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12.04.2026 05:00

Besondere Werkstatt: Wie kaputte Flugzeuge repariert werden

Airbus Repair Center

Stuhr (dpa) - Der Reifen ist geplatzt, die Landeklappe verbeult und Korrosion hat auch schon Spuren hinterlassen. «Das ist eine relativ komplexe Reparatur», sagt Christopher Jacob, Leiter des Airbus Repair Centers. «Wir müssen die Landeklappe komplett zerlegen.» Doch wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, wird die Klappe wieder wie neu sein.

Einzige Werkstatt in Europa

Aus ganz Europa kommen kaputte Flugzeugteile von Airbus in die Werkstatt nach Stuhr südlich von Bremen. Es sind oft die aussichtslosen Fälle: verbogene Ruder, verbeulte Landeklappen oder beschädigte Flügelspitzen nach einem Hagelschaden, Blitz – oder Steinschlag. «Wir kommen immer dann ins Spiel, wenn es kompliziert wird», meint Michelle Klautke, Leiterin eines Reparaturteams.

Das Team kann mehr als 1.200 unterschiedliche Bauteile von Flugzeugen reparieren. «Da ist alles dabei, vom kleinen Tankdeckel bis zur großen Landeklappe», sagt Klautke. «Wir reparieren über 500 Komponenten pro Jahr.»

Was bei den Flugzeugteilen kaputt ist

Vor der Werkhalle stapeln sich überdimensionale, orangefarbene Kisten. Darin warten die beschädigten Flugzeugteile auf ihre Reparatur. «Als Erstes geht es in die Inspektion», erklärt Klautke. «Wir schauen uns genau an: Was ist kaputt? Gibt es Korrosion? Ist die Beschichtung beschädigt?»

Viele Schäden sind offensichtlich, doch bei der Reparatur entdecken die Experten oft noch weitere Schäden wie Korrosion, geplatzter Lack oder ein leicht verbogener Halter. «Manchmal müssen wir auch erst auf Spurensuche gehen, was kaputt ist», sagt Klautke. «Das ist beispielsweise der Fall, wenn wir Wassereinlagerungen im Bauteil vermuten.»

Warum Passagiere keine Angst haben müssen

Wer im Flugzeug sitzt, bekommt in der Regel nichts davon mit. Selbst ein Blitzschlag bleibe meist unbemerkt. «Da passiert dem Flugzeug und den Passagieren erstmal nichts», sagt Jacob. Die Schäden fallen dem Piloten erst bei seinem Rundgang vor dem nächsten Start auf. «Er geht eine Checkliste durch und leuchtet alles ab.» 

Gerade die Landeklappen werden dabei inspiziert. Wenn dem Piloten etwas Ungewöhnliches auffällt, muss er Rücksprache halten. «Im Zweifel müssen die Fluggäste länger am Gate warten und es gibt ein Ersatzflugzeug», sagt Jacob.

Solche Kontrollen finden immer zwischen den Flügen statt, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft mitteilt. Dabei werden Betriebsflüssigkeiten aufgefüllt, Bremsen und Räder gewechselt sowie kleinere Reparaturen erledigt. Unabhängig davon werden Flugzeuge alle 15 bis 18 Monaten genauer durchgecheckt. «Die Wartungsintervalle basieren auf der Anzahl der Flugstunden, der Landungen sowie festgelegten Zeitintervallen.»

Kleinere Reparaturen wie der Austausch einer Felge werden von vielen Werkstätten übernommen. Doch für millimetergenaue Arbeiten braucht es Expertise und spezielle Vorrichtungen wie in der Werkhalle im niedersächsischen Stuhr.

Eine komplizierte Reparatur dauert dort vier oder fünf Monate. «Das Flugzeug steht in der Zeit nicht», sagt der Leiter des Airbus Repair Centers. Stattdessen werde eine Art Tauschhandel betrieben: Der Kunde gibt beispielsweise seine defekte Landeklappe ab und bekommt dafür gleich einen Ersatz aus einem Lager. Wenn der Schaden repariert ist, kommt die Klappe ins Lager für den nächsten Kunden, der kurzfristig Ersatz braucht.

Experten tüfteln: Wie kann das Teil repariert werden?

Anders als in der seriellen Produktion wissen die Mitarbeiter nie, was sie erwartet. «Das ist nicht planbar», betont Klautke. Ein Team kümmert sich um kaputte Landeklappen, andere Teams um Seiten- und Höhenruder, Flügelspitzen oder Militärflugzeuge. Einige Angestellte sind auf Reparaturen mit Kohlenstoff- und Glasfaser spezialisiert.

«Wenn man's abbauen kann, wird man es auch reparieren können. Die Frage ist nur, wie», erklärt die Expertin. So entwickeln die Ingenieure und Handwerker immer wieder neue Lösungen, insbesondere für wiederkehrende Schwachstellen. «Unser Ziel ist, die Flugtüchtigkeit wiederherzustellen.»

In der Werkhalle wird geschliffen, geschraubt und geklebt. Zum Schluss werden noch letzte Farbtupfer oder Dichtungen angebracht, bevor ein unabhängiges Team das Flugzeugteil überprüft und schließlich zertifiziert.

Warum immer mehr Flugzeuge repariert werden

Eine solche Reparatur sei nicht nur nachhaltiger, sagt der Betriebsleiter. Sondern meistens deutlicher günstiger als der Kauf eines neuen Flugzeugteils. «Wenn wir Teile reparieren können, spart sich der Kunde häufig viele Millionen.» Bei aufwendigen Arbeiten an einer Landeklappe liegen die Kosten im sechsstelligen Bereich – und sind damit immer noch billiger als ein Neukauf.

Von der besonderen Werkstatt wissen selbst manche Airbus-Mitarbeiter nichts. Doch die Sparte wächst: Rund 80 Menschen arbeiten momentan in dem Werk, bis zum Jahresende sollen es 100 Angestellte sein. «Wir reparieren deutlich mehr als früher», sagt Jacob. «In der Vergangenheit gab es Beschädigungen, die wir nicht reparieren konnten. Heute haben wir aber Lösungen entwickelt, die diese Bauteile vor der Verschrottung retten.» So wie bei der verbeulten Landeklappe mit dem Reifenschaden, die in ein paar Monaten wieder um die Welt fliegen wird.



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