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01.01.2026 15:35

ROUNDUP: 42 Krankenkassen erhöhen Beiträge - Millionen zahlen mehr

BERLIN (dpa-AFX) - Millionen Krankenversicherte zahlen mit dem neuen Jahr mehr. 42 von 93 gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland haben zum Jahreswechsel die Beiträge erhöht. Im Schnitt stieg der sogenannte Zusatzbeitrag, den die Kassen selbst erheben können, um 0,23 Prozentpunkte auf 3,36 Prozent des beitragspflichtigen Einkommens an. Das geht aus täglich aktualisierten Daten des Spitzenverbandes der Krankenkassen (GKV) hervor.

Versicherte haben dadurch etwas weniger Netto vom Brutto, Arbeitgeber mehr Kosten, da sie die Hälfte der Beiträge tragen. Die Regierung hat für das neue Jahr Reformen angekündigt, um den immerwährenden Anstieg zu bremsen.

Beitragssätze werden tagesaktuell veröffentlicht

Am letzten Tag des alten Jahres lag der durchschnittliche Zusatzbeitragssatz noch bei 3,13 Prozent, wie ein Abgleich mit den Werten vom Vortag zeigt. Die Bandbreite reicht aktuell von 2,18 bis zu 4,39 Prozent. 48 Kassen nahmen demnach keine Beitragsanhebung vor, zwei Kassen senkten ihre Zusatzbeiträge. Zu einer Kasse liegen keine Daten vor. Seit dem Jahreswechsel gibt es nunmehr 93 statt wie zuvor 94 gesetzliche Kassen. Grund ist eine Fusion der Siemens-Betriebskrankenkasse mit der BKK Voralb.

Sparpaket aus Kassensicht zu klein

Der Plan der Bundesregierung war es, die Zusatzbeiträge zur Krankenversicherung kurzfristig stabil zu halten. Dafür hatte der Bundesrat vor Weihnachten noch ein Sparpaket verabschiedet, das vor allem Kosten in Kliniken bremsen soll. Einige große Kassen hatten trotzdem Beitragserhöhungen zum Jahreswechsel angekündigt. Sie halten das Sparpaket für zu klein.

Der Zusatzbeitrag kommt zum feststehenden und für alle gültigen Krankenkassenbeitragssatz von 14,6 Prozent hinzu und wurde einst eingeführt, um Wettbewerb zwischen den Kassen zu fördern. Am Ende kann jede Krankenkasse für sich entscheiden, ob und wie stark sie ihn anhebt. Versicherte haben bei einer Erhöhung ein Sonderkündigungsrecht und können zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Die Erhöhungen werden vorher per Brief angekündigt.

Weniger Netto vom Brutto, aber auch Entlastungen

Die errechneten Durchschnittswerte berücksichtigen nicht, wie viele Versicherte bei jeder Kasse sind und sagen deshalb nur bedingt etwas darüber aus, wie hoch der Zusatzbeitrag im Schnitt für einen typischen Versicherten ist.

Bei einem Bruttoeinkommen von 3.000 Euro würde ein Anstieg des Zusatzbeitrags um 0,23 Prozentpunkte etwa 3,50 Euro weniger netto im Monat bedeuten. Gutverdiener werden im neuen Jahr zudem durch eine turnusgemäße Anhebung der sogenannten Beitragsbemessungsgrenzen mit höheren Renten- und Krankenkassenbeiträgen stärker belastet als im alten Jahr.

Zum Jahreswechsel sind allerdings auch wieder Entlastungen bei der Einkommensteuer (höherer Grundfreibetrag, höhere Kinderfreibeträge) in Kraft getreten, dazu kommt eine Ausweitung der Pendlerpauschale, wodurch an anderer Stelle mehr vom Brutto bleibt.

