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13.03.2026 12:25

USA lockern Russland-Sanktionen - Ölpreise weiter hoch

Energiekrise

Washington/Moskau/London (dpa) - Die USA lockern angesichts des stark gestiegenen Ölpreises die Sanktionen gegen Russland. Um das Angebot auf dem Weltmarkt zu verbessern, dürfen Länder zeitweise russisches Öl kaufen, das sich bereits auf Schiffen befindet, wie Finanzminister Scott Bessent auf der Plattform X mitteilte. Die befristete Ausnahme von US-Sanktionen soll bis 11. April gelten. Moskau begrüßte die Lockerung. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche sorgt sich nach dem Schritt um die Russlandsanktionen. 

Bundeskanzler Friedrich Merz kritisierte die Entscheidung der USA. «Jetzt Sanktionen zu lockern, aus welchen Gründen auch immer, das halten wir für falsch», sagte der CDU-Politiker bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Ministerpräsident Jonas Gahr Støre auf der norwegischen Insel Andoya. 

Merz berichtete, im Kreis der Staats- und Regierungschefs der großen Industriestaaten (G7) sei kürzlich auch mit US-Präsident Donald Trump über die Frage der Öl- und Gaslieferungen aus Russland gesprochen worden. «Es gab eine sehr klare Meinung von sechs Mitgliedern der G7, dass dies nicht das richtige Signal ist. Wir haben dann heute Morgen erfahren, dass sich die amerikanische Regierung offensichtlich anders entschieden hat.»

Russland, das seit mehr als vier Jahren einen Angriffskrieg gegen die Ukraine führt, dürfte zumindest kurzfristig seine Einnahmen aus dem Rohöl-Verkauf steigern können. US-Finanzminister Bessent argumentierte jedoch, Russland werde von dieser «eng gefassten» Ausnahme nicht in bedeutender Weise finanziell profitieren. 

Wirtschaftsministerin Reiche sagte, sie mache sich Sorgen, dass damit Russlands Kriegskasse weiter gefüllt werde: «Mir scheint, dass der innenpolitische Druck in den Vereinigten Staaten sehr, sehr groß ist.» 

Moskau zufrieden nach US-Lockerungen 

Moskau reagierte zufrieden. Der Kremlgesandte Kirill Dmitrijew schrieb bei Telegram. «Die USA erkennen faktisch das Offensichtliche an: Ohne russisches Öl kann der globale Energiemarkt nicht stabil bleiben.» Dmitrijew, der erst diese Woche für Wirtschaftsgespräche in den USA war, sprach nun von rund 100 Millionen Barrel russischem Öl, das sich im Transit befinde. 100 Millionen Barrel Öl entsprechen in etwa dem weltweiten Verbrauch an einem Tag.

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Energiekrise scheine eine weitere Lockerung der Beschränkungen für russische Energieträger immer unausweichlicher, schrieb Dmitrijew. «Trotz des Widerstands eines Teils der Brüsseler Bürokratie.» Für Moskau sind Einnahmen wichtig für die Kriegskasse. Seit Jahren gibt es Sanktionen von der EU und den USA.

Kremlsprecher Dmitri Peskow wertete die Lockerung von US-Sanktionen als Versuch, die Energiemärkte zu stabilisieren. Dabei deckten sich die Interessen der USA und Russlands, sagte er russischen Nachrichtenagenturen zufolge. 

Ölpreise auf hohem Niveau wenig bewegt 

Die Ölpreise haben sich auf hohem Niveau zunächst wenig bewegt. Zum Ende einer turbulenten Woche zeichnet sich somit weiter keine Entspannung ab. Die Freigabe von Ölreserven durch die Internationale Energieagentur (IEA) zur Wochenmitte hat bisher zu keiner nachhaltigen Senkung des Niveaus geführt.

Am Freitagmorgen wurde für ein Barrel (159 Liter) der Nordsee-Sorte Brent zur Lieferung im Mai 100,43 Dollar gezahlt und damit drei Cent weniger als am Vortag. Am Markt sind alle Augen auf die praktisch geschlossene Straße von Hormus gerichtet. Irans Führung ist trotz massiver Angriffe der USA und Israels weiter zu Gegenschlägen und Störung der globalen Ölversorgung in der Lage.

Spritpreis zweiten Tag in Folge gesunken

Tanken ist indes den zweiten Tag in Folge wieder etwas billiger geworden. Superbenzin der Sorte E10 kostete im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Donnerstags 2,006 Euro pro Liter, das waren 0,5 Cent weniger als am Vortag, wie der ADAC mitteilt. Diesel sank um 0,4 Cent auf 2,130 Euro pro Liter. 

Die aktuelle Atempause für die deutschen Autofahrer könnte allerdings von kurzer Dauer sein: Am Freitagmorgen waren beide Kraftstoffe einige Cent teurer als zum gleichen Zeitpunkt am Donnerstag. Hintergrund könnte der Ölpreis sein, der am Donnerstag und Freitag wieder höher lag als Mitte der Woche.

Die Preise sind in den knapp zwei Wochen seit Beginn des Iran-Krieges stark gestiegen. Am letzten Tag vor Beginn der Angriffe war E10 knapp 23 Cent billiger als am Donnerstag, Diesel gut 38 Cent. 

USA: Noch keine Schiffs-Eskorte durch Straße von Hormus möglich

Die iranischen Revolutionsgarden halten an ihrer Blockade der Straße von Hormus im Persischen Golf fest. Die Kommandozentrale der Garden erklärte laut der ihr nahe stehenden Nachrichtenagentur Fars, dass sie einer Anweisung des neuen Religionsführers Modschtaba Chamenei folge. Der Schiffsverkehr durch die für den Öltransport wichtigen Straße von Hormus ist nahezu zum Erliegen gekommen. Die USA sind nach Angaben von Energieminister Chris Wright noch nicht in der Lage, Tanker durch die Meerenge zu eskortieren.

Ifo-Chef Fuest: Iran-Krieg kein Desaster, aber Dämpfer

Der Iran-Krieg wird sich nach Einschätzung von Ifo-Präsident Clemens Fuest negativ auf das deutsche Wirtschaftswachstum auswirken – von dramatischen Folgen geht er aber nicht aus. «Es ist zum Glück kein Desaster, aber es ist ein klarer Dämpfer», sagte er im ARD-Morgenmagazin. Er setze darauf, «dass wir das ganz gut überstehen». Deutschland sei nicht mehr so abhängig von Öl wie in den 70er Jahren.

Die Münchner Wirtschaftsforscher gehen bei einem baldigen Kriegsende von einem deutschen Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem Jahr aus – 0,2 Prozentpunkte weniger als ansonsten zu erwarten gewesen wäre. Sollte der Krieg länger dauern, sei von 0,6 Prozent Wachstum auszugehen – womit laut Fuest der «relativ blutleere Aufschwung» noch mehr gedämpft würde.

Der Konjunktur-Chef des RWI-Leibniz-Institutes, Torsten Schmidt, warnt vor hoher Inflation, sollte der Iran-Krieg länger als vier Wochen dauern. «Hohe Ölpreise treiben die Verbraucherpreise. Bei einem längeren Krieg könnte die Inflation in diesem Jahr vorübergehend auf sechs Prozent steigen», sagte Schmidt der «Rheinischen Post». «Dann ist das Wirtschaftswachstum weg, Deutschland würde in das vierte Jahr der Rezession rutschen.»



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