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16.03.2026 18:22

Unicredit bietet für Commerzbank: «An der Zeit zu reden»

Drohende Übernahme

Frankfurt/Mailand (dpa) - Die italienische Großbank Unicredit treibt mit einem milliardenschweren Übernahmeangebot die Commerzbank vor sich her und will Gespräche am Verhandlungstisch erzwingen. «Unsere Botschaft an die Commerzbank heute ist: Es ist jetzt an der Zeit, zu sprechen», sagte Unicredit-Chef Andrea Orcel in einer Telefonkonferenz.

Orcel kündigte an, in den kommenden Wochen einen «konstruktiven Dialog mit der Commerzbank und ihren Stakeholdern» führen zu wollen. Das zielt auf Commerzbank-Chefin Bettina Orlopp sowie die Bundesregierung, die beide eine Übernahme der zweitgrößten deutschen Privatbank weiterhin vehement ablehnen.

Die Commerzbank sieht keine Grundlage für Übernahmegespräche mit ihrem größten Einzelaktionär. Orlopp kritisierte, die Unicredit lasse im Unklaren, wie eine wertstiftende Transaktion aussehen solle, zudem umfasse das nun angekündigte Angebot «faktisch keine Prämie für unsere Aktionäre». Auch der Bund bleibt hart: «Eine feindliche Übernahme wäre insbesondere mit Blick darauf, dass die Commerzbank eine systemrelevante Bank ist, nicht akzeptabel», sagte ein Sprecher des Finanzministeriums in Berlin.

Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte bei einem Treffen mit dem niederländischen Ministerpräsidenten Rob Jetten im Kanzleramt in Berlin, das Angebot sei Sache der beteiligten Banken. «Die politische Meinung der Bundesregierung dazu ist klar: Wir wollen die Eigenständigkeit der Commerzbank erhalten. Aber zunächst einmal muss jetzt die Commerzbank, der Aufsichtsrat, der Vorstand auf das Übernahmeangebot der Unicredit eine Antwort geben, und alles Weitere wird sich dann im Laufe der nächsten Wochen und Monate zeigen.»

Nächstes Manöver von Orcel

In einem freiwilligen Tauschangebot will die Unicredit für sämtliche Commerzbank-Aktien je 0,485 neue Unicredit-Papiere bieten. Das entspreche einem Preis von 30,80 Euro pro Commerzbank-Anteil oder einem Aufschlag von vier Prozent zum Schlusskurs vom 13. März. Damit bewertet die Unicredit die Commerzbank mit knapp 35 Milliarden Euro. An der Börse stiegen Commerzbank-Aktien am Montag um gut neun Prozent auf mehr als 32 Euro - ein Zeichen, dass Aktionäre auf ein höheres Angebot spekulieren.

Die Unicredit wirbt seit langem um die Commerzbank und ist mit einem direkten Anteil von 26 Prozent größter Aktionär des Frankfurter Dax-Konzerns. Inklusive Finanzinstrumenten kontrolliert die Großbank mit Sitz in Mailand 29,9 Prozent der Commerzbank-Anteile. Ab 30 Prozent wäre die Unicredit gesetzlich zu einer Übernahmeofferte verpflichtet.

Offizielles Angebot im Mai

Das Angebot ziele darauf, die rechtlich vorgesehene 30-Prozent-Schwelle zu überwinden. Zugleich betonte die Unicredit, sie erwarte, eine Beteiligung an der Commerzbank von mehr als 30 Prozent zu erreichen, «ohne die Kontrolle zu erlangen».

Offiziell soll das Angebot im Mai vorgelegt werden mit einer Annahmefrist von vier Wochen. Bis spätestens 4. Mai will die Unicredit eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen, um die Zustimmung ihrer Aktionäre für die nötige Kapitalerhöhung einzuholen. Das wäre nur wenige Tage vor der Commerzbank-Hauptversammlung, die für 20. Mai geplant ist. 

Da die Commerzbank laufend Aktien zurückkauft, erspart sich die Unicredit mit dem Manöver, stetig Commerzbank-Aktien verkaufen zu müssen, um unter der 30-Prozent-Schwelle zu bleiben. Mit dem freiwilligen Übernahmeangebot, das nur einen kleinen Aufschlag vorsieht, hat Orcel die Möglichkeit, weitere Commerzbank-Aktien an der Börse zu kaufen. Ein Pflichtangebot wäre wohl teurer geworden.

Warum sich die Unicredit für die Commerzbank interessiert

Die Unicredit, die im deutschen Markt mit der Hypovereinsbank (HVB) bereits ein Standbein hat, wirbt seit Monaten für eine Übernahme der Commerzbank. Orcel sieht Chancen in einem kombinierten Geschäft mit Privat- und Mittelstandskunden und argumentiert, Europa brauche im Wettlauf mit den starken US-Geldhäusern größere Banken. Er glaube an Deutschland und den Mittelstand, bekräftigte Orcel am Montag.

Einstieg auf Umwegen

Die Tür für die Unicredit hatte ausgerechnet die damalige Ampel-Koalition geöffnet mit einem verunglückten Teilausstieg bei der Commerzbank. Orcel nutzte das, um im September 2024 überraschend einzusteigen. Nach und nach baute die Unicredit ihre Beteiligung aus und überholte den deutschen Staat als größten Commerzbank-Aktionär. Dieser hatte die Commerzbank in der Finanzkrise mit Steuermilliarden vor dem Kollaps bewahrt und hält noch rund 12 Prozent.

Hessens Ministerpräsident Boris Rhein (CDU) sagte, die Interessen der Mitarbeiter und Kunden der Commerzbank, ein wichtiger Finanzierer für den Mittelstand, müssten in allen Gesprächen «angemessen berücksichtigt werden». Maßstab bleibe, «dass der europäische Finanzplatz Frankfurt am Main, Europas Nummer 1, gestärkt und nicht geschwächt wird».

Verdi fürchtet großen Jobabbau

Commerzbank-Chefin Orlopp versucht, die Eigenständigkeit ihres Hauses mit allen Mitteln zu verteidigen. Sie verordnete dem Konzern ehrgeizige Renditeziele, höhere Dividenden und verkündete den Abbau von etwa 3.900 Stellen, davon den Großteil in Deutschland. Orlopp setzt auf den stark gestiegenen Aktienkurs als Abschreckung gegen die Unicredit - offensichtlich ohne Erfolg.

 

Das Szenario einer Übernahme schürt Ängste in der Commerzbank-Belegschaft und bei Arbeitnehmervertretern. So fürchtet Verdi einen Schrumpfkurs, sollten die Italiener die Kontrolle übernehmen - so wie schon bei der Übernahme der HVB durch die Unicredit 2005. Orcel handele bei der Commerzbank «weiterhin unkalkulierbar und spielt mit dem Vertrauen der Beschäftigten, aber auch der gesamten deutschen Wirtschaft», kritisierte Verdi-Bundesvorstand Christoph Schmitz-Dethlefsen. 

Commerzbank-Betriebsratschef Sascha Uebel nannte den jüngsten Schritt der Unicredit «geschäftsschädigend». «Das ist die nächste Stufe der Unverschämtheit. Das ist nicht nur unabgestimmt, das ist feindlich», sagte Uebel der Deutschen Presse-Agentur und kündigte Widerstand an: «Wenn Orcel Synergieeffekte heben will, bräuchte es einen Stellenabbau. Dafür bräuchte er uns Betriebsräte. Die Commerzbank-Betriebsräte haben bewiesen, dass sie zäh sind.»



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