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23.04.2026 13:13

OTS: Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen BDIU / Branchenreport 2025 ...

    Branchenreport 2025 der Inkassowirtschaft / Nachlassende
Rechnungstreue, mehr Fälle, mehr Abschreibungen: die Krise ist im
Inkasso spürbar (FOTO)
BERLIN (ots) - Laut Branchenreport 2025 des Bundesverbands Deutscher
Inkasso-Unternehmen e. V. (BDIU) war der Bedarf an rechtlicher Beratung durch
Inkassodienstleister nie größer. "Die Anzahl der neu übergebenen Fälle ins
Inkasso steht auf einem Allzeithoch. Das resultiert aus der hohen Nachfrage der
Verbraucher an Rechnungs- und Kreditkäufen sowie digitalen Zahlungsmethoden auch
bei Kleinstbeträgen. Echte Krisenfolgen sehen wir hingegen bei den
verzugsbefindlichen Forderungen gegen Unternehmen", sagt BDIU-Präsidentin Anke
Blietz-Weidmann. Für die Wirtschaft werde fehlende Rechnungstreue zum Problem,
die Krise habe das Inkasso erreicht.

Der Report zeigt die Problemlage: Fehlende Rechnungstreue wird zu einem immer
größeren Problem. Das spiegelt sich in der Zahl der neu ins Inkasso übergebenen
Forderungen wider, die auf 39 Millionen (plus 16,7 %) anstieg. Gleichzeitig sank
der Gesamtbestand langfristig bearbeiteter Forderungen (von 92,9 auf 92
Millionen) und blieb die Rückführungssumme an Gläubiger hingegen weitgehend
stabil. Sie wuchs nicht mit den Aufträgen. Dazu Blietz-Weidmann: "In
Krisenzeiten steigen die Auftragszahlen oft an. Ein positiver Zusammenhang mit
der Realisierungsquote besteht dabei aber nicht. Denn ist die finanzielle Lage
der Unternehmen und Privathaushalte schlecht, kann auch der Inkassodienstleister
oft nur kleine Teilzahlungen beitreiben. Kurz: Wo kein Geld ist, kann auch
nichts geholt werden. Die Branche profitiert nicht von der Krise, sie mindert
aber die Folgen für die Wirtschaft."

Steigende Aufwände der Inkassodienstleister bei geringeren Erträgen spiegeln
sich im sinkenden Branchenumsatz wider. Er ging von 25 auf 22,2 Milliarden Euro
zurück. Auch andere brancheninterne Kennzahlen entwickeln sich negativ: Die Zahl
der Beschäftigten im Inkassosektor sank auf ein Langzeittief von 15.300 (17.300
im Jahr 2021). Und die Zahl der beim Bundesamt für Justiz registrierten
Inkassodienstleister sank von 2.099 im Jahr 2021 auf nur noch 1.859 registrierte
Unternehmen im Berichtszeitraum.

Ein weiteres Indiz für die schwierige Lage am Inkassomarkt sind die steigenden
Zahlen bei den Ausbuchungen und Abschreibungen. Ein Drittel der abgeschlossenen
Verfahren endete mit Zahlungsausfall und Verlust für den Gläubiger. Daher gehört
es zu den Aufgaben des Inkassodienstleisters, dem Auftraggeber mitzuteilen, wann
die Grenzen des Möglichen erreicht sind. Blietz-Weidmann: "Niemand möchte dem
verzugsbefindlichen Geld noch gutes Geld hinterherwerfen und ein nachhaltig
verschuldeter Mensch ist ein Fall für den Schuldnerberater und nicht für den
Inkassodienstleister." Das Risikomanagement der Inkassodienstleister schone
daher die Gläubiger wie Schuldner und entlaste zudem die Justiz, weil auf
ergebnislose Mahnverfahren und Zwangsvollstreckungen verzichtet werde.

Die weit überwiegende Mehrheit der übergebenen Fälle klärt die Inkassobranche im
Einvernehmen mit den Schuldnern außergerichtlich. Nur etwa 20 Prozent gehen in
das gerichtliche Mahnverfahren und enden dann in der Regel mit der erfolgreichen
Titulierung im Sinne des Gläubigers und mit durch den Inkassodienstleister
beauftragten Vollstreckungsmaßnahmen. Die Inkassowirtschaft veranlasst fast die
Hälfte aller Vollstreckungsaufträge in Deutschland. "Wir sind auch im
Justizsystem nicht mehr wegzudenken und verschaffen hunderttausenden Personen in
vielen Millionen Fällen pro Jahr Zugang zum Recht", betont Blietz-Weidmann die
Funktion der Inkassowirtschaft als Rechtsdienstleister.

