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28.05.2026 08:47



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Den Anzug der Aktienpreise quittieren etliche Investorinnen und Investoren mit einem Wechsel auf die Short-Seite. Das hilft dem Index. Ob dies ausreichen kann, weiß Joachim Goldberg.

28. Mai 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Eine brutale Sentiment-Woche liegt hinter uns. Zumindest für Pessimisten. Denn seit vergangenem Mittwoch ist auch der DAX eindrucksvoll gestiegen, so dass sich ein sattes Wochenplus von 4,1 Prozent ergab. Nicht viel hat gefehlt, und auch das hiesige Börsenbarometer - wie schon zuvor S&P 500 und Nasdaq 100 in den USA - hätte ein neues Rekordhoch markiert. Wieder einmal wurden als Hauptmotive für diese starke Entwicklung das Dauerthema KI, aber auch die vermehrte Hoffnung auf einen Frieden im Iran-Krieg genannt. Auch wenn die US-Märkte heißgelaufen scheinen und man durchaus valide Gegenargumente für den vielerorts als positiv wahrgenommenen Verlauf der Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran finden kann, scheint der DAX hierzulande ebenfalls durchaus gut nachgefragt zu sein. Anders ausgedrückt: Skepsis, Pessimismus und womöglich die Angst vor einem Crash an überhitzten US-Börsen forderten ihren Tribut und kosteten allein seit vergangenem Mittwoch zeitweise über 1.000 DAX-Zähler.

Nun hat sich unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont weiterer Pessimismus breitgemacht. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 8 Punkte auf einen neuen Stand von -12 und damit auf den niedrigsten Stand seit Mitte Januar gefallen. Dabei haben wie schon in der Vorwoche abermals ehemalige Optimisten ihre bullishen Engagements in den steigenden Markt hinein auf die Bärenseite, also um 180 Grad gedreht.

Keine Käufe vor Rekordhoch

Die Sentiment-Veränderung - das Bullenlager hat sich um 4 Prozentpunkte zu Gunsten der Pessimisten verringert - zeigt erneut, dass einige Investoren offenbar massive Bedenken haben, ob es mit dem DAX tatsächlich noch weiter nach oben gehen wird. Gleichzeitig mag die Nähe des DAX zum bisherigen Rekordhoch als Referenzgröße eine Rolle gespielt haben, insbesondere wenn man den jüngsten Kursanstieg fundamental für ungerechtfertigt hält.

Bei den Privatanlegern gab es nur eine kleine Veränderung, aber in die Gegenrichtung: Der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel steigt lediglich um 3 Punkte auf einen neuen Stand von +11. Dabei vergrößert sich die Gruppe der Bullen um 2 Prozentpunkte, ein Zuwachs, der sich etwa hälftig aus ehemaligen Pessimisten und neutral gestimmten Anlegenden speist. Das Bild verändert sich jedoch, wenn man diejenigen Privatanleger, die wir nicht über Social Media befragen, separat betrachtet. Dort hat sich der leichte Pessimismus der Vorwoche (ähnlich wie bei den institutionellen Investoren) sogar etwas verstärkt, weswegen wir in dieser Untergruppe einen Rückgang des Sentiment-Index von 2 Punkten auf einen neuen Stand von -3 festhalten können. Diejenigen Anlegenden, die wir über Social Media befragen, sind unter dem Strich sogar etwas bullisher als in der Vorwoche gestimmt. Damit ist mittlerweile eine Kluft zwischen diesen beiden Untergruppen entstanden, die sich aktuell auf dem höchsten Stand in diesem Jahr befindet.

Noch keine Extremwerte

Unterdessen hat sich die Diskrepanz in der Stimmung zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren gegenüber der Vorwoche verstärkt. Letztere haben unter dem Strich jedoch zum Teil schon ein größeres Performance-Problem. Zumal der Deutsche Börse Sentiment-Index in diesem Panel während der vergangenen beiden Wochen in der Summe bereits 30 Punkte verloren hat. In der relativen Betrachtung sowohl in Hinblick auf die vergangenen drei Monate als auch seit Jahresbeginn ist der heutige Pessimismus sogar noch stärker zu bewerten und liegt im unteren Bereich dieses Jahres. Allerdings kann man auch bei dieser Sichtweise noch nicht von Extremwerten sprechen.

Für die weitere Entwicklung des DAX bedeutet die heutige Erhebung, dass es zumindest aus Sicht von heimischen institutionellen Investoren nicht allzu viel Angebot gibt, wenn das Börsenbarometer weiter steigen sollte. Dafür ist die Unterseite noch besser als in der Vorwoche abgesichert, wobei wir nun erste Nachfrage aus bearishen Engagements im Bereich von 24.550/24.600 DAX-Zählern erwarten. Allerdings scheint fraglich, ob wir bei einem DAX-Rücksetzer (etwa ausgelöst durch enttäuschte Erwartungen in Sachen Iran-Krise) auch mit der Nachfrage ausländischer Investoren rechnen können. Dies bleibt die Achilles-Ferse in einem ansonsten Sentiment-technisch günstigen Umfeld für weitere DAX-Anstiege.

von Joachim Goldberg

28. Mai 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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