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| 22.04.2026 06:22 Mogeln bei Milka? Warum es vor Gericht um Schokolade geht BREMEN (dpa-AFX) - Wird bei Milka gemogelt? Die Schokoladentafel kostet mehr, wiegt aber weniger. "Doch der Verpackung sieht man das nicht an", kritisiert die Verbraucherzentrale Hamburg. Sie wirft dem Hersteller Mondelez vor, die Kunden zu täuschen - und zieht ab heute vor Gericht. Warum es in dem Verfahren vor dem Landgericht Bremen um mehr als Schokolade geht und worauf Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkaufen achten sollten: Worum geht es in dem Prozess? Viele Milka-Tafeln wiegen nur noch 90 statt 100 Gramm. "Während die Verpackung und das Design identisch sind, ist die Tafel selbst unmerklich rund einen Millimeter dünner geworden", teilte die Verbraucherzentrale mit. Gleichzeitig sei der Preis von 1,49 auf 1,99 Euro gestiegen. Die Verbraucherzentrale wirft dem Hersteller Mondelez vor, die Kundinnen und Kunden in die Irre zu führen. Sie klagt wegen unlauteren Wettbewerbs. Der Hersteller selbst weist die Kritik zurück. Das Gewicht sei klar auf der Verpackung zu erkennen, teilte eine Mondelez-Sprecherin mit. Das Unternehmen habe die Kunden in den sozialen Medien über die Änderungen informiert. Eine Übersicht mit allen Tafeln, Sorten und Gewichten sei jederzeit auf der Milka-Website zu finden. Am ersten Verhandlungstag wird das Gericht die verschiedenen Ansichten erklären und eine Einschätzung mitteilen. "Eine Entscheidung wird es noch nicht geben", sagte ein Gerichtssprecher. Sollte es keine Einigung geben, werden beide Parteien am Ende ihre Anträge stellen und das Gericht wird einen weiteren Termin für die Entscheidung festlegen. Wie viele Produkte sind noch betroffen? Die Milka-Tafeln seien kein Einzelfall, betont Armin Valet, Lebensmittel-Experte bei der Verbraucherzentrale Hamburg. "Dieses Vorgehen ist sehr verbreitet und kommt quer durch den Supermarkt vor." Hersteller würden klammheimlich die Füllmenge reduzieren. Das Phänomen - weniger Inhalt zum gleichen oder sogar höheren Preis - wird auch als "Shrinkflation" bezeichnet. Shrink ist Englisch heißt übersetzt schrumpfen. Die Verbraucherzentrale Hamburg führt eine Liste mit mehr als 1.000 Mogelpackungen, ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Häufig betroffen seien Markenprodukte, vor allem Süßwaren. Im vergangenen Jahr wurden 77 Produkte neu aufgenommen - rund 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Verbraucherschützer gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Warum sparen Hersteller am Inhalt? Dafür gebe es unterschiedliche Gründe, meint Peter Feller von der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE). Etwa gestiegene Kosten bei der Produktion oder andere Kundeninteressen. "Bei der Verwendung des Begriffs der "Mogelpackung" ist übrigens Vorsicht geboten." Das sei nur erlaubt, wenn rechtliche Gestaltungsspielräume tatsächlich überschritten werden. Der Endpreis werde vom Handel festgelegt. Der Hersteller der Milka-Tafeln verweist auf wirtschaftliche Unsicherheiten und gestiegene Preise. "Als Konsequenz daraus haben wir letztes Jahr entschieden, das Gewicht einiger unserer Milka-Tafeln anzupassen", sagte die Sprecherin von Mondelez. Nur so könne das Unternehmen wettbewerbsfähig bleiben und müsse nicht an Qualität oder Geschmack einsparen. Worauf können Verbraucher beim Einkaufen achten? Um die Produkte wirklich vergleichen zu können, müssten Verbraucherinnen und Verbraucher beim Einkauf die alten Preise und Füllmengen im Kopf haben. "Das ist vollkommen unrealistisch", meint Armin Valet. Die Änderungen fallen oft erst durch Zufall auf, wenn die Menschen mit ihren Einkäufen daheim sind. "Weil dort zum Beispiel noch eine alte Packung vorhanden ist oder sie den Inhalt umfüllen und bemerken, dass das Behältnis nicht mehr voll wird." Wer eine solche Entdeckung macht, kann den Artikel online melden. Bis zu 3.000 Beschwerden erreichen die Verbraucherzentrale so jedes Jahr. Mitarbeitende prüfen die Hinweise, suchen nach alten Verpackungen zum Vergleich, kontaktieren die Hersteller - und ziehen im Zweifel vor Gericht. Damit hatte die Verbraucherzentrale schon in der Vergangenheit Erfolg: Das Landgericht Hamburg bestätigte 2024, dass die Kunden beim Kauf der Margarine "Sanella" in die Irre geführt wurden. Im Becher waren plötzlich nur noch 400 statt 500 Gramm. Eine Verbraucherin war zuvor beim Backen aufgefallen, dass eine Packung nicht mehr für ihren Kuchen reicht. Welche Folgen könnte das Milka-Verfahren haben? In dem Verfahren geht es um einen Einzelfall. Selbst wenn das Gericht der Verbraucherzentrale recht geben sollte, wird sich deshalb nichts grundlegend ändern. Doch Mondelez wird sich an die Entscheidung des Gerichts halten müssen - und die Verbraucherschützer hoffen auf eine abschreckende Wirkung für andere Hersteller. Schon seit dem Urteil zur "Sanella"-Margarine seien viele Unternehmen vorsichtiger geworden und kennzeichnen Änderungen besser, meint Lebensmittel-Experte Armin Valet. "Hinweise wie "Weniger Inhalt, gleiche Qualität" wären vor drei, vier Jahren undenkbar gewesen. Jetzt finden wir sie hin und wieder auf den Packungen." Damit sich wirklich etwas ändert, müssten die Gesetze in Deutschland angepasst werden. Im Koalitionsvertrag der Bundesregierung steht dazu: "Wir setzen uns für mehr Transparenz bei versteckten Preiserhöhungen ein." Was daraus konkret wird, ist offen. Die Verbraucherzentrale fordert verpflichtende Hinweise auf Mengenreduktionen sowie sichtbare Kennzeichnungen in Geschäften. Handel und Industrie lehnen das ab, die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie warnt vor zusätzlicher Bürokratie und höheren Kosten./miu/DP/stk Weitere Nachrichten |
| Name | Kurs | Währung | Datum | Zeit | Handelsplatz |
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| MONDELEZ INTERNATION... | 56,060 | USD | 22.04.26 | 22:00 | Nasdaq |
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