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20.01.2026 18:00

EU-Kommission will Huawei und ZTE aus Netzen verbannen

Cybersicherheit

Straßburg/Brüssel (dpa) - Die EU-Kommission will umstrittene Anbieter von Netzwerktechnik künftig in Deutschland und anderen EU-Staaten verbieten können. Bei dem Vorschlag dürfte es insbesondere um chinesische Technologiefirmen wie Huawei und ZTE gehen. Hintergrund ist die Sorge vor Sabotage und Spionage durch Drittstaaten. 

Mit einer entsprechenden Rechtsgrundlage soll die EU-Kommission in letzter Instanz untersagen können, Technik besonders risikobehafteter ausländischer Unternehmen zu nutzen, wie aus einem Gesetzesvorschlag hervorgeht. In dem Entwurf der Kommission werden weder Unternehmen noch Länder genannt. 

Seit Jahren nachdrücklich wiederholte Empfehlungen der Europäischen Kommission an die EU-Länder, Technik von Huawei und ZTE aus Sicherheitsgründen nicht in ihren Mobilfunknetzen zu verwenden, könnten dadurch verpflichtend werden. Aus Sicht der Behörde schließen bislang zu wenig Länder die beiden Hersteller beim Betrieb von 5G-Mobilfunknetzen aus.

2023 hieß es aus der EU-Kommission, von den Herstellern ZTE und Huawei gingen wesentlich höhere Risiken aus als von anderen 5G-Anbietern. Spanien schloss im vergangenen Jahr zunächst dennoch einen millionenschweren Vertrag mit Huawei ab, was die zuständige Vizepräsidentin der EU-Kommission Henna Virkkunen kritisierte.

Huawei und ZTE in deutschen Mobilfunknetzen viel verbaut 

Seit der Einführung der 4. Mobilfunk-Generation vor rund 15 Jahren bildeten Huawei und ZTE das Rückgrat der deutschen Mobilfunknetze (Telekom, Vodafone und vor allem O2 Telefónica). Die beiden chinesischen Ausrüster boten moderne Technologie zu Preisen an, mit denen europäische Konkurrenten wie Ericsson oder Nokia kaum mithalten konnten. 

Der Einsatz der ausländischen Technik geriet in den vergangenen Jahren jedoch wegen vermuteter Sicherheitsrisiken und potenzieller Einflussnahme durch China immer stärker in die Kritik.

Während des Handelskriegs zwischen den USA und China wuchs die Sorge vor Spionage und Sabotage. So wurde befürchtet, dass Inhalte abgehört oder Netze aus der Ferne abgeschaltet werden könnten. Nach jahrelangem Ringen einigte sich in Deutschland im Sommer 2024 das Bundesinnenministerium mit den Netzbetreibern. Demnach dürfen in 5G-Kernnetzen bis spätestens Ende 2026 keine Komponenten von Huawei und ZTE mehr eingesetzt werden. Auf Funkmasten kann noch bis Ende 2029 chinesische Technik verwendet werden.

Verbote in anderen Bereichen kritischer Infrastruktur möglich 

Konkret würde der nun von der EU-Kommission vorgeschlagene Mechanismus es den Brüsseler Netzwächtern erlauben, zusammen mit den Mitgliedstaaten eine Risikobewertung für bestimmte Hersteller zu veranlassen. Wird ein Anbieter als zu risikobehaftet gesehen, könnte die Kommission ihn in einem letzten Schritt auf eine entsprechende Verbotsliste setzen. 

Technik von Herstellern auf dieser Liste dürfte dann nicht mehr in der kritischen Infrastruktur von EU-Ländern verbaut werden, bestehende Komponenten müssten nach dem Vorschlag binnen drei Jahren ersetzt werden.

Komponenten nicht nur im Mobilfunk weit verbreitet

Die Bedenken von Experten gegen den Einsatz von Technik aus China betreffen nicht nur den Mobilfunk. Auch in anderen Bereichen der kritischen Infrastruktur, etwa der Bahn, im Energiesektor oder in städtischen Netzen wurden jahrelang Geräte von Huawei oder ZTE verbaut. 

So ist Huawei etwa Weltmarktführer bei Wechselrichtern für Solaranlagen. Diese smarten Geräte sind ans Netz angeschlossen. Hier befürchten manche Experten ein spezielles Bedrohungsszenario: Wenn ein feindlicher Akteur Tausende dieser Wechselrichter gleichzeitig abschalten oder manipulieren könnte, wäre die Stabilität des Stromnetzes gefährdet.

Auch hier könnte die EU-Kommission dem Gesetzesvorschlag nach zukünftig tätig werden und Hersteller, die ihrer Ansicht nach mit Sicherheitsrisiken verbunden sind, prüfen und ausschließen. 

Bevor die Vorschläge der EU-Kommission umgesetzt werden und die Brüsseler Behörde damit tatsächlich weitreichendere Befugnisse bekommt als bisher, müssen sich das Europaparlament und die EU-Staaten noch mit den Ideen auseinandersetzen. Sie können dabei auch Änderungsvorschläge machen. 

EU-Agentur für Cybersicherheit soll bei Abwehr helfen

Die EU-Kommission will zudem die EU-Cybersicherheitsagentur ENISA mit mehr Befugnissen aufrüsten - und ihr damit auch mehr Aufgaben zu geben. So soll die Agentur mit Sitz in Griechenland etwa gemeinsam mit den nationalen Behörden sogenannte Ransomware-Attacken abwehren. Ransomware ist Schadsoftware, die Daten und Systeme verschlüsselt und erst gegen Zahlung eines Lösegelds wieder freigibt. 

Wie folgenreich solche Cyberangriffe für die Menschen in Europa sein können, hatten zuletzt etwa die zahlreichen Ausfälle und Verspätungen an mehreren europäischen Flughäfen im September des vergangenen Jahres gezeigt. Nachdem ein IT-Dienstleister mit einer Schadsoftware angegriffen wurde, kam es an Flughäfen in Berlin, Brüssel, Dublin und London Heathrow tagelang zu Problemen bei der Passagier- und Gepäckabfertigung.

Zusammen mit den Mitgliedstaaten soll ENISA zudem Schwachstellen in der Cybersicherheit identifizieren und zusätzliche EU-weite Standards festlegen. Für ihre neue Verantwortung bekommt die Agentur den Plänen der EU-Kommission nach dann etwa 100 neue Mitarbeitende zusätzlich sowie deutlich mehr Geld. Auch mit diesen Vorschlägen der Kommission müssen sich das Europaparlament und die EU-Staaten noch befassen.



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