - DAX-Aktien erweisen sich als äußerst beliebt, dennoch zielen etliche Profis lieber an die Seitenlinie bzw. halten an ihren Short-Positionen fest. Unfreiwillig, glaubt Joachim Goldberg.

19. März 2025. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg).Seit Wochen schon profitieren die hiesigen Aktienmärkte vom Zustrom ausländischer Kapitalzuflüsse, vornehmlich aus den USA. Aber nicht nur sie, wie die gestern publizierte Umfrage der Bank of America (BoA) unter internationalen Fondsmanagern ergab. Diese förderte nämlich unter anderem zutage, dass es einen Exodus von US-Aktien gegeben haben muss, der sich größtenteils in Richtung Europa bewegt hat. Denn netto 23 Prozent der Vermögensverwalter gaben an, nunmehr in US-Aktien untergewichtet zu sein. Im Vormonat waren dort noch netto 17 Prozent übergewichtet, so dass sich ein Rekordminus von 40 Prozentpunkten ergibt. Im gleichen Zuge haben Aktien der Eurozone zum dritten Mal hintereinander ein Plus (von 27 Prozentpunkten) verbucht, weil nun netto 39 Prozent der Fondsmanager angaben, dort übergewichtet zu sein; es handelt sich übrigens um die höchste Übergewichtung in der Umfrage seit Juli 2021.

Blickt man gar drei Monate zurück, als noch 25 Prozent der Fondsmanager gemäß der BoA-Umfrage in Aktien der Eurozone unter- und 36 Prozent von ihnen in den USA übergewichtet waren, wird das wahre Ausmaß der Allokationsveränderung erkennbar. Eine Verschiebung, von der auch der DAX profitierte, der seit unserer vergangenen Sentimenterhebung im Wochenvergleich um 3,1 Prozent zulegte; wahrscheinlich auch begünstigt durch die gestern im Bundestag verabschiedete Reform der Schuldenbremse und das ebenfalls beschlossene Sondervermögen für Infrastruktur.

In Beobachterposition

Während also die internationalen Fondsmanager in der oben genannten Befragung (ermittelt zwischen dem 7. und 13. März) ein klares Votum für Aktien der Eurozone abgegeben haben, legen die von uns befragten heimischen institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont eher eine "vornehme" Zurückhaltung an den Tag. Denn unser Börse Frankfurt Sentiment-Index ist gegenüber der Vorwoche um 4 Punkte auf einen neuen Stand von -2 gefallen. In erster Linie, weil sich das Bullenlager um 5 Prozentpunkte infolge von Gewinnmitnahmen (vermutlich in der Nähe des bisherigen Allzeithochs vom 6. März) reduziert hat. Interessanterweise ist dieser Referenzpunkt bislang nur marginal überschritten worden.

Bei den Privatanlegern hat sich indes unter dem Strich etwas mehr Optimismus durchsetzen können. Unser Börse Frankfurt Sentiment-Index steigt in diesem Panel um 8 Punkte auf einen neuen Stand von +13. Das Bullenlager hat sich dabei um 5 Prozentpunkte vergrößert - fast zu gleichen Teilen zulasten der Bären und der neutral Eingestellten. Interessant ist wieder die unterschiedliche Entwicklung in den beiden Untergruppen. Während es bei den über Social Media befragten Anlegenden zu einer deutlichen Gegenbewegung in Richtung Bullenlager kam, haben die übrigen Anlegenden ihre bullishen Engagements aus der Vorwoche deutlich zurückgeführt, wobei der Abgang bei den Optimisten fast vollumfänglich bei den neutral gestimmten Investoren gelandet ist. Unter dem Strich hat sich der Abstand zwischen den beiden Untergruppen nicht großartig verändert, allerdings nunmehr mit umgekehrtem Vorzeichen, da die über Social Media Befragten zu ihrem früheren, typischen Optimismus zurückgefunden haben.

Pessimisten unter Zugzwang

Mit der heutigen Befragung hat sich zwischen Privatanlegenden und institutionellen Investoren eine neue Stimmungskluft aufgetan. Während in letzterem Panel das Sentiment auch im mehrmonatigen Vergleich praktisch neutral ausfällt, ist der Anteil der Pessimisten mit 40 Prozent der Befragten immer noch vergleichsweise robust. Dass sich hier bislang wenig Veränderungen einstellen, mag an den vermutlich mehrheitlich unter Wasser liegenden Engagements liegen. Dabei vermuten wir, dass die meisten dieser Investoren allerdings bereits schon im Bereich von 22.600/650 Zählern bereit wären, ihre Positionen wieder einzudecken. Auch wenn diese Nachfrage im Falle von Rücksetzern dem DAX eine Stütze wäre, ist weiterhin die Wahrscheinlichkeit relativ hoch, dass das Börsenbarometer auch in den kommenden Tagen eher von langfristigen Kapitalströmen (insbesondere aus dem Ausland) profitieren dürfte. Unter dem Strich also bleibt das Umfeld für den DAX günstig.

von Joachim Goldberg

19. März 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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