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11.03.2026 12:21

7,7 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 15 Euro

Einkommen

Berlin (dpa) - Knapp jede und jeder fünfte Beschäftigte hat im vergangenen Jahr unter 15 Euro brutto pro Stunde verdient. Nach den jüngsten Daten waren dies im vergangenen April 7,7 Millionen Beschäftigte (19,3 Prozent), wie eine Antwort der Bundesregierung auf eine Linken-Anfrage zeigt. 

Rund 10 Millionen Beschäftigte verdienen weniger als 16, rund 5 Millionen sogar weniger als 14 Euro. Die von der Regierung angeführte Daten stammen aus der jüngsten Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamtes. Der Sozialverband Deutschland (SoVD) nannte die Zahlen «erschreckend» und warnte vor verschärfter sozialer Ungleichheit.

Unter der Niedriglohnschwelle

Der Linke-Abgeordnete Cem Ince, der die Anfrage gestellt hatte, sagte der Deutschen Presse-Agentur: «Der EU-Mindestlohnrichtlinie zufolge müssten Beschäftigte mindestens 15 Euro pro Stunde verdienen.» Deutlich über 16 Euro müssten es «für ein Mindestmaß an echter Lebensqualität» sein - dies zeigten Studien. «Kein Wunder, dass die Unzufriedenheit im Land groß ist, wenn Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter weniger verdienen», sagte der Politiker. 

Der gesetzliche Mindestlohn liegt in Deutschland derzeit bei 13,90 und soll Anfang 2027 auf 14,60 Euro steigen. Das Statistische Bundesamt hatte die Niedriglohnschwelle im April 2025 mit 14,32 Euro angegeben. Zum Niedriglohnsektor zählen laut offizieller Einordnung Löhne mit weniger als zwei Drittel des mittleren Lohns. Beim mittleren Lohn verdient die eine Hälfte der Beschäftigten mehr und die andere Hälfte der Beschäftigten weniger. 

SoVD-Chefin Michaela Engelmeier forderte einen «armutsfesten Mindestlohn». Der müsse entsprechend der EU-Mindestlohnrichtlinie bei mindestens 60 Prozent des mittleren Lohns liegen. «So stellen wir sicher, dass Arbeit wirklich vor Armut schützt», sagte Engelmeier der dpa. Schon seit längerem fordern Gewerkschaften und Sozialverbände einen Mindestlohn nicht unter 60 Prozent des mittleren Lohns. Sie berufen sich dabei auf die EU-Mindestlohnrichtlinie. Laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung wären schon im vergangenen Jahr 15,12 Euro in Deutschland nötig gewesen, um die 60-Prozent-Schwelle zu erreichen. Dies ergebe sich aus OECD-Berechnungen.

Wo es millionenfach niedrige Löhne gibt

Von Löhnen in den unteren Segmenten sind typischerweise etwa Beschäftigte in Restaurants und Hotels betroffen. Der Regierungsantwort zufolge gab es im Gastgewerbe im vergangenen Jahr über 1,1 Millionen Jobs unter 15 Euro. Aber beispielsweise auch bei Autohandel und -instandhaltung oder wirtschaftlichen Dienstleistungen verdienen viele Beschäftigte nicht mehr.

Überdurchschnittlich hohe Anteile von Niedriglohnbeschäftigten gibt es laut Statistischem Bundesamt auch in Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft und bei Kunst, Unterhaltung und Erholung.

In Westdeutschland hatten rund 6,5 Millionen Menschen Jobs unter 15 Euro - in Ostdeutschland knapp 1,2 Millionen. Rund 4,3 Millionen Betroffene sind Frauen - 3,4 Millionen Männer, wie die Daten weiter zeigen.

«Über miese Bezahlung wird geschwiegen»

Ince warf der Bundesregierung und Unternehmen Druck auf die Beschäftigten vor. «Sie sollen länger arbeiten, schneller wieder gesund werden und jederzeit verfügbar sein. Über die miese Bezahlung wird hingegen geschwiegen.» Ince spielte damit auf jüngste Debatte über die Arbeitsmoral und den Sozialstaat in Deutschland an. Der Linken-Politiker forderte «gute Löhne für alle Arbeitenden, statt leistungsloses Einkommen für die Reichsten».

Engelmeier wies darauf hin, dass gerade Frauen und Beschäftigte in Dienstleistungsbranchen besonders häufig betroffen seien. «Das verschärft soziale Ungleichheit und gefährdet auch die Alterssicherung», sagte sie.



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