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06.07.2026 13:56

Klopp, Red Bull, Nagelsmann: Ein teurer Sommer für den DFB

Fußball-Nationalmannschaft

Frankfurt/Main (dpa) - Jürgen Klopp will. Der DFB will. Aber wie hoch wird die Zeche des Verbandes für die Partnerschaft mit dem Bundestrainer in spe, der mit seiner Strahlkraft, seinen Motivationskünsten und seiner Fixierung auf Leistung und Erfolg den Niedergang des deutschen Fußballs beenden soll?

Nein, noch mehr: Der 59-Jährige soll bei der nach dem nächsten WM-Flop weiter denn je von der Weltspitze entfernten Nationalmannschaft einen Umkehrschub mit Schallgeschwindigkeit auslösen. Lieferfrist: EM 2028. 

In Amerika fühlt Klopp gerade die Größe der Aufgabe: Am Sonntag war er in New York wieder für MagentaTV beim 2:1-Coup der Norweger gegen Rekord-Weltmeister Brasilien im Einsatz. Mit «Wow»-Rufen begleitete er als Experte Erling Haalands nächstes Heldenstück. «Ich hab' schon wieder so viel gelernt», sprach ein aufgedrehter Klopp ins Mikrofon. Norwegens Wille als Vorbild? 

Klopps WM-Fortbildung «in Sachen Weltklasse»

Klopp betreibt vor dem DFB-Deal eine wertvolle «Fortbildung in Sachen Weltklasse». Teuer werden wird wiederum das Projekt Klopp für den Verband, der sich schon in der Abschieds-Mitteilung zu Julian Nagelsmann total auf diesen fixiert hat. Und dieser umgekehrt auf den DFB. Beide müssen jetzt auch.

«Im Idealfall gibt es am Ende nur Gewinner nach so einer Geschichte», sagte Klopp, der quasi hopplahopp vom «Head of Global Soccer» von Red Bull zum «Head of National Soccer» beim Deutschen Fußball-Bund umswitchen will. «Wichtige Gespräche werden geführt werden», sagte der frühere Erfolgscoach von Borussia Dortmund und des FC Liverpool zum weiteren Fahrplan.

Klopp muss jetzt mit DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Ligapräsident Hans-Joachim Watzke reden, die zu ihm nach New York fliegen werden. Und sowohl Klopp als auch der DFB werden mit Red Bull und dessen Geschäftsführer Oliver Mintzlaff reden müssen. Denn der Getränke-Multi muss Klopp aus seinem bis 2029 laufenden Vertrag als weltumspannender Fußballchef freigeben.

Neuendorf und die wirtschaftliche Vernunft

Es wird - das ist schon klar - ein teurer Sommer für den DFB. Und einer, in dem Verbandschef Neuendorf, der seinen (heutigen) 65. Geburtstag eigentlich in den USA mit der Aussicht auf ein Viertelfinale Deutschland gegen Marokko feiern wollte, immer einen Satz im Hinterkopf haben muss. Den hatte er bei der Vorlage des DFB-Finanzberichtes für 2025 gesagt: «Wirtschaftliche Vernunft wird auch in Zukunft die Basis für unser Handeln sein.»

Dem Verband geht es nach jahrelangem Minus wieder besser. Im Jahr seines 125-jährigen Bestehens erwirtschaftete er zuletzt einen Überschuss von 19,2 Millionen Euro. Das Eigenkapital wuchs laut Finanzbericht auf 188 Millionen Euro. Vor allem aber leuchten am Horizont die vielen Nike-Millionen auf. 2027 steht der Ausrüster-Wechsel vom jahrzehntelangen Partner Adidas zum US-Giganten an. Der Sieben-Jahres-Vertrag soll 700 Millionen Euro einbringen.

Das Nike-Füllhorn und seine Risiken 

Das wissen auch alle, die mit dem DFB über Gehälter, Vertragsauflösungen oder Ablösen verhandeln. Knausrig sein, das wird schwierig für die DFB-Bosse. Als es vor der WM um die Prämien für die Nationalspieler ging, äußerte Kapitän Joshua Kimmich einen vielsagenden Satz: «Man hat das Gefühl, dem DFB geht es auch wieder ein bisschen besser. Und im nächsten Jahr kommt nochmal ein ganz großer Partner dazu.»

Abfindung Nagelsmann. Millionen-Vertrag Klopp. Ablöse an Red Bull. Dazu ein neuer Sport-Geschäftsführer. Womöglich auch ein neuer Sportdirektor. Per Mertesacker, Weltmeister von 2014, hat sein Interesse an einer DFB-Position bereits bekundet. Als Ex-Profi und jahrelanger Leiter der Nachwuchsakademie des FC Arsenal sind ihm Jahresgehälter auf DFB-Niveau eher fremd.

Schon die WM war ein sattes Zuschussgeschäft. Aus den FIFA-Töpfen flossen insgesamt 13,5 Millionen US-Dollar, umgerechnet rund zwölf Millionen Euro. Stünde Deutschland jetzt im Viertelfinale, wären weitere acht Millionen Dollar an Prämien geflossen. DFB-Generalsekretär Holger Blask hatte schon vor dem schockierenden Aus gegen Paraguay davon gesprochen, dass es schwer würde, «vor dem Halbfinale den Break-even zu erreichen». Es gab also ein Millionen-Defizit. Selbst die Spieler sollen nicht mit null aus dem Turnier gegangen sein. Für den Gruppensieg gab es wohl eine kleine Prämie.

Ein letzter Dank an Nagelsmann: «Auf Geld verzichtet» 

Die Abfindung für Nagelsmann soll laut Medienberichten knapp unter sieben Millionen Euro liegen. Der scheidende Geschäftsführer Andreas Rettig rief dem 38-Jährigen noch einen «Dank für seine Haltung beim Abschied», hinterher. «Er hat seinen Rücktritt angeboten, er hat auf Geld verzichtet. Das rechnen wir ihm alle sehr hoch an», sagte der 63-jährige Rettig bei Sky.

Klopp ist bekannt dafür, dass er sich seinen guten Namen und seine Strahlkraft von Arbeitgebern und Werbepartnern auch sehr gut bezahlen lässt. Er ist dabei die uferlosen Summen aus dem Clubfußball gewohnt. Verbände zahlen weniger, aber auch nicht schlecht. Klopp soll einen Vierjahresvertrag bis zur WM 2030 anstreben. Der Verband ist gefordert, zumindest eine Ausstiegslösung im Vertragswerk zu verankern. Klopp verheißt Erfolg - aber gibt es eine Garantie? 

Die Unbekannte ist Red Bull. Was wird Mintzlaff fordern, der auch noch während der WM in die USA aufbrechen wird? Und den Klopp schon mal verbal bearbeitet hat. «Oliver Mintzlaff ist mein erster Ansprechpartner. Aber die Situation ist so, dass Red Bull der Sache zustimmen muss - und ich glaube, auch zustimmen wird in Person von Oliver Mintzlaff», sagte Klopp. Und das nicht irgendwo, sondern bei ServusTV, das zum Red-Bull-Imperium gehört.

 

Fazit: Klopp will. Die DFB-Bosse wollen. Und beide Seiten müssen nach dem Vorspiel der vergangenen Tage zueinanderfinden. Und auch Red Bull dürfte letztendlich mitspielen. Für das Unternehmen mit einem weltweiten Konzernumsatz von über zwölf Milliarden Euro wäre die gute Tat für den deutschen Fußball für das Image mehr wert als ein paar Millionen mehr oder weniger.



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