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04.03.2026 15:16

ROUNDUP 2: Redcare enttäuscht auf ganzer Linie - Aktie im Sinkflug

(neu: Kurs, Analystin, Langfristziel, Aufsichtsratswahl)

SEVENUM (dpa-AFX) - Die Online-Apotheke Redcare Pharmacy (Shop Apotheke) hat im vergangenen Jahr operativ etwas weniger verdient als gedacht. Auch die Erwartungen des Managements um Unternehmenschef Olaf Heinrich an 2026 sind nicht gerade überschwänglich: So dürfte sich das Umsatzwachstum deutlich verlangsamen. Zudem wurde das mittelfristige Margenziel gesenkt. An der Börse sorgten Zahlen und Prognosen am Mittwoch für lange Gesichter.

Die im MDax notierte Aktie fiel prozentual zweistellig auf den tiefsten Stand seit Anfang 2023 zurück, am Nachmittag betrug das Minus noch 18,6 Prozent auf 48,40 Euro. Der bisherige Jahresverlust vergrößerte sich damit auf mehr als ein Viertel. Tendenziell ist der Kurs schon seit einem Zwischenhoch im November 2024 bei gut 171 Euro im Abstiegsmodus, seitdem hat die Aktie rund 70 Prozent an Wert eingebüßt. Auf noch größeren Verlusten sitzen Anleger, die in der Corona-Hochphase Anfang 2021 zum Rekord bei 249 Euro eingestiegen sind.

Die Ziele für 2026 enttäuschten über alle Kennziffern hinweg und lägen um fast ein Fünftel unter dem Marktkonsens, bemängelte Jefferies-Analyst Martin Comtesse. Zudem sei im Schlussquartal 2025 offenbar das starke Wachstum bei den verschreibungsfreien Produkten zulasten der Margen gegangen. Damit habe der Konzern 2025 nur das untere Ende seiner eigenen Profitabilitätsziele erreicht.

Laut Expertin Sarah Roberts von der britischen Bank Barclays bedeuten die Ziele für 2026 immensen Korrekturbedarf für die Konsensschätzungen. Sie hob neben den Erlösen mit verschreibungspflichtigen auch enttäuschende Umsätze mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten hervor. Dies untermauere im frei verkäuflichen Bereich die Bedenken hinsichtlich des Wettbewerbs in Deutschland.

Auch Baader-Experte Volker Bosse bezeichnete vor allem den Umsatzausblick für das Deutschland-Geschäft mit rezeptpflichtigen Medikamenten als schwach. Hier habe er sich 2026 ein doppelt so starkes Wachstum erhofft, als der Konzern nun prognostiziere.

Seine Ziele für 2026 hatte das Unternehmen bereits am Vorabend präsentiert. Sowohl beim Wachstum als auch der Profitabilität liegen sie unter den Erwartungen von Analysten. "Wir bauen Jahr für Jahr die Basis für ein wachstumsstarkes und profitableres Geschäft weiter aus", sagte Redcare-Chef Heinrich laut Mitteilung in Sevenum. "Mit unseren Investitionen in Automatisierung und Kapazitätserweiterung werden wir unsere Wettbewerbsposition weiter stärken."

Laut Redcare dürfte der Erlös in diesem Jahr weitaus weniger wachsen als 2025. So rechnet die Online-Apotheke mit einem Umsatzplus von 13 bis 15 Prozent, das ergibt rechnerisch einen Umsatz von maximal knapp 3,4 Milliarden Euro. Getragen werde dieses Wachstum vor allem von einer weiteren Expansion im Geschäft mit verschreibungspflichtigen Mitteln, hieß es. Dagegen dürften sich rezeptfreie Produkte auf einem im Vergleich geringeren Wachstumsniveau von "über 8 Prozent" stabilisieren.

Die Profitabilität soll aber ähnlich stark ansteigen wie 2025: Der Vorstand peilt für 2026 eine bereinigte operative Gewinnmarge (bereinigte Ebitda-Marge)von mindestens 2,5 Prozent an, nachdem diese im vergangenen Jahr um 0,6 Prozentpunkte auf 2,0 Prozent angezogen war. "Gleichzeitig sind wir auf dem besten Weg, mittelfristig eine bereinigte Ebitda-Marge von 5 Prozent zu erreichen", sagte Finanzvorstand Hendrik Krampe. Zuvor hatte sich Redcare allerdings noch eine bereinigte Marge von 8 Prozent zugetraut. Langfristig soll die Profitabilität auf über 8 Prozent steigen.

Im vergangenen Jahr hatte Redcare erneut insbesondere vom anziehenden Geschäft mit elektronischen Rezepten in Deutschland profitiert. Sein Ergebnis konnte der Konzern dabei deutlich verbessern, Skaleneffekte und ein genauer Blick auf die Kosten halfen - die Kostenquoten für Vertrieb und Verwaltung verbesserten sich.

Der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) sei um 72 Prozent auf etwas mehr als 57 Millionen Euro gestiegen, teilte das Unternehmen mit. Von Bloomberg befragte Experten hatten mit einem besseren Ergebnis gerechnet.

Der Umsatz kletterte - wie bereits bekannt - um rund ein Viertel auf 2,94 Milliarden Euro, wobei das Geschäft mit nicht verschreibungspflichtigen Medikamenten sich nach damaligen Angaben in einigen Märkten "verhalten" entwickelt hatte. Die Erlöse mit rezeptpflichtigen Medikamenten stiegen hingegen erstmals über eine Milliarde Euro.

Ferner kündigte Redcare einen Wechsel im Aufsichtsrat an. Anja Hendel, Max Müller und Peter Schmid von Linstow wurden für das Gremium als Mitglieder nominiert. Die Wahl zum Aufsichtsrat soll im Rahmen der Hauptversammlung am 15. April erfolgen. Dabei wird Michael Köhler die Nachfolge von Björn Söder antreten, der seit 2021 Vorsitzender des Aufsichtsrats gewesen ist. Söder scheidet zusammen mit den bisherigen Aufsichtsratsmitgliedern Jérôme Cochet und Jaska de Bakker aus./tav/zb/err/jha/



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