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29.04.2026 19:46

Kone übernimmt TK Elevator - Kritik von IG Metall

Aufzüge und Fahrtreppen

Espoo/Düsseldorf (dpa) - Milliarden-Deal auf dem Weltmarkt für Aufzüge und Rolltreppen: Der familiengeführte finnische Aufzughersteller Kone übernimmt den bisherigen Konkurrenten TK Elevator (TKE) von einem Konsortium um die Finanzinvestoren Cinven und Advent. Die Transaktion bewertet die ehemalige Aufzugsparte von Thyssenkrupp mit 29,4 Milliarden Euro inklusive Schulden, wie die Parteien mitteilten. Die Übernahme solle in bar und neuen Kone-Aktien erfolgen, hieß es.

Mit einem Abschluss wird frühestens im zweiten Quartal 2027 gerechnet. Die zuständigen Behörden müssen dem Deal noch zustimmen. Die TKE- Konzernzentrale hat ihren Sitz in Düsseldorf.

Kone wäre rechnerisch neuer Marktführer

Gemessen an den aktuellen Umsätzen würde Kone mit dem Deal alle anderen Aufzug- und Rolltreppenhersteller weit hinter sich lassen: Im vergangenen Geschäftsjahr hatte das US-Unternehmen Otis mit umgerechnet rund 12,3 Milliarden Euro die Nase vorn - vor dem Schweizer Konzern Schindler, der auf umgerechnet knapp 11,9 Milliarden Euro kam. Kone erzielte gut 11,2 Milliarden, TKE gut 9,2 Milliarden Euro. Das neue Unternehmen mit mehr als 100.000 Mitarbeitern käme damit rechnerisch auf einen Jahresumsatz von knapp 20,5 Milliarden Euro.

TK Elevator gehörte bis 2020 zum Industriekonzern Thyssenkrupp, der die Mehrheit an dem Unternehmen dann für 17,2 Milliarden Euro an Cinven und Advent verkaufte. Thyssenkrupp ist noch an TK Elevator beteiligt. Kone hatte damals schon mit Hilfe des Finanzinvestors CVC einen Versuch unternommen, TK Elevator zu übernehmen, kam aber nicht zum Zuge.

Thyssenkrupp-Aktie profitiert

Die Aktie von Thyssenkrupp legte deutlich zu. Am frühen Nachmittag lag sie mehr als acht Prozent über dem Schlusskurs des Vortags. Analysten sehen den Essener Industriekonzern als einen großen Profiteur des Deals. Thyssenkrupp wollte sich zu den Auswirkungen der geplanten Übernahme noch nicht äußern. «Wir prüfen derzeit die genauen Implikationen auf unseren Anteil an TK Elevator», sagte eine Sprecherin des Unternehmens.

Die Transaktion sieht vor, dass das Konsortium um Cinven und Advent fünf Milliarden Euro in bar sowie neue Aktien erhalten soll. Die bisherigen Aktionäre hielten an dem fusionierten Unternehmen dann 33,8 Prozent der Anteile und 18,3 Prozent der Stimmrechte, hieß es laut Mitteilung. Kone-Aufsichtsratschef Antti Herlin soll auch nach dem Zusammenschluss mehr als 50 Prozent der Stimmrechte behalten.

Jährlich 700 Millionen Euro Kosteneinsparungen geplant

Der Zusammenschluss soll Kosten senken. Kone beziffert das Potenzial auf jährlich rund 700 Millionen Euro Vorsteuer-Kosteneinsparungen. Die Synergien sollen unter anderem durch eine höhere Dichte der Servicenetze entstehen. Rund zwei Drittel der Umsätze werden den Angaben zufolge im Geschäft mit Service und Modernisierung erzielt.

Konkurrent Schindler äußerte sich kritisch zum angekündigten Zusammenschluss. Eine globale Übernahme von TK Elevator durch Kone würde zwei der größten globalen Marktteilnehmer vereinen, hieß es in einer Stellungnahme. «Angesichts des Umfangs und der weitreichenden Überschneidungen ist mit erheblichem Widerstand der betroffenen Marktteilnehmer zu rechnen.» Dies mache langwierige behördliche Prüfungen und Rechtsstreitigkeiten wahrscheinlich und habe anhaltende Unsicherheit für die bestehenden Kunden und Mitarbeiter zur Folge.

Scharfe Kritik der IG Metall an fehlender Vorab-Information

Die IG Metall äußerte sich empört, dass die Mitbestimmungsgremien vor der Bekanntgabe nicht informiert worden seien. Dies sei «ungeheuerlich», sagte der Bezirksleiter der IG Metall NRW und stellvertretende TKE-Aufsichtsratsvorsitzende Knut Giesler. In der Ankündigung sehe man einen Angriff auf die Mitbestimmung und die Beschäftigten in Deutschland, Europa und global. «Darauf wird es auch entsprechende Reaktionen geben.» Nähere Angaben machte die Gewerkschaft dazu nicht.

Verhandlungen der letzten Wochen zu einem neuen Tarifvertrag, der einen möglichen Börsengang absichern sollte, seien damit ad absurdum geführt, so Giesler weiter. Der Vertrag sollte nach Gewerkschaftsangaben ursprünglich an diesem Donnerstag unterzeichnet werden. Um eine «ausführliche Information» zum weiteren Prozess zu bekommen, forderte die Gewerkschaft die Einberufung einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung innerhalb der nächsten sieben Tage.

TKE-Stellungnahme: Sind «im Austausch mit Mitbestimmung»

Das Unternehmen reagierte auf die Kritik: «TKE sowie seine Gesellschafter nehmen die Äußerungen der Arbeitnehmervertreter wahr und befinden sich im Austausch mit der IG Metall und der Mitbestimmung.» Die Parteien seien sich der Verantwortung gegenüber den Mitarbeitenden von TKE bewusst und nähmen deren Anliegen und ihre Vertreter sehr ernst.

Der Unternehmenszusammenschluss unterliege noch der Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden, hieß es. «Die aufseiten von TKE getroffenen Vereinbarungen zur Mitbestimmung und Tarifverträgen gelten unverändert und bieten Sicherheiten für die Mitarbeitenden in Deutschland.»



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