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30.06.2026 10:27



    "Hydration Break" am Persischen Golf: Globale Wirtschaft bleibt unter
Druck / Coface stuft Risikobewertung für acht Länder herab (FOTO)
Mainz (ots) - Während sich der Konflikt im Nahen Osten in eine fragile Phase der
Entspannung bewegt, werden die wirtschaftlichen Folgen weltweit zunehmend
spürbar. Gestörte Lieferketten, steigende Preise und wachsender finanzieller
Druck belasten Unternehmen und Volkswirtschaften gleichermaßen. Vor diesem
Hintergrund hat der internationale Kreditversicherer Coface seine globale
Wachstumsprognose für 2026 auf 2,3 Prozent gesenkt. Zudem wurde die
Risikobewertung für insgesamt acht Länder herabgestuft, besonders betroffen sind
stark importabhängige Regionen wie Südostasien und Teile Afrikas.

Nach mehr als fünfzehn Wochen Konflikt sorgt das "Memorandum of Understanding"
zwischen den USA und Iran vorübergehend für Beruhigung in der Region. Doch diese
Atempause darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Auswirkungen des Konflikts
deutlich größer sind als ursprünglich angenommen und eine Schlüsselregion der
Weltwirtschaft nachhaltig erschüttert haben. "Die Straße von Hormus ist und
bleibt ein zentraler Engpass für den Transport von Öl, Gas und wichtigen
Vorprodukten. Besonders Südostasien und Ostafrika sind stark betroffen. Eine
schnelle Normalisierung ist derzeit nicht in Sicht", erklärt Coface-Volkswirt
Markus Kuger.

Lieferketten im Stress: Energiepreise und Engpässe belasten Unternehmen

Die Weltwirtschaft konnte den Schock bislang vergleichsweise gut verkraften,
etwa durch aufgebaute Lagerbestände und Anpassungen auf der Nachfrageseite.
Diese Puffer stoßen jedoch zunehmend an ihre Grenzen. Produktionsstopps in
einzelnen Branchen, steigende Inflation und restriktivere
Finanzierungsbedingungen sind erste Belastungssignale. Gleichzeitig verfügen
Regierungen nur über begrenzten Spielraum, um Konjunktur und Einkommen zu
stützen. Vor diesem Hintergrund senkt Coface seine globale Wachstumsprognose auf
2,3 Prozent für 2026 und 2,5 Prozent für 2027 - ein kumulierter Rückgang um 0,6
Prozentpunkte.

Parallel stehen die globalen Lieferketten erneut massiv unter Druck. Die nahezu
vollständige Schließung der Straße von Hormus - im Mai passierten nur noch 145
Schiffe die wichtige Handelsroute, verglichen mit über 3.300 im Vorjahr - hat
den internationalen Transport massiv beeinträchtigt. Gleichzeitig treiben hohe
Energiepreise, bei einem erwarteten durchschnittlichen Ölpreis von 85 US-Dollar
pro Barrel im Jahr 2026, die Kosten für Transport und Produktion weiter in die
Höhe. "Unternehmen berichten bereits von längeren Lieferzeiten, steigenden
Kosten und ersten Engpässen. Viele reagieren mit vorsorglichem Lageraufbau, was
Liquidität bindet und die Margen zusätzlich belastet", erklärt Markus Kuger.
Gleichzeitig erwartet Coface einen deutlichen Anstieg der weltweiten
Unternehmensinsolvenzen um 6 Prozent, mit besonders starken Zuwächsen unter
anderem in den USA, Frankreich und Japan.

Konflikt trifft Regionen mit unterschiedlicher Wucht

Die wirtschaftlichen Folgen des Nahost-Konflikts sind weltweit spürbar, treffen
die verschiedenen Regionen jedoch unterschiedlich stark:

- Im Nahen Osten sind die Golfstaaten besonders stark betroffen, mit teils
  deutlichen wirtschaftlichen Einbrüchen aufgrund ihrer Abhängigkeit von der
  Straße von Hormus.
- In Europa belasten hohe Energiepreise und anhaltende Unsicherheit die
  Binnenkonjunktur; für die Eurozone wird lediglich ein Wachstum von 0,7 Prozent
  erwartet.
- In den USA steigt die Inflation zuletzt wieder deutlich an - von 2,4 Prozent
  im Februar auf 4,2 Prozent im Mai, wodurch die realen Einkommen sinken und
  insbesondere die Kaufkraft einkommensschwacher Haushalte belastet wird.
- In Asien zeigt sich ein gemischtes Bild: Während technologiegetriebene
  Sektoren, insbesondere die Halbleiterindustrie, weiterhin stark wachsen,
  stehen vor allem das verarbeitende Gewerbe und konsumnahe Branchen unter
  erheblichem Margendruck.
- In Schwellenländern, insbesondere in Lateinamerika, führen steigende Inflation
  und restriktivere Geldpolitik zu zusätzlichen Belastungen, etwa in Brasilien
  mit einem Leitzins von 14,5 Prozent.

Länderrisiken: Herabstufungen in mehreren Regionen

Im aktuellen Risk Review hat Coface die Länderrisikobewertung für mehrere
Volkswirtschaften nach unten angepasst. Das Länderrisiko beschreibt das
allgemeine Umfeld eines Landes, um lokale Kreditrisiken zu bewerten und
einordnen zu können.

Besonders betroffen sind Volkswirtschaften in Asien, insbesondere in
Südostasien. Indonesien, Malaysia, die Philippinen und Vietnam wurden jeweils
von A4 auf B herabgestuft. Treiber sind vor allem steigende Importkosten,
Währungsabwertungen sowie zunehmende finanzielle und fiskalische Risiken.
"Konkret belasten höhere Energieimportkosten, wachsende Inflation und ein
zunehmender Druck auf den Außenhandel die wirtschaftliche Stabilität dieser
Länder. In Vietnam kommen zusätzlich steigende Produktionskosten und zunehmende
Lieferkettenprobleme hinzu", sagt Markus Kuger. Auch Kambodscha wurde
herabgestuft, von C auf D. Ausschlaggebend sind hier insbesondere die starke
Abhängigkeit von Energieimporten sowie die spürbar gestiegenen Kosten, die die
wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich belasten.

In Afrika verschlechtert sich das Risikoumfeld ebenfalls spürbar: Tansania wurde
von B auf C und Madagaskar von C auf D herabgestuft. Neben steigenden Energie-
und Transportkosten wirken sich hier vor allem Inflation, schwächere Nachfrage
und strukturelle Verwundbarkeiten belastend aus. Auch rohstoffabhängige Staaten
bleiben nicht verschont: Kuwait wurde von A4 auf B abgestuft, da die starke
Abhängigkeit vom Öltransport durch die Straße von Hormus das Land besonders
anfällig für die aktuellen Störungen macht.

Pressekontakt:

Coface, Niederlassung in Deutschland
Sebastian Knierim - Pressesprecher -
Tel. 06131/323-335
mailto:sebastian.knierim@coface.com
http://www.coface.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/51597/6305074
OTS:               Coface Deutschland


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