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06.02.2026 23:31

Italien feiert Olympia-Eröffnung als knallbunte Oper

Winterspiele in Italien

Mailand (dpa) - Olympia als ganz große Oper: Mit einem dreistündigen Spektakel in buntesten Farben haben die 25. Olympischen Winterspiele von Mailand und Cortina d'Ampezzo begonnen. Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella erklärte die Spiele um 22.51 Uhr feierlich für eröffnet. Damit sind die Wettbewerbe nach einer Pause von 20 Jahren wieder zurück in den Alpen. Bis zum Sonntag in zwei Wochen kämpfen 2.900 Athletinnen und Athleten aus mehr als 90 Ländern um Gold, Silber und Bronze.

Im legendären Fußballstadion San Siro von Mailand verfolgten 67.000 Zuschauer die Eröffnungsshow mit der üblichen Parade der Athleten. Parallel dazu wurde erstmals an gleich drei weiteren Orten gefeiert - in Cortina, der zweiten Gastgeberstadt, sowie Predazzo und Livigno. Den größten Applaus gab es fürs italienische Team. Pfiffe kamen auf, als Israels Team ins Stadion kam und auch, als US-Vizepräsident JD Vance groß auf dem Bildschirm gezeigt wurde.

Für Carey ist «ein absoluter Traum ist wahr geworden»

Zum Auftakt bot Italien vieles auf, für das es weltweit bekannt ist: Opern-Legenden wie Giuseppe Verdi und Giacomo Puccini als Pappmaché-Figuren, den Kinderbuch-Helden Pinocchio ebenso wie Paparazzi. Mehrere Dutzend Models trugen Kostüme in den Nationalfarben, die der verstorbene Modemacher Giorgio Armani noch kreiert hatte.

Zur Begeisterung des Stadionpublikums sang US-Popdiva Mariah Carey einen Klassiker italienischen Liedguts auf Italienisch: «Nel blu, dipinto di blu», besser bekannt als «Volare». «Ein absoluter Traum ist wahr geworden: Ich durfte bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele 2026 in Mailand-Cortina auf Italienisch auftreten! Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben. Nichts ist unmöglich!», schrieb sie anschließend auf Instagram. Die Nationalhymne trug die Italienerin Laura Pausini vor. Bei der Parade der Athleten wechselte der DJ auf Techno.

Die Eröffnungsfeier unter dem Motto «Armonia» (Harmonie) sollte den dezentralen Charakter der Spiele widerspiegeln: Zum ersten Mal in der Olympia-Geschichte gibt es zwei Gastgeberstädte. Die Wettbewerbe gehen sogar in sieben verschiedenen Orten im Norden Italiens über die Bühne. Weiter waren die Entfernungen bei Winterspielen noch nie. Die mehrstündigen Fahrtwege stellen alle auf die Probe, auch die Athleten.

Erstmals zwei olympische Feuer

Erstmals brennen bis zum Ende der Spiele am 22. Februar zwei olympische Feuer - eines am Arco della Pace (Friedensbogen) in der Innenstadt von Mailand und eines auf der Piazza Dibona in Cortina. In dem Nobel-Skiort gab es vor 70 Jahren schon einmal Olympia - der Auftakt für den Aufstieg des Bergdorfs zur «Königin der Dolomiten». Entzündet wurden die olympischen Flammen von italienischen Alpin-Legenden: den Olympiasiegern Deborah Compagnoni und Alberto Tomba und Mailand sowie Sofia Goggia in Cortina, wo sie am Sonntag in der Abfahrt startet.

Die deutschen Fahnenträger Katharina Schmid und Leon Draisaitl traten ebenfalls an verschiedenen Orten auf. Skispringerin Schmid, die schon am Samstag auf der Normalschanze ihren ersten Wettkampf bestreitet, übernahm ihre Rolle in Predazzo und hatte sichtlich Spaß, als sie sich schwungvoll mit der Fahne zu ihren Teamgefährten umdrehte. «Es war mega-mega-cool, ich habe mich so gefreut. Es war ein ganz besonderer Moment, der wird für immer bleiben», sagte Schmid.

