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16.04.2026 05:00

Deutsche Unternehmen stark hagelgefährdet

Schwergewitter

München (dpa) - Deutsche Unternehmen werden nach einer Analyse der Allianz gemessen an der vergleichsweise kleinen Landfläche überdurchschnittlich schwer von Hagelschäden getroffen. Deutschland steht laut Berechnungen des Unternehmensversicherers Allianz Commercial in der Rangliste der von 2016 bis 2025 am schwersten von Hagel getroffenen Länder mit einem Anteil von vier Prozent an den Schäden auf Platz fünf hinter den USA, Frankreich, Kanada und Spanien. Aus diesen fünf Ländern kamen zusammen demnach fast 90 Prozent aller Hagelschadenmeldungen.

Hagel wird gefährlicher 

Das liegt nicht nur daran, dass es in Nordamerika und Europa vergleichsweise häufig hagelt, sondern auch an der sogenannten Versicherungsdichte: Die Allianz hat viele Kunden auf beiden Erdteilen, in Asien und Afrika ist der Anteil der gegen Naturkatastrophen versicherten Firmen dagegen erheblich niedriger. Doch dies ist nicht alles: Nach Daten von Rückversicherern aus den vergangenen Jahrzehnten steigen im langfristigen Trend die durch Schwergewitter verursachten Schäden, da die Unwetter sowohl an Häufigkeit als auch an Intensität zugenommen haben. «Wir gehen davon aus, dass die Schäden weiter steigen werden», sagt Michael Bruch, Leiter der globalen Risikoberatung bei Allianz Commercial. 

Es ist nicht nur der Klimawandel 

Allianz Commercial ist die auf Unternehmensversicherungen spezialisierte Tochter des Münchner Dax-Konzerns. Die Fachleute werteten für ihre Berechnungen 3013 Schadenmeldungen der vergangenen zehn Jahre aus, inklusive der Anteile anderer Versicherer - große Unternehmen werden wegen des immensen Schadenpotenzials üblicherweise von Konsortien versichert. Damit werden die Risiken auf mehrere Schultern verteilt. 

«Natürlich denkt man zuerst mal an klimawandelgetriebene Effekte, die natürlich eine Rolle spielen», sagte Bruch. «Aber ein wesentlicher Treiber ist, dass mehr und teurer in gefährdeten Gebieten gebaut wird.» Ein weiterer Faktor sei die alternde Infrastruktur. «Und zu guter Letzt erleben wir steigende Bau- und Reparaturkosten.»

Als ein Beispiel aus der jüngeren Vergangenheit führt die Versicherung in ihrem Papier Schwergewitter und Hagelstürme in Italien im Juli 2023 an, die 6,3 Milliarden Euro Schaden verursachten. «Wir sehen auch in Europa zunehmende Gefahren, speziell in Richtung Alpen und Norditalien», sagt Bruch.

Besonders gefährdet: Flugzeuge, Gebäude, Solaranlagen

In einer Hinsicht gilt für Firmen nichts anderes als für private Hausbesitzer: «Dächer sind natürlich besonders gefährdet, gerade wenn es dort Glaskuppeln oder sonstige Einbauten gibt», sagt Bruch. «Der Schaden am Dach ist das eine, aber eintretendes Wasser kann zu noch weitaus größeren Schäden führen.» Doch sind keineswegs nur Gebäude gefährdet: «Darüber hinaus ist alles, was draußen steht, ein großes Thema», sagt Bruch. «Von Autos über Maschinen bis zu Solarfarmen und anderen empfindliche Anlagen. Hinzu kommen Flugzeuge und große Lagerhallen.»

Flugzeuge sind besonders exponiert, weil sie meistens draußen geparkt werden und ihre Außenhüllen dünn sind. Und weil Flugzeuge sehr teuer sind, stehen sie auch in der Rangliste der Wirtschaftsgüter mit den höchsten Schäden an erster Stelle: Nach den Berechnungen der Allianz Commercial-Fachleute entfiel in den zehn Jahren von 2016 bis 2025 ein Anteil von 16 Prozent der gesamten Hagelschäden allein auf Flugzeuge, gefolgt von Gebäuden - kaputte Dächer und sonstige Schäden addiert - mit 14 Prozent. Danach kamen dann schon die ebenfalls empfindlichen Solaranlagen mit einem Anteil von sechs Prozent. 

«Unternehmen sollten sich genau anschauen, wo und wie sie gefährdet sein könnten», meint Risikoberater Bruch. «Wir nennen das eine standortspezifische Vulnerabilitätsanalyse.» Diese berücksichtigt neben lokalen Wetterphänomenen wie Hagel, Tornados oder Starkwind beispielsweise auch bauliche Schwachstellen oder die Anfälligkeit kritischer Anlagen. Und wie in fast allen Bereichen kann auch hier Künstliche Intelligenz helfen, künftige Klimaszenarien zu simulieren und Prioritäten für «Resilienzmaßnahmen» zu setzen.



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