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03.03.2026 16:15

Was der Krieg für Verbraucher und Wirtschaft bedeutet

Preise und Konjunktur

München (dpa) - Der Iran-Krieg hat auch für die deutschen Verbraucher und die Wirtschaft Folgen. Manche direkt, andere dürften sich erst über die Zeit bemerkbar machen. Und nicht alle sind negativ. Ein Überblick.

An der Tankstelle wird es teurer

An der Zapfsäule schlagen die Folgen unmittelbar und immer kräftiger durch: Von Freitag bis Montag war Sprit laut ADAC bereits um 6 bis 7 Cent pro Liter teurer geworden, am Dienstagnachmittag stieg der Preisabstand: Um 14.30 lag der bundesweite Durchschnittspreis bei Diesel um fast 18, bei Superbenzin der Sorte E10 um fast 12 Cent höher als am Freitag zu dieser Zeit. Diesel überholte E10, obwohl es normalerweise wegen niedrigerer Steuern billiger ist. Sein Preis gilt aber als krisensensibler. 

Die Auswirkungen für die Verbraucher sind dabei zwar schnell zu spüren, halten sich aber in Grenzen: Legt man jeweils durchschnittliche Fahrleistungen und Verbräuche zugrunde, bedeutet ein um 12 Cent gestiegener Spritpreis für den Fahrer eines typischen Benziners pro Monat knapp 10 Euro Mehrbelastung. Für einen typischen Diesel bedeuten 18 Cent pro Monat weniger als 20 Euro. 

Preise für Heizöl und Gas steigen

Auch Heizöl und Gas sind teurer geworden. Die Seite Heizoel24 gab den Preis für 100 Liter Heizöl am Dienstagvormittag zeitweilig mit mehr als 128 Euro an. Noch am Freitag waren es deutlich unter 100 Euro. Dieser Anstieg trifft allerdings nur Menschen, die aktuell kaufen müssen, weil beispielsweise ihr Tank leer ist oder deren Vermieter aktuell Öl kauft. Andere können darauf hoffen, dass die Preise wieder sinken, bevor sie für sie relevant werden. 

Auch der Gaspreis stieg deutlich: An der Börse in Amsterdam lag er am Dienstagmorgen zeitweise um 30 Prozent über dem Vortag, an dem er bereits kräftig gestiegen war. Er erreichte damit den höchsten Wert seit mehr als drei Jahren. Hauptgrund ist ein Lieferstopp von Flüssigerdgas (LNG) aus dem wichtigen Förderland Katar. Verbraucher bekommen das wegen langfristiger Lieferverträge nicht direkt zu spüren. Ob und wie stark die Preise für die Haushalte steigen, hängt stark davon ab, ob die Großhandelspreise länger hoch bleiben. 

Keine Versorgungsengpässe

Treiber des aktuellen Anstiegs bei Heizöl und Sprit ist der Ölpreis. Er reagiert besonders empfindlich, weil der Iran-Krieg die Straße von Hormus betrifft, eine der wichtigsten Engstellen des weltweiten Öltransports. 

Der Wirtschaftsverband Fuels und Energie betont allerdings: «Versorgungsengpässe sind nicht zu befürchten, weder bei Benzin und Diesel, noch bei Heizöl oder Flugkraftstoff. Die Belieferung mit Kraft- und Brenn- und Treibstoffen ist sicher.» Das liegt unter anderem daran, dass Deutschland Rohöl aus rund 30 Ländern beziehe. «Hauptlieferländer sind Norwegen, die USA, Libyen, Kasachstan und Großbritannien.» Kritik an den steigenden Preisen weist ein Sprecher zurück. Man sei nicht für den Nahostkonflikt verantwortlich, «der die globalen Ölpreise und die europäischen Produktpreise für Benzin und Diesel steigen lässt».

 

Inflation könnte steigen

All die steigenden Preise könnten sich auch bei der Inflation bemerkbar machen. «Dauert der Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus nur wenige Wochen, dann wird die Inflation wegen des gestiegenen Ölpreises nur vorübergehend ein wenig zulegen», sagt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Zöge sich der Krieg wider Erwarten aber Monate hin, würde der Ölpreis weiter steigen und mit ihm die Inflation in der Eurozone «schätzungsweise auf mindestens 3 Prozent». 

Die Öl- und Gaspreise machen sich zudem nicht nur direkt bei Tanken und Heizen bemerkbar, sondern auch an anderen Stellen, weil sie beispielsweise Rohstoffe, Energie oder Transport für andere Produkte verteuern.

Aktien sinken

Auch beim Blick ins eigene Depot bekommen die Deutschen den Krieg zu spüren, weil die meisten Aktien an Wert verlieren. Der deutsche Aktienindex Dax fiel am Dienstagmorgen auf den niedrigsten Stand seit Dezember. Auch andere Börsen sind unter Druck. Schon am Montag war es nach unten gegangen. 

Dauert der Krieg länger, leidet die Konjunktur

Auch für die angeschlagene deutsche Wirtschaft birgt die Eskalation im Nahen Osten Gefahren. Bleibe es bei einem kürzeren Konflikt, seien die wirtschaftlichen Folgen begrenzt, meint Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der Liechtensteiner VP Bank. Das Risiko läge in einem deutlichen Ölpreisanstieg bei einem länger andauernden Konflikt. «In diesem Falle wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant.»

Berechnungen der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigten, dass ein Ölpreisanstieg um 10 Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drücke, sagt Gitzel. Das wäre für die deutsche Wirtschaft, die nach Einschätzung der Bundesregierung dieses Jahr um ein Prozent wachsen dürfte, bereits schmerzhaft. 

Regierungswechsel im Iran gleich Wachstum in Deutschland?

Gabriel Felbermayr, Chef des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung, der als künftiger «Wirtschaftsweiser» gehandelt wird, sieht neben den kurzfristigen negativen Effekten auch Chancen, wie er in der «Welt» erklärt. «Wenn es wirklich so käme, dass die Mullahs im Iran Geschichte werden und Iran wieder ein vollwertiges Mitglied der Weltgemeinschaft, wäre das für Europa und die Welt attraktiv.»

Dies gelte «nicht nur, weil Gas und Erdöl günstiger würden, sondern weil Iran ein großes Land mit rund 90 Millionen, überwiegend gut ausgebildeten Einwohnern ist». Dort gebe es ein gewaltiges wirtschaftliches Aufholpotenzial. Das sei etwa für den deutschen Maschinenbau eine echte Chance. In Zahlen ausgedrückt: «Ein Regimewechsel im Iran kann das deutsche Wirtschaftswachstum um 0,5 Prozent beschleunigen.»



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