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04.03.2026 17:58

ROUNDUP 4: Dieselpreis springt am Morgen über die 2-Euro-Marke

(neu: Statement des Wirtschaftsverbands Fuels und Energie ergänzt.)

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Dieselpreis ist infolge der Verwerfungen des Iran-Krieges auf mehr als zwei Euro geklettert. In der morgendlichen Preisspitze um 7.15 Uhr ermittelte der ADAC einen bundesweiten Durchschnittspreis von 2,054 Euro pro Liter. Im weiteren Verlauf des Vormittags sank er zunächst wieder knapp unter die 2-Euro-Marke.

Auch Superbenzin der Sorte E10 legte deutlich zu und kostete in der morgendlichen Spitze 1,995 Euro pro Liter. Der Anstieg fiel aber nicht ganz so stark aus wie beim Dieselpreis, der dem ADAC zufolge deutlich sensibler auf Krisen reagiert. Beide Preise lagen am Vormittag aber klar höher als zum gleichen Zeitpunkt des Dienstags.

Die Bundesregierung plant nach den Worten von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche keine Spritpreisbremse zur Entlastung von Autofahrern vor dem Anstieg der Benzinpreise. "Das steht nicht auf der Agenda", sagte die CDU-Politikerin in München.

Tagesdurchschnittspreise steigen ebenfalls stark

"Bei Diesel geht auch der Tagesdurchschnittspreis in Richtung 2 Euro", sagt der ADAC-Kraftstoffmarktexperte Christian Laberer. "Ob er dann über oder unter diesem Wert liegt, kann man jetzt noch nicht sagen. E10 bleibt sicher darunter, hier könnte es auf 1,93 bis 1,94 Euro pro Liter hinauslaufen. Beides wäre deutlich mehr als noch gestern."

Schon am Montag und Dienstag war der Spritpreis schnell gestiegen. Der bundesweite Tagesdurchschnittswert, der die starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht und dadurch auf lange Sicht besser vergleichbar ist, lag am Dienstag bei 1,897 Euro für einen Liter E10 und bei 1,917 Euro für einen Liter Diesel. Schon das waren 12,1 und 17,7 Cent mehr als am Freitag.

Dass Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als 2 Euro kostete, war zuletzt im November 2022 passiert, bei E10 zuletzt im September 2022 - beides waren Folgen des Ukrainekrieges.

ADAC hält Preise für zu hoch

Eine ADAC-Sprecherin kritisierte die Preissteigerungen als unverhältnismäßig hoch. Die Mineralölwirtschaft gebe den gestiegenen Rohöl-Preis an die Verbraucher weiter, noch bevor die Kosten angefallen seien, denn die Tanklager seien noch mit zu niedrigeren Preisen erworbenen Kraftstoffen gefüllt. In der Vergangenheit seien die Spritpreise fallenden Rohölpreisen nicht so schnell gefolgt.

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie verwies auf deutlich gestiegene Einkaufskosten. "Allein von Samstag, dem letzten Vorkrisentag, bis Dienstag ist der Produktpreis für Diesel in Rotterdam um 19 Cent je Liter oder um gut ein Drittel teurer geworden. Das ist der Betrag, den die Tankstellen in Deutschland im Einkauf jetzt schon mehr bezahlen müssen, um weiterhin mit Kraftstoff beliefert zu werden", teilte der Verband mit. Daher stiegen auch die Verbraucherpreise deutlich, wenn auch nicht im selben Ausmaß.

Das Bundeskartellamt spricht in diesem Zusammenhang vom Rakete-und-Feder-Effekt. Diesen habe es auch jetzt im Blick, heißt es von der Behörde. Ihr Chef, Andreas Mundt, rät in der aktuellen Lage - wie übrigens auch der ADAC - dazu, die Preise genau zu vergleichen. Alte Faustregeln, wie dass es sich am Abend am günstigsten tanke, gälten derzeit nur eingeschränkt oder gar nicht mehr. Auch der ADAC rät zum Vergleich. Je nach Tankstelle kann es große Abweichungen zum Durchschnittspreis geben. So gab es auch am Morgen noch viele Tankstellen, an denen Diesel noch unter 2 Euro pro Liter zu haben war.