Nicht nur die aktuelle wirtschaftliche Krise, sondern auch strukturelle Gründe
führen zu mehr Ausbuchungen und Forderungsverlusten. Neben den
verzugsbefindlichen Forderungen gegen Unternehmen, die ebenfalls zunehmen
(mittlerweile 5 % der neu übergebenen Forderungen, zuvor nur 2 %), geht es dabei
vor allem um den Zuwachs bei den Forderungen mit geringen Forderungswerten. "Die
Durchsetzung über das gerichtliche Verfahren ist bei diesen Kleinstforderungen
nicht immer sinnvoll. Stark gestiegene Gerichts- und Verwaltungskosten durch
langwierige Verfahrensdauern stehen immer seltener in Relation zum
Forderungswert", erklärt Blietz-Weidmann das Dilemma und verweist auf die
Entwicklung in diesem Bereich: Mehr als ein Drittel (36,4 Prozent) der
Forderungen lag im Berichtszeitraum unter 50 Euro, ein weiteres knappes Drittel
(30,7 Prozent) lag unter 100 Euro. In diesem Bereich ist die außergerichtliche
Inkassodienstleistung für viele Gläubiger der einzige Zugang zu Recht und
Anspruchsdurchsetzung.

Die Gestaltungsmöglichkeiten der Gläubiger und ihrer Inkassodienstleister hat
der Gesetzgeber aber gerade in diesem Bereich im Jahr 2021 stark eingeschränkt.
"Die Politik hat die Inkassokosten, die ein Gläubiger für die Einschaltung eines
Rechtsdienstleisters vom Schuldner erstattet verlangen kann, insbesondere im
Kleinforderungssegment sehr stark reduziert. Das hat Auswirkungen auf die
Handlungsspielräume und damit die Realisierungserfolge im Inkasso. Das rächt
sich jetzt", stellt Blietz-Weidmann fest.

Sinkende Inkassokosten bei höheren Gerichtskosten werden laut BDIU insbesondere
bei Klein- und Kleinstforderungen zum systemischen Problem. Ein Mahnbescheid
belastet die Kostenseite mit 36 Euro und muss vorfinanziert werden. Der
Durchschnittswert der Transaktionen bei Zahlungen auf Rechnung und Kredit lag
2024 unter 40 Euro. "Bei dieser Entwicklung bekommen wir im Bereich der
Kleinforderungen ein Rechtsdurchsetzungsproblem", prognostiziert
Blietz-Weidmann. "Denn unter diesen Bedingungen ist das Beitreiben von
Kleinforderungen aus Parkgebühren, aus dem öffentlichen Personennahverkehr oder
aus Spontankäufen im Online-Handel schnell unwirtschaftlich. Die ungeklärten
Verzugskosten hier werden wir über kurz oder lang in den Verbraucherpreisen
ablesen können."

Der BDIU begrüßt daher, dass sich der Gesetzgeber verstärkt mit der
Anspruchsdurchsetzung befasst. Erst vor wenigen Wochen wurde das Gesetz zur
Digitalisierung der Zwangsvollstreckung parlamentarisch beschlossen.
Blietz-Weidmann: "Es ist gut, dass nach Jahren des Verhandelns jetzt Beschlüsse
gefasst wurden. Sie müssen zügig in praxistaugliche digitale Prozesse umgesetzt
werden, damit die Kosten sinken und die Verfahren schneller werden."

Begrüßt werden auch die Beratungen über die Fortentwicklung des Inkassorechts.
Dazu die BDIU-Präsidentin Blietz-Weidmann: "Wir unterstützen den Ausbau des
Berufsrechts der Inkassodienstleister und das Bestreben, den verbliebenen
schwarzen Schafen das Handwerk zu legen. Aber dabei muss unbedingt gewährleistet
bleiben, dass berechtigte Forderungen auch wirtschaftlich sinnvoll durchgesetzt
werden können und die Kosten eines Zahlungsverzugs auch weiterhin demjenigen
zugeordnet werden, der ihn verursacht."

Über den BDIU

Seit 1956 bündelt der BDIU die Interessen der Inkassowirtschaft gegenüber der
Öffentlichkeit, der Politik und der Wirtschaft. Dem Verband gehören rund 450
Mitgliedsunternehmen an (rund 70 Prozent der Inkassodienstleister in
Deutschland). Sie vertreten die Interessen von über einer halben Million
Auftraggeberinnen und Auftraggebern aus allen Wirtschaftsbereichen. Die etwa
15.000 Mitarbeitenden der BDIU-Unternehmen führen pro Jahr gut fünf Milliarden
Euro aus mehr als 90 Millionen Bestandsforderungen in den Wirtschaftskreislauf
zurück. In fast 80 Prozent der Fälle sorgen sie durch ihre professionelle
Rechtsdienstleistung für Klärung und entlasten damit sowohl die Unternehmen als
auch die Justiz erheblich. In Europa ist der BDIU der größte Inkasso-Verband,
weltweit die Nummer zwei. Als Mitglied im europäischen Dachverband FENCA
(Federation of European National Collection Associations) und als Partner des
US-Verbandes ACA International haben BDIU-Mitglieder Zugriff auf ein weltweites
Netzwerk von mehreren Tausend Inkassodienstleistern.

Pressekontakt:

Pressesprecher:
Jens Kellersmann
+49 155 602 849 70
mailto:jens.kellersmann@inkasso.de
Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen e.V.
Friedrichstraße 55
10117 Berlin
http://www.inkasso.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/36376/6261331
OTS:               Bundesverband Deutscher Inkasso-Unternehmen BDIU


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