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11.03.2026 14:24

Rheinmetall eilt von Rekord zu Rekord

Waffen für Nato-Staaten

Düsseldorf (dpa) - Der Rüstungskonzern Rheinmetall wächst und wächst. Der Krieg in der Ukraine sowie die damit verbundene russische Bedrohung für Nato-Staaten bescheren der Düsseldorfer Waffenschmiede prall gefüllte Auftragsbücher und volle Kassen. Nun hat die Firma ihre Jahreszahlen für 2025 vorgestellt und einen Ausblick auf die kommenden Jahre gegeben. Ein Überblick über Deutschlands größten Rüstungskonzern. 

Der Blick zurück

Ausgerechnet 1990 fing der heute 63 Jahre alte Armin Papperger bei Rheinmetall an, seit 2013 ist er dessen Chef. 1990 endete der Kalte Krieg und die Bestellungen bei Waffenfirmen gingen in den Keller: Wozu braucht man Kriegsgerät, wenn doch Frieden ist? Diese Haltung setzte sich in den 90er Jahren in der Politik durch, für Rüstungsfirmen begannen karge Jahre - manche Firmen gingen pleite und verschwanden vom Markt. 

Rheinmetall suchte sein Heil im Ausland und gründete dort Tochterfirmen, etwa in Südafrika und Australien. So rettete sich die Waffenfirma über die Runden. Im Rückblick zeigt sich, dass diese Strategie entscheidend war. Denn jetzt steht die deutsche Firma bereit, um die Bundeswehr wieder aufzurüsten.

Vor gut zehn Jahren wendete sich das Blatt allmählich: Russland annektierte völkerrechtswidrig die Krim und so manch Politiker aus Nato-Staaten schwante, dass der Gas-orientierte Kuschelkurs mit Putin samt «Wandel durch Handel»-Devise wenig bringt. Die Rüstungsgeschäfte zogen langsam an, auch bei Rheinmetall. Seit dem Beginn des Ukraine-Kriegs 2022 gehen sie durch die Decke.

Wie das Geschäft derzeit läuft

Rheinmetall hat seinen Umsatz 2025 um 29 Prozent auf rund 9,9 Milliarden Euro gesteigert. Das liegt teilweise an Zukäufen. Das operative Ergebnis kletterte 2025 um 33 Prozent auf 1,8 Milliarden Euro an. Das Ergebnis nach Steuern lag mit 0,8 Milliarden Euro aber nur 3 Prozent über dem Vorjahreswert. Die relativ schwache Steigerung des Nettogewinns lag unter anderem an recht üppigen Zahlungen an Firmen, mit denen Rheinmetall in Gemeinschaftsunternehmen zusammenarbeitet. Die Auftragsbücher sind voll, der «Backlog» liegt bei 63,8 Milliarden Euro - so viel war es noch nie. Mit Backlog sind verbindliche Aufträge und Rahmenverträge gemeint. 

Wie es weitergehen soll

Bis 2030 möchte Rheinmetall seinen Umsatz auf 50 Milliarden Euro verfünffachen, die Beschäftigtenzahl soll von 33.000 auf 70.000 mehr als verdoppelt werden. Sein schwächelndes Geschäft als Autozulieferer möchte Rheinmetall schon bald abgeben, in den Konzernjahreszahlen für 2025 ist dieser Bereich gar nicht mehr enthalten. Man sei kurz davor, sich für einen der Bieter zu entscheiden, sagt Papperger. Im zweiten Quartal 2026 soll der Verkauf verkündet werden. Der Kfz-Standort in Neuss wird umgebaut, damit dort Rüstungsgüter gebaut werden können. Rheinmetall wird also zu einer reinen Waffenschmiede; Kolben oder Pumpen für Pkw sind Schnee von gestern.

