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10.03.2026 15:23

EU setzt auf Mini-AKW – Deutschland bleibt skeptisch

Gipfel zur Kernenergie

Paris (dpa) - Die Europäische Union will für eine klimafreundliche und erschwingliche Stromversorgung wieder stärker auf die Kernenergie setzen. Um die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie sowie niedrigere Strompreise für die Bevölkerung sicherzustellen, wolle die EU die Forschung sowie Investitionen in die Kernenergie unterstützen, kündigte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen beim zweiten internationalen Gipfel zur Kernenergie in Boulogne-Billancourt bei Paris an. «In den letzten Jahren erleben wir eine weltweite Renaissance der Kernenergie. Und Europa will an dieser Renaissance teilhaben.»

Während 1990 ein Drittel des europäischen Stroms aus Kernenergie stammte, seien es heute nur noch knapp 15 Prozent, sagte von der Leyen. «Diese Verringerung des Anteils der Kernenergie war eine bewusste Entscheidung, und ich glaube, dass es für Europa ein strategischer Fehler war, einer zuverlässigen, bezahlbaren Quelle für emissionsarmen Strom den Rücken zu kehren.»

Atomstrom soll Zukunftstechnologien antreiben

Sauberer, bezahlbarer Strom sei wichtig für die Lebenshaltungskosten der Bevölkerung und bilde das Fundament für die Industrien der Zukunft wie Robotik und Künstliche Intelligenz, die beide erschwinglichen Strom in Hülle und Fülle benötigten, sagte von der Leyen. Gerade die aktuelle Krise im Nahen Osten zeige, dass es zudem wichtig sei, nicht von Energieimporten abhängig zu sein.

«Deshalb legen wir heute eine neue europäische Strategie für kleine modulare Reaktoren vor. Unser Ziel ist einfach: Wir wollen, dass diese neue Technologie in Europa bis Anfang der 2030er Jahre einsatzbereit ist», sagte von der Leyen. Die kleinen modularen SMR-Reaktoren (auf Englisch «small modular reactor») sollten neben den herkömmlichen Kernreaktoren eine Schlüsselrolle bei einer flexiblen, sicheren und effizienten Energieversorgung spielen.

Um die Entwicklung der Mini-Atomkraftwerke voranzutreiben, sollten Vorschriften über die Grenzen hinweg angeglichen werden, sagte die EU-Kommissionschefin. Außerdem müssten Investitionen mobilisiert werden. «Heute kann ich verkünden, dass wir Investitionen in innovative Kerntechnologien mit einer Garantie in Höhe von 200 Millionen Euro unterstützen werden», sagte von der Leyen. Ziel sei die Verbesserung der Investitionsbedingungen in der europäischen Kernenergieindustrie.

Nuklearbranche sieht Chancen in Mini-Reaktoren

Als SMR-Reaktoren werden Atomkraftwerke bezeichnet, die eine deutlich geringere Leistung haben als herkömmliche Anlagen und deren Komponenten in einer Fabrik in Serie gefertigt werden. Diese kleineren, modularen Reaktoren gelten Befürwortern als Alternative zu herkömmlichen großen Atomkraftwerken und versprechen eine flexiblere und möglicherweise sicherere Energieerzeugung. Derzeit treiben mehrere Länder wie etwa Großbritannien, Tschechien und Polen die Entwicklung der Mini-Atomreaktoren voran. China und Russland haben erste Anlagen in Betrieb genommen.

Die Nuklearbranche argumentiert, dass SMR einfacher zu bauen und kostengünstiger sowie effizienter sein könnten als traditionelle Großkraftwerke. Atomkraftgegner bezweifeln das und befürchten neue Risiken durch eine Vervielfachung der Anlagenzahl, was Kontrollen erschwere. Befürchtet werden auch neuartige radioaktive Abfälle.

Bundesregierung bei Atomkraft uneins

In der Bundesregierung ist das Thema Atomkraft umstritten, wie sich auch an den Reaktionen auf die EU-Pläne zeigte. Bundeskanzler Friedrich Merz sagte, er persönlich teile die Einschätzung von der Leyens, dass die Abkehr von der Atomkraft ein strategischer Fehler gewesen sei. Die Bundesregierungen zuvor hätten entschieden, aus der Kernenergie auszusteigen, sagte der CDU-Chef. «Der Beschluss ist irreversibel. Ich bedauere das, aber es ist so.»

Bundesumweltminister Carsten Schneider indes kritisierte die EU-Pläne zur Förderung der Atomenergie. «Es spricht Bände, dass der Kern dieser rückwärtsgewandten Strategie aus neuen Subventionen für Atomkraftwerke besteht», sagte der SPD-Politiker in Berlin. «Der vor 15 Jahren erreichte Atomkonsens hat unserem Land gutgetan, das sollten wir nicht leichtfertig aufs Spiel setzen.» Schneider meldete erneut Zweifel an den neuen Mini-AKW an. «Diese kleinen Atomkraftwerke werden schon seit Jahrzehnten angekündigt, schaffen aber den Durchbruch nicht und ringen stattdessen um Subventionen.» Aus der Union hatte es dagegen Stimmen gegeben, die sich offen für die Technologie zeigten.



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