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11.03.2026 13:11

Das lahme Ross aus Zuffenhausen: Warum Porsche schwächelt

Autoindustrie

Stuttgart (dpa) - Stolz prangt das Pferd in der Mitte des Porsche-Wappens. Es steht für Kraft und Agilität. Zu spüren ist davon aktuell aber wenig. Früher raste der Sportwagenbauer von Erfolg zu Erfolg - und spülte der Mutter Volkswagen einen großen Teil des Gewinns in die Kassen. Eine Absatzkrise in China, die US-Zölle und die Kehrtwende zum Verbrenner, die Milliarden verschlingt, haben aus Porsche aber einen Konzern im Krisenmodus gemacht. Bei manchem Aktionär gilt Porsche bereits als lahmendes Ross aus Stuttgart-Zuffenhausen. 

Die Probleme erkannt hat auch der neue Porsche-Chef Michael Leiters. Der Manager, der früher bei Ferrari und McLaren arbeitete, hat seinen Posten zu Jahresbeginn angetreten. «In einer politisch und wirtschaftlich unsicheren Welt bleiben wir hinter unseren eigenen Erwartungen und den Erwartungen des Marktes zurück», sagte Leiters bei der Bilanzvorlage. Für die aktuellen Zahlen zeichnet er zwar nicht verantwortlich - er muss in den nächsten Monaten aber sehr wohl Wege finden, wie Porsche wieder auf die Erfolgsspur kommen kann. 

Im Rahmen der Bilanzvorlage kündigte er eine neue Strategie an: «Seit meinem Amtsantritt hat unser Führungsteam die Lage systematisch analysiert und eine Reihe erster gezielter Maßnahmen eingeleitet», teilte Leiters mit. «Wir werden Porsche umfassend neu aufstellen, das Unternehmen schlanker, schneller und die Produkte noch begehrlicher machen». Nachgedacht wir demnach auch über neue hochpreisige Modelle, die besonders profitabel sein sollen. 

Dass Leiters die Probleme schnell angeht, ist auch nötig: Für den Volkswagen-Konzern ist die einstige Ertragsperle mittlerweile zur Belastung geworden. Das Ergebnis nach Steuern ist im vergangenen Jahr massiv abgesackt - um 91,4 Prozent auf 310 Millionen Euro. 2024 waren es noch fast 3,6 Milliarden. Der Umsatz sank um fast ein Zehntel auf rund 36,3 Milliarden Euro.

Strategiewende belastet Porsche

Die größte Belastung für die Schwaben war eine strategische Kehrtwende, die Ex-Porsche-Chef Oliver Blume vor gut einem Jahr angestoßen hatte. Damals zeichnete sich ab, dass die ehrgeizigen E-Auto-Ziele des Managements nicht zu erreichen sind. Blume zog die Notbremse - und begründete das damit, dass die E-Mobilität sich in vielen Märkten deutlich langsamer entwickelt hat, als «wir und viele Experten es noch vor Jahren erwartet hatten». 2025 waren gut 22 Prozent der verkauften Porsche-Modelle reine Stromer. 

Richten soll es angesichts der «Marktrealitäten und Kundenbedürfnisse» nun ein Verbrenner-Comeback bis weit ins nächste Jahrzehnt. Allein dafür fielen rund 2,4 Milliarden Euro an. Zusätzlich belasteten die Abwicklung der Batterie-Pläne mit rund 700 Millionen Euro - und die US-Zölle mit ungefähr demselben Betrag. Insgesamt waren das Sonderkosten von rund 3,9 Milliarden Euro.

«Die globalen Herausforderungen und die Neuausrichtung des Unternehmens haben das Ergebnis 2025 belastet», teilte Finanzchef Jochen Breckner mit. Er erwartete, dass die Maßnahmen auch im laufenden Jahr in hoher dreistelliger Millionenhöhe auf den Gewinn durchschlagen werden. Das nehme man in Kauf, um die Widerstandsfähigkeit von Porsche zu stärken. 

Mit Vollgas in die China-Flaute

Zum Dreiklang, mit dem Blume im vergangenen Jahr die großen Probleme von Porsche erklärte, gehörten neben der schleppend anlaufenden E-Mobilität und den US-Zöllen von Präsident Donald Trump auch die Feststellung, dass die Geschäfte in China nicht mehr laufen. Dort sei das Marktsegment für teure Luxusprodukte in kurzer Zeit um mehr als 80 Prozent eingebrochen. 

Das liegt unter anderem daran, dass es in der Volksrepublik mittlerweile starke Konkurrenz durch heimische Hersteller gibt, die mit hohen Rabatten auf den Markt drängen. Außerdem leidet das Unternehmen Porsche - das unter anderem den Sportwagenklassiker 911 herstellt - bereits länger unter der Kaufzurückhaltung von wohlhabenden Chinesen, bei denen das Geld durch die Immobilienkrise nicht mehr so locker sitzt. 

2025 verkauften die Schwaben gut 41.900 Fahrzeuge in China - und damit gut ein Viertel weniger als im Vorjahr. Es handelt sich um den vierten Rückgang in Folge. Zum Vergleich: Im Jahr 2021 hatte Porsche noch fast 95.700 Sport- und Geländewagen in der Volksrepublik ausgeliefert. In China rechnet Porsche nicht mit einer Erholung der Geschäfte, sondern mit einem weiteren Rückgang. Es ging aber auch in anderen Weltregionen bergab. Insgesamt verkaufte die VW-Tochter gut 279.400 Fahrzeuge. Das ist ein Zehntel weniger als im Vorjahr und zugleich der niedrigste Stand seit dem Corona-Jahr 2020. 

Nächster Stellenabbau in Sicht

Porsche setzt daher den Rotstift an. Bis 2029 sollen in der Region Stuttgart rund 1.900 Stellen sozialverträglich abgebaut werden. Zusätzlich sind die Verträge von rund 2.000 befristeten Angestellten ausgelaufen. Das reicht aber nicht aus: Dieses Programm werden «wir jetzt noch einmal umfassend verschärfen», sagte Leiters. «Ja, und das wird auch weiteren Stellenabbau einschließen.»

In welcher Größenordnung Stellen abgebaut werden sollten, ließ er offen. «Das erfordert Gespräche zwischen den Sozialpartnern und es wäre unfair, wenn wir dem hier heute vorgreifen». Unter seinem Vorgänger wurden bereits im Herbst Gespräche über ein weiteres Zukunftspaket begonnen. Man sei in einem sehr frühen Stadium des Austausches, die er als konstruktiv wahrnehmen, sagte Leiters. Dazu, wann es Ergebnisse geben soll, äußerte er sich ebenfalls nicht. 

Wie geht es weiter bei Porsche?

Insgesamt erwartet Porsche für das laufende Jahr eine etwas bessere Lage, die Ziele sind aber verhalten. Das Management rechnet mit einem Umsatz von rund 35 bis 36 Milliarden Euro, von dem wieder etwas mehr operativer Gewinn übrig bleiben soll. Porsche ging von «sehr herausfordernden Marktbedingungen» aus - und davon, dass sich an der US-Zollpolitik nichts ändern wird. Und die potenziellen Folgen des Iran-Kriegs sind noch gar nicht eingepreist. 

«Aktuell stehen wir bei Porsche vor schwierigen Zeiten», sagte Leiters. Er wolle die Dinge nun durchdringen, um gute Entscheidungen treffen zu können. 
Seine Strategie soll dann in den kommenden Monaten Schritt für Schritt Gestalt annehmen. Die Details will er im Herbst der Öffentlichkeit präsentieren.



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