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26.06.2026 14:41

Viel später, viel teurer: Das Debakel um Stuttgart 21

Bahnprojekt

Stuttgart (dpa) - Fünf Jahre länger und drei Milliarden Euro mehr - Stand jetzt: Die Hängepartie um das milliardenschwere Bahnprojekt Stuttgart 21 geht weiter. Nach neuesten Planungen der Deutschen Bahn (DB) soll der neue Tiefbahnhof in der Stuttgarter Innenstadt erst 2031 in Betrieb gehen und damit fünf Jahre später als zuletzt geplant. Das hat auch Folgen für die Kosten. Diese erhöhen sich laut Bahn um weitere drei Milliarden Euro auf 14,5 Milliarden. 

Bei einem Spitzentreffen mit den Projektpartnern musste Bahnchefin Evelyn Palla in Stuttgart unter anderem Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) und Stuttgarters Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) erklären, wie es zu dem Debakel rund um die Mega-Baustelle kommen konnte. Ein Überblick über die wichtigsten Punkte: 

Die Gründe

Vier Hauptgründe hat die interne Überprüfung des Projektes ergeben, die Bahnchefin Palla nach der Absage des jüngsten Eröffnungstermins Ende 2026 angeordnet hatte.

Die Digitalisierung des Stuttgarter Bahnknotens sei deutlich herausfordernder als zunächst gedacht. Zudem hätten Planungsprozesse nicht den nötigen Reifegrad gehabt. Teilweise müssen deswegen neue Kabel verlegt werden, laut Bahn geht es um etwa 100 Kilometer.

Zudem gebe es Probleme mit einem bereits 2013 gebauten Technikgebäude, das für den aktuellen Bedarf nicht mehr passend sei. Komplett neu planen muss die Bahn das Notstromkonzept, weil zu spät auf neue Vorgaben reagiert wurde. 

Die Kosten

Nachdem in Stuttgart mindestens fünf Jahre länger gebaut wird, erhöhen sich natürlich auch die Kosten für Stuttgart 21 - und zwar noch einmal deutlich. Die Bahn geht von Mehrkosten in Höhe von rund 3 Milliarden Euro aus. Damit steigen die Gesamtkosten für Stuttgart 21 nach derzeitigem Stand auf 14,5 Milliarden Euro. 

Beim Abschluss des Finanzierungsvertrags im Jahr 2009 war man noch von Baukosten in Höhe von rund 3 Milliarden Euro ausgegangen und hatte noch einen Puffer von 1,5 Milliarden Euro eingeplant. An diesen Summen beteiligen sich auch das Land Baden-Württemberg, die Stadt Stuttgart, der Verband Region Stuttgart und der Flughafen Stuttgart.

Alle Mehrkosten, die darüber hinaus gehen, muss die Bahn allerdings komplett alleine tragen. Eine Klage, die die Projektpartner zu einer Beteiligung zwingen sollte, war vor knapp einem Jahr in letzter Instanz gescheitert.

Die Reaktionen

Bahnchefin Palla ließ sich in einer Mitteilung zitieren, dass sie erschüttert sei über die Ergebnisse der konzerninternen Überprüfung von Stuttgart 21. Ehrlichkeit und Realismus seien nun ins Projekt eingezogen, versprach sie demnach. Den vollständigen Bericht will die Bahn allerdings nicht veröffentlichen.

Die Projektpartner gaben sich eher zurückhaltend. Er kenne den Revisionsbericht nicht, nur die Aussagen der Bahnvertreter, sagte Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) auf die Frage, für wie verlässlich er die neue Planung halte. Die Bahn habe einen klaren Willen erkennen lassen. Aber nicht das Land baue den Bahnhof, sondern die Bahn. «Wir werden darauf schauen, dass die Zusagen, die heute gemacht worden sind, auch eingehalten werden.»

Stuttgarts Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) sprach von einem harten und höchst schmerzhaften Schlag, sagte aber auch, dass Palla aus seiner Sicht glaubhaft Besserung gelobt und einen realistischen und nachvollziehbaren Plan vorgelegt habe. 

Für die Stuttgarter S-Bahn ist die erneute Verschiebung der Inbetriebnahme auch finanziell schmerzhaft. Einige der S-Bahn-Züge, die für die Digitalisierung des Bahnknotens aufgerüstet worden seien, dürften kurz nach dem neuen Eröffnungstermin ausgemustert werden, erklärte der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Rainer Wieland (CDU). «Das waren Fehlinvestitionen.»

Die Folgen für die Fahrgäste

Die Fahrgäste in Stuttgart werden wegen der Verschiebung der Inbetriebnahme weitere fünf Jahre mit einem Provisorium leben. Sie müssen wegen der Baustelle mitten im Zentrum der Landeshauptstadt seit vielen Jahren weitere Wege zu den Fernzügen in Kauf nehmen. Zudem kommt es wegen Bauarbeiten rund um das Bahnprojekt häufig zu längeren Streckensperrungen mit Ersatzverkehr und Zugausfällen.

Bahnchefin Palla versprach: Die kommenden Jahre bis zur Inbetriebnahme würden sich für die Menschen in Stuttgart nicht so anfühlen wie die vergangenen Jahre. «Es muss Erleichterungen geben.» 

Die langen Wege für die Reisenden will die Bahn schon vor Eröffnung des Bahnhofs verkürzen. Ab Ende 2027 sollen Fahrgäste nicht mehr um die komplette Baustelle herum zu den Fernzügen laufen müssen, sondern über das Dach des neuen Tiefbahnhofs direkt zu den Gleisen des alten Kopfbahnhofs gehen können. 

Ab Ende 2030 will die Bahn bereits den neuen Fernbahnhof am Flughafen in Betrieb nehmen. Die Verlängerung der S-Bahn-Stammstrecke mit der neuen Haltestelle Mittnachtstraße soll 2032 angefahren werden. Als letzter Baustein soll dann im Jahr 2033 der neue Pfaffensteigtunnel eröffnet werden, durch den die Gäubahn aus Richtung Zürich an den neuen Hauptbahnhof angebunden wird.



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