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09.04.2025 15:20



FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Auf das extrem turbulenten Marktgeschehen reagieren viele mit Aktienkäufen. Was aber keine gute verhaltensorientierte Ausgangslage für eine Erholung schafft.

9. April 2025. Noch kurz vor Veröffentlichung der künftigen US-Zollerhebungen in der vergangenen Woche haben wir an dieser Stelle darüber sinniert, wie schwer es einzuschätzen sei, von welchem Ausmaß bei dieser weitreichenden Maßnahme die Investoren wohl ausgingen. Am späten Abend des vergangenen Mittwoch war dann klar: Die Zahlen, die US-Präsident Trump auf seiner stolz in die Höhe gehaltenen Tafel notiert hatte, dürften selbst die schlimmsten Befürchtungen getoppt haben. In der Folge mussten Börsianer rund um den Globus massive Kurseinbrüche hinnehmen, auch der DAX verlor zeitweise rund 17 Prozent an Wert. Erinnerungen an den Ausbruch der Corona-Pandemie wurden wach, Vergleiche mit der Finanzkrise 2008, dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 oder dem Börsencrash 1987 vielerorts gezogen.

Aber nicht nur das: Es entstand eine massive Volatilität der Aktienkurse, was etwa an der kurzzeitigen Erholung von über 10 Prozent am vergangenen Montag sichtbar wurde, als die Akteure aufgrund der sich schnell verbreitenden Meldung, Donald Trump würde den mit den neuen Zöllen belasteten Staaten womöglich einen Aufschub von 90 Tagen gewähren, neue Hoffnung schöpften. Eine Meldung, die sich allerdings ziemlich bald als falsch herausstellte. Und genauso schnell sausten die Aktienkurse wieder in den Keller. Heute, eine Woche später, notieren wir im Punktvergleich gegenüber vergangenem Mittwoch ein Minus von 10,8 Prozent für den DAX.

Herzhaft zugelangt

Hatte sich noch Ende vergangener Woche andernorts starker Pessimismus unter den Börsianern eingestellt, hat sich mittlerweile unter den von uns befragten institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont ein recht deutlicher Optimismus breitgemacht. Denn unser Börse Frankfurt Sentimen-Index hat gegenüber der Vorwoche um 25 Punkte auf einen neuen Stand von +15 zugelegt. Es handelt sich übrigens um den größten Optimismus seit dem 20. November 2024. Dabei setzt sich der Zuwachs von 17 Prozentpunkten bei den Bullen fast zu gleichen Teilen aus vormals neutral eingestellten und zuletzt pessimistischen Investoren zusammen, die ihre Position um 180 Grad von bearish auf bullish gedreht haben. Naturgemäß ist aufgrund der hohen Volatilität kaum einzuschätzbar, auf welchen Niveaus diese Engagements eingegangen worden sind. Auf jeden Fall scheint ein recht großer Teil der Investoren der Meinung "genug ist genug" zu sein.

Unter Privatanlegern kursierte zuletzt vor allem die Frage: "Kann ich jetzt wieder einsteigen?" Und eine recht ordentliche Zahl hat diese Frage während der vergangenen Tage offenbar mit einem Ja beantwortet. Zumindest steigt der Börse Frankfurt Sentiment-Index der Privatanleger um 12 Punkte auf einen neuen Stand von +18. Dabei sind wie üblich vor allen Dingen die über Social Media befragten Anlegenden auf die Bullenseite geschwenkt, während sich die übrigen mit ihren Positionen nur wenig bewegt haben. Der Zuwachs des Bullenlagers um 10 Prozentpunkte speist sich übrigens zu vier Fünfteln aus vormals neutral eingestellten Akteuren. Letztere machen nur noch 10 Prozent der Befragten aus, so wenig wie zuletzt im April des Jahres 2020. Außerdem hat sich die Stimmungskluft zwischen beiden Untergruppen innerhalb der Privatanleger jetzt wieder vergrößert.

Treulose Bullen

Unter dem Strich liegen Privatanleger und institutionelle Investoren stimmungsmäßig gar nicht so weit auseinander, wobei nicht nur längerfristig eingestellte Dip-Käufer unterwegs gewesen sein dürften, sondern natürlich auch Schnäppchenjäger. Gerade sie, die wir insbesondere unter den institutionellen Investoren vermuten, dürften dem DAX naturgemäß nicht allzu lange die Treue halten, vor allem wenn sich die erhofften Gewinne nicht schnell genug einstellen. Insofern stellen sie für den DAX eine Belastung dar. Zum einen, wenn die derzeitigen Long-Positionen als Angebot an der Oberseite im Rahmen von Gewinnmitnahmen wieder auftauchen sollten. Oder zum anderen, wenn die jüngsten Long-Positionen im Zuge einer erneuten Abgabewelle beim DAX mit Verlust liquidiert werden müssen und damit einem Abverkauf zusätzliches Momentum verleihen würden. Insgesamt kann für den DAX also keine Entwarnung gegeben werden.

von Joachim Goldberg

9. April 2025, © Goldberg & Goldberg für boerse-frankfurt.de

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)



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