Verkaufspalette wird immer breiter

«Wir sind Vollsortimenter, und das ist wichtig», betont Manager Papperger. Damit meint er: Egal, was eine Armee braucht, wir können (fast) alles liefern. Die Firma fertigt Artillerie- und Flugabwehrgeschütze, Panzer, Munition, Infanterie-Ausstattung und Militär-Lastwagen. Kürzlich verleibte sich das Unternehmen den militärischen Zweig der Lürssen-Werft ein und darf sich seither auch Schiffbauer nennen. Rheinmetall kann die selbst gefertigten Schiffe mit eigenen Geschützen und anderen Rüstungsgütern bestücken, was das Geschäft zusätzlich befeuern dürfte. 

Außerdem geht der Blick nach oben: Für den US-Tarnkappenbomber F35 stellt Rheinmetall in Weeze (NRW) das Rumpfmittelteil her. Die Drohnenproduktion soll ausgeweitet werden und die Firma möchte mit einem finnischen Partner in Neuss Satelliten herstellen, um damit Aufnahmen aus dem Weltall zu machen und diese an Nato-Armeen zu verkaufen - das soll auch der Bundeswehr bei der Beurteilung der russischen Bedrohung helfen. 

Was Rheinmetall einen Extra-Schub geben könnte

Der Iran-Krieg lässt die Nachfrage nach Flugabwehr-Geschützen von Rheinmetall nach oben schnellen. «Die Telefone standen übers Wochenende nicht still, man will unsere Systeme», sagt Konzernchef Papperger. Rheinmetall-Flugabwehrgeschütze hätten in dem laufenden Krieg im Mittleren Osten bereits mehr als 100 iranische Drohnen abgeschossen. Jeder Schuss koste nur 1000 Dollar (860 Euro), bis zu fünf Schuss seien zur Abwehr einer zwischen 20.000 und 50.000 Dollar teuren Drohne nötig. Im Vergleich zu den etwa zwei Millionen Dollar teuren Raketen (Missiles), die die USA und deren Verbündete derzeit im Iran-Krieg einsetzen, ist das nahezu ein Schnäppchen, macht Papperger deutlich. 

Und auch im Missiles-Geschäft möchte Rheinmetall mitmischen: In seinem größten Werk im niedersächsischen Unterlüß baut die Waffenschmiede eine Fabrik für Raketenmotoren. 

Was Gegenwind bewirken könnte

Die ganze Rüstungsbranche boomt, den Rüstungsmanagern werden viele Militärprodukte praktisch aus den Händen gerissen. Sparzwänge hat der Bund nicht, denn die Schuldenbremse gilt für den Verteidigungsbereich nur teilweise. Die Geschäfte sind hochprofitabel, wie man auch an den rasant gestiegenen Aktienkursen der Waffenfirmen sehen kann: Finanzanalysten und Anleger versprechen sich jetzt und auch zukünftig hohe Gewinne. Inzwischen sind die Erwartungen aber so hoch, dass sogar gute Zahlen nicht immer reichen: Der Rheinmetall-Kurs sackte am Mittwoch nach Vorstellung der Jahreszahlen deutlich ab, er bewegt sich aber weiterhin auf einem sehr hohen Niveau.

Für etwas Ernüchterung sorgte zudem, dass so manch Bestellung eines Nato-Staates auf sich warten lässt. «Es gibt Verzögerungen», sagt Papperger. Der Bedarf sei aber weiterhin da, die Bestellungen werden kommen, betont er.

Außerdem ist auffällig, dass der mitunter eher mäßige Wettbewerb in der Waffenbranche inzwischen etwas zunimmt. So gründet das norwegische Rüstungsunternehmen Nammo, das in der Artilleriemunitionssparte ein starker Konkurrent von Rheinmetall ist, zusammen mit dem deutschen Lenkflugkörper-Hersteller Diehl Defence ein Gemeinschaftsunternehmen, um der Bundeswehr künftig 155-Millimeter-Granaten zu liefern. Damit bekommt Nammo in Deutschland einen Fuß in die Tür und bringt Rheinmetall etwas unter Druck. Darauf angesprochen, gibt sich Papperger gelassen: «Ich liebe Competition.»



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