Ausgaben steigen immer weiter

Warum steigen die Kassenbeiträge jedes Jahr? Ein wesentlicher Grund sind die immer weiter steigenden Ausgaben im Gesundheitswesen. Die Summen sind enorm, wie ein Blick auf die Finanzentwicklung zeigt. Abschließende Zahlen liegen für 2024 vor, für 2025 noch nicht:

* Gesamtausgaben der Kassen 312 Milliarden Euro (2023: 289 Mrd.)

* davon 102 Milliarden Euro für Krankenhausbehandlungen (2023: 94 Mrd.), für 2025 werden noch einmal rund zehn Milliarden mehr erwartet.

* 55 Milliarden Euro Ausgaben für Medikamente (2023: 50 Mrd.)

* 50 Milliarden für ärztliche Behandlungen (2023: 47),

* 20,6 Milliarden für Krankengeld (2023: 19,1)

Die Ursachen sind vielfältig: Die Bevölkerung wird älter und behandlungsbedürftiger, bestimmte Medikamente und neue Behandlungsmethoden sind teuer und auch im Gesundheitswesen steigen Gehälter, Energie- und Materialkosten. Deutschland hat zudem eine teure Krankenhauslandschaft mit vielen Häusern. Auch über unnötige Behandlungen oder eine "Überversorgung" wird immer wieder diskutiert.

"Hält auf Dauer kein Gesundheitssystem aus"

Für 2025 werden für die Krankenkassen Gesamtausgaben von rund 347 Milliarden Euro prognostiziert. Und im neuen Jahr geht es weiter steil nach oben: Es wird mit einem Anstieg auf nunmehr 370 Milliarden Euro gerechnet. "Solche Steigerungsraten hält auf Dauer kein Gesundheitssystem aus", hatte Stefanie Stoff-Ahnis, stellvertretende Chefin des GKV-Spitzenverbandes, der "Rheinischen Post" vor allem mit Blick auf Klinikbehandlungen und Arzthonorare gesagt.

Ausgaben bremsen, Einnahmen erhöhen

Die schwarz-rote Bundesregierung hat auch im Gesundheitssystem, wie beim Bürgergeld oder bei der Rente, für das neue Jahr Reformen angekündigt, um das Finanzproblem in den Griff zu bekommen. Eine Expertenkommission soll bis März Vorschläge vorlegen. Sämtliche Einnahmen und Ausgaben müssten auf den Prüfstand, hatte Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) angekündigt. Die Quasi-Selbstverständlichkeit, dass jährlich die Beiträge steigen, solle durchbrochen werden.

"Klar ist auch, dass manche Leistungen entfallen müssen, um das Gesundheitssystem günstiger zu machen, was in anderen Ländern auch funktioniert", sagte Kanzleramtschef Thorsten Frei (CDU) kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland, ohne konkreter zu werden.

Seit Monaten werden zahlreiche Reformvorschläge von Verbänden, Wirtschaft und Politik diskutiert. Was umgesetzt wird, wird sich im Laufe des Jahres zeigen. So steht im Koalitionsvertrag etwa das "Primärarztsystem". Patienten sollen zunächst den Hausarzt aufsuchen und nur mit Überweisung zum Facharzt. Bisher gilt freie Arztwahl, Überweisungen sind nur für einige Fachärzte nötig. Weitere Vorschläge sind:

* Kontaktgebühr für Arztbesuche und Gebühren für die unangekündigte Nutzung von Rettungsstellen,

* höhere Zuzahlungen bei Klinikaufenthalten und Medikamenten,

* Entlastung der Hausärzte durch Übertragung bestimmter Aufgaben an Fachpersonal,

* Streichung von Kostenübernahmen für homöopathische Behandlungen,

* höhere Abgaben auf Alkohol, Tabak und eine mögliche Zuckersteuer auf süße Getränke.

Die Krankenkassen fordern zudem, dass der Staat höhere Versicherungsbeiträge für Bürgergeld-Empfänger zahlt und klagen deswegen. Die aktuelle Pauschale von rund 133 Euro monatlich sei zu niedrig./jr/DP/zb



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