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11.06.2026 15:19



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Etliche Investoren nutzen die anhaltende Seitwärtsbewegung trotz der im US-Vergleich geringen Spanne für kurzfristige Handelsgewinne. Das hebt die Stimmung der Profis leicht und erschwert laut Joachim Goldberg Kursgewinne deutscher Bluechips.

11. Juni 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Es hätte schlimmer für den DAX kommen können. Dies gilt insbesondere für die abgelaufene Sentimentwoche. Während es im Verlauf der vergangenen Handelstage an den US-Börsen zu teilweise heftigen Turbulenzen kam, zeigten sich die europäischen Märkte vergleichsweise gelassen. Auch wenn der DAX seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung nicht an Wert zulegen konnte, gehört der Verlust von 2 Prozent (im Punktvergleich) zu den eher überschaubaren Rückgängen in diesem Jahr. Auch die Handelsspanne von 2,5 Prozent ist alles andere als aufsehenerregend. Fast schien es so, als seien die Follower des DAX hierzulande nahezu immun gegen neue negative geopolitische Nachrichten aus Nahost geworden. Und auch die hochvolatil verlaufenden US-Halbleiterwerte haben bislang nicht zu Ansteckungseffekten geführt.

Unterdessen lassen auch die von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont keine Zeichen von Angst erkennen. Im Gegenteil: Unser Deutsche Börse Sentiment-Index steigt im Vergleich zur Vorwoche deutlich um 20 Punkte auf einen neuen Stand von -11 und befindet sich damit in etwa auf dem Niveau von vor zwei Wochen.

Gewinne aus bearishen Engagements mitgenommen

Dabei haben vor allen Dingen Pessimisten aus der vergangenen Woche ihre aufgelaufenen Gewinne mitgenommen. Mehr als 80 Prozent von ihnen drehten per Saldo ihre Position um 180 Grad von Short auf Long. Gleichzeitig hat sich das Bärenlager um 11 Prozentpunkte verringert. Anders ausgedrückt: Etwa 10 Prozent des gesamten Panels ist zur Zeit eher kurzfristig unterwegs, wobei die dem Sentiment zugrunde liegenden jüngsten Aktienkäufe in erster Linie Performance-bedingt motiviert gewesen sein dürften.

Bei den Privatanlegern verändert sich unser Deutsche Börse Sentiment-Index nur geringfügig, er steigt um einen Punkt auf einen neuen Stand von +2, wobei sich die Polarisierung zwischen Bullen und Bären leicht zugunsten der Bullen etwas erhöht hat. Betrachtet man nur die, die wir nicht über Social Media befragt haben, hat sich die Stimmung zumindest tendenziell wie diejenige der institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche etwas verbessert: Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe steigt um 4 Punkte auf einen neuen Stand von -8. Deutlich verringert hat sich jedoch der zuletzt recht hohe Optimismus bei der Social-Media-Untergruppe gegen den allgemeinen Trend, so dass sich die Stimmungskluft zwischen den beiden Untergruppen bei den Privatanlegern verringert hat.

Noch Leichen im Keller

Unter dem Strich stellen wir auch eine verringerte Stimmungskluft zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren fest. Letztere lassen sich in zwei Gruppen unterteilen. Zum einen handelt es sich um zuletzt kurzfristig erfolgreiche institutionelle Investoren, die etwa ein Zehntel des Panels (vgl. oben) ausmachen. Bei den übrigen Investoren, der zweiten Gruppe, finden wir immer noch einen Bärenanteil von 43 Prozent der Befragten vor, von denen wahrscheinlich eine größere Gruppe (vermutlich mit ungünstigen Einstandspreisen) immer noch darauf wartet, dass der DAX noch weiter, vermutlich bis auf knapp unter 24.000 DAX-Zähler nach unten geht.

Auch wenn wir glauben, dass der DAX zuletzt nicht unter größeren internationalen Kapitalabflüssen gelitten hat, scheint es doch etwas befremdlich, dass das Börsenbarometer trotz der vorgenannten Rückkäufe institutioneller Investoren am Ende überhaupt keinen Boden gutmachen konnte. Mit einer DAX-Entwicklung, die die Sentiment-Woche am untersten Punkt der Bandbreite beendet, und aufgrund der jüngsten Rückkäufe und der damit nunmehr verringerten Nachfrage-Situation an der Unterseite hat sich die Lage für den DAX seit vergangenem Mittwoch insgesamt verschlechtert.

von Joachim Goldberg

11. Juni 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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