ADAC-Experte Laberer hält den aktuellen E10-Preis im Verhältnis zu Rohöl und Dollarkurs für zu hoch. Bei Diesel kämen noch andere Faktoren hinzu. Solange die aktuelle Krise anhalte, werde Diesel aber wohl teurer bleiben als E10. Normalerweise ist Diesel wegen niedrigerer Steuern der günstigere Kraftstoff. Sobald sich die Lage aber beruhige und der Ölpreis sinke, müsse dies "zügig an die Verbraucher weitergegeben werden - die Spritpreise also deutlich sinken", sagt Laberer.

Keine Versorgungsengpässe zu erwarten

Seit der Konflikt im Nahen Osten am Samstag eskaliert ist, steigen die Preise für Öl und in der Folge auch für Sprit und Heizöl. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Straße von Hormus. Durch dieses Nadelöhr vor der Küste des Irans fährt rund ein Fünftel der globalen Öltransporte. Jede Störung dort kann die Energiepreise steigen lassen und der Iran hat den Schiffsverkehr als Reaktion auf die Angriffe eingeschränkt.

Der Ölpreis ist - zusammen mit dem Dollarkurs - der wichtigste Treiber für Veränderungen beim Spritpreis. Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie wies auch darauf hin, dass der Nahe Osten derzeit auch als Lieferant von fertigem Kraftstoff - insbesondere Diesel teilweise ausfalle.

Die Versorgung Deutschlands mit Öl und Gas ist laut Wirtschaftsministerin Reiche aber nicht gefährdet. "Wir sehen keine Knappheiten bei Öl", sagte sie. "Im Gasmarkt sehen wir auch keine physischen Knappheiten." Auch der Wirtschaftsverband Fuels und Energie äußerte sich ähnlich. Deutschland beziehe sein Rohöl aus rund 30 Ländern. Hauptlieferländer sind demnach Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.

ADAC: Tankrabatt prüfen

Angesichts der stark gestiegenen Preise hat der Verkehrsclub auch seine bisher eher kritische Position zu einem Tankrabatt angepasst. Die Politik müsse zeitnah eine vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen, um die Zusatzbelastungen der Autofahrer für die Dauer der Krise zu begrenzen, sagte eine Sprecherin. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für circa 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.

Zu Beginn des Ukraine-Krieges hatte es schon einmal eine Spritpreisbremse gegeben. Damals wurde sie von Kritik begleitet, dass die Mineralölindustrie den Steuervorteil nur teilweise an die Verbraucher weitergegeben habe.

Koalition setzt Taskforce ein

Die Koalitionsfraktionen im Bundestag nehmen die steigenden Preise für Sprit und Energie verstärkt in den Blick und setzen eine Arbeitsgruppe dazu ein. Darauf verständigten sich die Vorsitzenden Jens Spahn (CDU) und Matthias Miersch (SPD) sowie CSU-Landesgruppenchef Alexander Hoffmann, wie die Deutsche Presse-Agentur erfuhr. Ziel der Taskforce solle sein, im engen Austausch mit der Regierung die Entwicklung zu analysieren und Handlungsmöglichkeiten zu prüfen.

Reiche sagte: "Wir müssen beobachten, wie lange die Kriegshandlungen andauern und werden dann mit Krisenmechanismen, die wir selbstverständlich in unserem Portfolio haben und ziehen können, reagieren. Dazu ist aber jetzt kein Anlass." Welche Art von Krisenmechanismen möglich sind, wollte Reiche nicht sagen. Die Wirtschaftsministerin verwies darauf, dass die Bundesregierung die im letzten Sommer während der damaligen vorübergehenden Sperrung der Straße von Hormus tätige Taskforce wieder eingesetzt und die Krisenstäbe aktiviert habe./ruc/DP/jha



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