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05.03.2026 06:17

Spitzt sich der Eier-Engpass vor Ostern zu?

BONN (dpa-AFX) - Wer dieser Tage Eier kaufen will, muss gelegentlich improvisieren: Die Regale in Supermärkten und Discountern sind teils nicht so gut gefüllt wie gewohnt. Einzelne Sorten fehlen, die Auswahl ist mancherorts eingeschränkt. Auch von einer Eier-Krise ist gelegentlich die Rede. Wie ist die Situation?

Die Branche spricht von einer angespannten, aber stabilen Lage: "Die Situation bleibt aufgrund der Vogelgrippe für die gesamte Branche herausfordernd", sagte beispielsweise ein Sprecher der Rewe Gruppe. Man stehe in engem Austausch mit Lieferanten und sei flexibel aufgestellt, um die Versorgung zu gewährleisten. Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels erklärte, die Versorgung sei wieder stabil.

Kein Notstand, aber spürbare Lücken

Auch Marktexperten sehen keine Krise. "Es gibt keinen Notstand, aber eine Eierknappheit", sagt Margit Beck vom Informationsdienst Marktinfo Eier und Geflügel (MEG). "Die Regale sind nicht leer, man sieht aber Lücken. Teilweise ist die Auswahl kleiner". Grund dafür sei auch die außerordentlich hohe Nachfrage. Zu Ostern könne es schwieriger werden, weil mehr Eier gekauft werden.

Ähnlich ordnet der Vorsitzende des Bundesverbands Ei, Hans-Peter Goldnick, die Situation ein. Der Markt sei nach wie vor sehr knapp versorgt, aber er sei versorgt. Zusätzlichen Druck erzeugten saisonale Effekte: Vor Ostern kaufen demnach auch Färbereien große Mengen Eier, die dem Markt vorübergehend fehlen. Einzelne Sortierungen, also zum Beispiel je nach Haltungsform und Größe, könnten daher auch einmal nicht erhältlich sein. Gravierende Engpässe könne er aber nicht feststellen, sagte er.

Vogelgrippe in Deutschland bremst

Wegen der Vogelgrippe mussten vergangenes Jahr mehrere Hunderttausend Tiere gekeult werden. Der Wiederaufbau der Bestände braucht aber Zeit. Da der Lebensmittelhandel bevorzugt bedient wird, sind Gastronomie und verarbeitende Industrie stärker von der Knappheit betroffen. "Da wird schon mal eine Rezeptur gestreckt und ein Ei weggelassen, weil Eier schwerer zu bekommen sind", sagt Beck.

Das Angebot ist auch durch Veränderungen in der Haltungsstruktur begrenzt. Ende 2025 gingen die letzten Betriebe mit Kleingruppenhaltung aus der Produktion. Diese Eier waren vor allem für die verarbeitende Industrie wichtig. Die fehlenden Mengen müssten ersetzt werden, sagt Charlotte Wilmes von der Landwirtschaftskammer NRW. Dadurch komme es zu veränderten Warenströmen, was den Druck auf dem Markt zusätzlich erhöhe.

Mehr Nachfrage als Produktion

Zwar wurden der MEG zufolge 2025 rund 0,5 Prozent mehr Eier produziert. Die Nachfrage ist aber noch stärker gestiegen. Das wirkt sich auf die Preise aus: Vergangenes Jahr zahlten Kunden im Geschäft im Schnitt 2,02 Euro für 10 Eier aus Bodenhaltung. Derzeit kostet die günstigste Packung vielerorts 2,49 Euro.

Neben Angebot und Nachfrage nennt Beck noch weitere Kostentreiber wie den gestiegenen Mindestlohn, höhere Mautgebühren und Energiekosten. "Viele Betriebe würden gern mehr produzieren. Die ganze Branche klagt darüber, wie schwierig es ist, eine Baugenehmigung zu bekommen." Außerdem seien weniger Eier aus den Niederlanden eingeführt worden.

Die höheren Preise führen bei Verbraucherinnen und Verbrauchern aber nicht zu Zurückhaltung. "Von zehn Eiern bekommt man mehrere Leute satt. Für das Geld gibt es kein Schnitzel. Im Vergleich zu anderen Eiweißlieferanten sind Eier immer noch günstig", sagt Beck. Proteinreiche Ernährung sei derzeit gefragt. Eier profitieren auch davon, dass ihnen nicht mehr das Image anhaftet, eine Cholesterin-Bombe zu sein.

Der langfristige Trend zeigt ohnehin nach oben. Bereits 2024 erreichte der Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland einen Höchststand: Laut vorläufigen amtlichen Zahlen wurden rechnerisch pro Person im Schnitt 249 Eier gegessen - 10 mehr als im Vorjahr. In den Zahlen sind verarbeitete Eier inbegriffen. Für 2025 liegen noch keine endgültigen Daten vor; Experten rechnen aber mit einem weiter steigenden Konsum.

Eier-Abhängigkeit vom Ausland

Der wachsende Bedarf kann nur teilweise aus heimischer Produktion gedeckt werden. Schon 2024 lag der Selbstversorgungsgrad bei 72 Prozent. Mehr als ein Viertel der Eier wird importiert. Wichtigstes Lieferland für Schaleneier waren im vorvergangenen Jahr die Niederlande mit einem Anteil von 76 Prozent.

Dass der Markt unter Druck steht, ist kein rein deutsches Phänomen. Laut einer Analyse von World Egg Organisation und Rabobank steigt die Nachfrage weltweit. Bis 2035 wird mit einem Wachstum des globalen Eiermarktes um 22 Prozent gerechnet./cr/DP/stk



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