Eishockey-Superstar Draisaitl - erst kurz vor der Eröffnung gelandet - führte einen anderen Teil des Teams in die Mailänder Arena. «Das ist auf jeden Fall ein Moment, den ich niemals vergessen werde - wahrscheinlich der größte in meinem Leben bis jetzt», sagte der 30-Jährige. 

Auftritte von Mariah Carey und Andrea Bocelli

Für die Eröffnung hatten sich 130 der insgesamt 185 deutschen Olympia-Teilnehmer angekündigt. So groß war ein deutsches Team bei Winterspielen noch nie. «Mein Eindruck aus den ersten Tagen in Italien ist, dass unser Team D voller Vorfreude und absolut bereit ist, das Beste aus sich herauszuholen und unsere Sportnation würdig zu vertreten», sagte Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes.

Die deutsche Delegation kam als 32. von 92 Teilnehmernationen ins Stadion. Wie oft schon stieß das Team-Outfit - ein übergroßer schwarzer Poncho mit Fischerhut - auf ein geteiltes Echo. Während die Mode unter den Athleten durchaus positiven Anklang fand, meinte Modeschöpfer Harald Glööckler zur Deutschen Presse-Agentur: «Was einem hier geboten wird, ist weder innovativ noch erfrischend neu - geschweige denn ansprechend.» 

Begrüßt wurden die Deutschen im San Siro trotzdem mit viel Applaus. Und immerhin waren die deutschen Teilnehmer in Mailand tatsächlich zu sehen: Von vielen Nationen wurde nur das Namensschild ins Stadion getragen - die Athleten waren anderswo.

Der erste Teil der Show fand schon vor der Athletenparade statt, mit internationalen Musikstars aus Klassik und Pop. Neben Mariah Carey und Laura Pausini standen Andrea Bocelli, Cecilia Bartoli und der Pianist Lang Lang auf der Besetzungsliste. Star-Tenor Bocelli sang die weltberühmte Arie «Nessun dorma» aus der Puccini-Oper Turandot, bevor die olympische Fackel ins Stadion kam.

US-Vize Vance auf der Ehrentribüne

Auf der Tribüne saß neben der neuen IOC-Chefin Kirsty Coventry - Nachfolgerin des Deutschen Thomas Bach an der Spitze des Internationalen Olympischen Komitees - einiges an politischer Prominenz. US-Vizepräsident JD Vance hatte seine Familie und Außenminister Marco Rubio dabei. Vance wurde beim Einlauf des US-Teams hörbar ausgebuht, als sein Bild auf der Video-Leinwand erschien.

Insgesamt waren etwa 50 Staats- und Regierungschefs angekündigt. Deutschland wurde durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vertreten. 

6.000 zusätzliche Sicherheitskräfte bei Olympia

Vorab gab es Ärger über die Umstände des Besuchs der US-Delegation. Um den Schutz der Offiziellen kümmern sich auch Beamte der US-Einwanderungspolizei ICE, die wegen ihres teils brutalen Vorgehens gegen Migranten in den Vereinigten Staaten in der Kritik steht. Am Eröffnungstag demonstrierten Hunderte in Mailand friedlich gegen deren Anwesenheit. Aus Sorge vor Anschlägen und Störaktionen hat Italien während der Spiele mehr als 6.000 zusätzliche Sicherheitskräfte im Einsatz. 

Mit «Milanocortina» steigen 20 Jahre nach Turin 2006 die Winterspiele wieder in den Alpen. Die Hoffnung ruht darauf, dass mit der Rückkehr von Winter-Olympia in die Alpen wieder mehr Stimmung aufkommt. Die vorigen Spiele von Sotschi (Russland), Pyeongchang (Südkorea) und Peking (China) hatten in dieser Hinsicht nicht alle Erwartungen erfüllt. 2030 sind die Spiele wieder in den Alpen: in Frankreich.



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