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13.04.2026 13:57

IW-Prognose: Bevölkerung Deutschlands schrumpft wieder

Zuwanderung

Köln (dpa) - Jahrelang ist die Bevölkerung in Deutschland gewachsen. Experten rechnen nun jedoch damit, dass die Einwohnerzahl mittelfristig wieder sinken wird. Das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) erwartet bis 2045 einen Rückgang um 2,9 Prozent auf rund 81,1 Millionen. Hauptgrund ist demnach vor allem die sinkende Zuwanderung. In der vorherigen Prognose waren die Forscher noch von einem moderaten Wachstum bis 2040 ausgegangen.

Laut Berechnungen des IW reichte die Zuwanderung zuletzt nicht mehr aus, um die durch Sterbefälle abnehmende Bevölkerungszahl auszugleichen. Die sank im vergangenen Jahr um 100.000 auf 83,5 Millionen Menschen. «Klammert man das erste Jahr der Pandemie aus, war es der erste Rückgang seit 2010», sagt IW-Experte Philipp Deschermeier. 

In den kommenden Jahren ist laut Prognose mit einem weiteren Schrumpfen der Bevölkerung zu rechnen. Der Ökonom führt dies vor allem auf das Ende des wirtschaftlichen Aufschwungs und auf die Maßnahmen der Bundesregierung zur Begrenzung der Migration zurück. Je nach Entwicklung der Zuwanderung könnte die Bevölkerungszahl bis 2045 im Extremfall sogar auf knapp 78 Millionen fallen.

Experte warnt vor Folgen

In Deutschland sterben seit Jahrzehnten mehr Menschen, als Babys geboren werden. Dass die Bevölkerung seit Beginn der 2010er Jahre nicht mehr geschrumpft ist, lag Deschermeier zufolge an der Zuwanderung. Die Einführung der Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, die Flüchtlingsmigration sowie der wirtschaftliche Aufschwung bewirkten demnach einen demografischen Paradigmenwechsel. Zwischen 2010 und 2024 wuchs die Bevölkerungszahl von 80,3 auf 83,6 Millionen. 

Im vergangenen Jahr kamen hingegen nur noch 250.000 Menschen mehr nach Deutschland als abwanderten. Die Zahl der Sterbefälle überstieg die Zahl der Geburten um etwa 350.000. Der IW-Ökonom erwartet, dass sich der negative Bevölkerungssaldo durch die Alterung der Gesellschaft und die damit einhergehenden höheren Sterbezahlen noch weiter ausweitet.

«Arbeitsmarkt und Sozialversicherung könnten viel früher und stärker unter Druck geraten als bislang befürchtet», sagt Deschermeier. Bei schrumpfender Bevölkerung sinke auch das wirtschaftliche Potenzialwachstum. 20 Millionen Rentner verschärften die Belastung der Rentenkassen zusätzlich. Der Experte fordert: Die Politik müsse die Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte erleichtern, etwa durch schnellere Visaverfahren und eine einfachere Anerkennung ausländischer Abschlüsse.



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