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25.06.2026 19:22

Athleten zu 10.000-Dollar-Prämie des IOC: «Luft nach oben»

Zuschuss für Olympioniken

Lausanne (dpa) - Das 10.000-Dollar-Versprechen des IOC für jeden Olympia-Teilnehmer stößt in der Athletengemeinde nicht auf ungebremste Begeisterung. «Bis zu einer fairen Beteiligung ist noch erheblich Luft nach oben», sagte Leo Köpp, Präsidiumsmitglied von Athleten Deutschland. Der Umfang des angekündigten Fonds des Internationalen Olympischen Komitees von 140 Millionen Dollar für den Zuschuss stelle «weniger als zwei Prozent des Gesamtumsatzes des IOC im selben Zyklus» dar. 

Die Dachorganisation hatte bei einem Sondergipfel in Lausanne nach vielen Jahren mit ihrer Tradition gebrochen und den Forderungen vieler Olympioniken nach direkter finanzieller Unterstützung nachgegeben. «Gemeinsamer Druck. Ein gemeinsamer Erfolg», bejubelte die Interessenvertretung «Global Athlete» die Entscheidung des IOC. Die Vereinigung hatte zuletzt eine Prämie von 25.000 Dollar pro Olympia-Teilnehmer gefordert. 

Paralympics-Teilnehmer gehen leer aus

Ganz leer gehen aktuell die Paralympics-Teilnehmer unter dem Dach des Internationalen Paralympics Komitee aus. «Natürlich würden wir dies auch beim IPC begrüßen, eine Gleichstellung der Athletinnen und Athleten ist immer wünschenswert. Uns sind dahingehend aber keinerlei Gespräche bekannt», sagte Sportdirektor Marc Möllmann vom Deutschen Behindertensportverband.

Das IPC bestätigte, dass es aktuell keine Pläne für Prämienzahlungen gibt. «Ich denke, jeder in der Paralympischen Bewegung versteht, dass wir in einem ganz anderen Umfeld als die olympische Bewegung agieren, insbesondere in finanziellen Angelegenheiten. Daher ist die Einrichtung eines ähnlichen Fonds für Paralympics-Teilnehmer für das IPC derzeit praktisch nicht möglich», teilte ein Sprecher auf dpa-Anfrage mit. Nach dpa-Informationen belaufen sich die Einnahmen des IPC in Jahren ohne Paralympics auf 24 bis 26 Millionen Euro. Das IOC hingegen hatte für das Jahr 2025 Einnahmen von 650 Millionen US-Dollar (rund 572 Millionen Euro) bekanntgegeben.

IOC betont: Das ist kein Preisgeld

Über Jahrzehnte hinweg hatte sich das IOC gegen eine Entlohnung olympischer Athleten gewehrt und auf die Ausschüttung eines großen Teils der Milliarden-Einnahmen an nationale und internationale Dachverbände verwiesen. Noch zuletzt hatte IOC-Chefin Kirsty Coventry bekräftigt, sie glaube nicht an eine Bezahlung von Olympia-Teilnehmern - und war dafür heftig kritisiert worden. Nun sagte die 42-Jährige: «Das ist schon seit vielen Jahren ein Thema, und ich bin sehr stolz darauf, dass wir dies nun umsetzen können.»

Pau Gasol, Vorsitzende der IOC-Athletenkommission, betonte bei der Vorstellung der Olympia-Prämie, es handle sich nicht um ein Preisgeld. «Hier geht es darum, den Weg und das Engagement anzuerkennen, die nötig sind, um Olympionike zu werden», sagte der Ex-Basketballprofi aus Spanien. 

Athleten Deutschland würdigte den einstimmigen IOC-Beschluss als historischen, aber längst überfälligen Schritt. «Das IOC wagt damit einen vorsichtigen Einstieg in eine im internationalen Profi-Sport längst gängige Praxis - und zwar diejenigen an den wirtschaftlichen Gewinnen zu beteiligen, die diese Gewinne durch ihre Leistungen erst ermöglichen», sagte Präsidiumsmitglied Köpp.

Die Athletinnen und Athleten müssen den Zuschuss über die Plattform «Athlete365» beantragen. Alle Teilnehmer der Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo im Februar haben bereits Anspruch auf das Geld. Laut IOC-Chefin Coventry werde es rund sechs Monate dauern, bis alle Anträge bearbeitet sind. Der Zuschuss wird über die Nationalen OIympischen Komitees ausgezahlt. Die NOKs müssen nachweisen, dass die Sportlerinnen und Sportler die volle Summe erhalten haben. 

Zuschuss auch für Sport-Millionäre

Laut Sporthilfe-Vorständin Karin Orgeldinger ist der Zuschuss eine sinnvolle Ergänzung zu den Förderstrukturen des deutschen Sports. «Entscheidend wird nun eine unbürokratische und transparente Umsetzung durch das IOC sein», sagte Orgeldinger. Besonders wichtig sei, dass die umgerechnet rund 8.800 Euro hohe Prämie den Übergang in die berufliche Karriere unterstützen solle, erklärte Sporthilfe-Vorstandssprecher Max Hartung. 

Bisher mussten deutsche Olympia-Teilnehmer Medaillen gewinnen, um in den Genuss von Prämien zu kommen. Die Sporthilfe zahlte für Gold zuletzt 30.000 Euro, für Silber 20.000 Euro und für Bronze 10.000 Euro. Seit diesem Jahr sind diese Zuschüsse erstmals auch steuerfrei. 

Für die Winterspiele in Italien und die kommenden Sommerspiele in Los Angeles rechnet das IOC mit rund 14.000 Sportlerinnen und Sportlern, die Anspruch auf den 10.000-Dollar-Zuschuss haben. Dazu gehören auch Sport-Millionäre aus dem Fußball, Tennis, Eishockey und anderen Sportarten. «Sie entscheiden, wie sie damit umgehen. Wir wollen, dass auch sie gewürdigt werden», sagte Gasol, selbst einst Großverdiener in der NBA.

Er wies darauf hin, dass jeder Sportler die Prämie auch spenden oder ablehnen könnte. Nicht abgerufene Zuschüsse verbleiben im Fonds des IOC und sollen zukünftigen Sportler-Generationen zugutekommen.



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