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09.04.2025 15:09

Rewe-Chef sieht verändertes Einkaufsverhalten bei Kunden

KÖLN (dpa-AFX) - Das Einkaufen im Supermarkt könnte aus Sicht von Rewe-Chef Lionel Souque in ein paar Jahren anders sein als heute. "Die Kunden werden immer ungeduldiger, Zeit ist immer wichtiger. Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Menschen sich weiterhin in lange Warteschlangen stellen", sagte Souque im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur.

Der Bezahlvorgang werde sich ändern. Selbstbedienungskassen oder Formate wie "Pick & Go", bei denen Kunden den Markt nach dem Einkaufen schnell verlassen und automatisch per App bezahlen können, werden laut Souque wichtiger. "Aber wir werden die Menschen zu nichts zwingen. Es wird auch in 10 oder 20 Jahren noch klassische Kassen mit Kassiererin geben."

Beim Sortiment der Supermärkte erwartet er ebenfalls Veränderungen. "Die Kunden interessieren sich immer mehr für gesunde Lebensmittel." Es werde in Zukunft mehr frische Artikel in den Läden geben wie Obst und Gemüse sowie neue Produkte wie Protein- oder Kakao-Alternativen. Dinge wie Waschmittel oder Getränkekisten hingegen würden die Leute künftig nicht mehr unbedingt im Supermarkt kaufen, sondern eher nach Hause bestellen.

Touristik-Sparte wächst deutlich

Die Preisorientierung der Kunden ist Souque zufolge weiter gestiegen. Die Verunsicherung sei trotz nachlassender Inflation zuletzt immer noch spürbar gewesen. Er rechnet daher damit, dass die Bedeutung von Sonderangeboten und Eigenmarken zunimmt.

"Viele große Lebensmittelhersteller haben in den vergangenen Jahren ihre Preise erhöht und anschließend viel Umsatz verloren", sagte der Unternehmenschef. Viele Menschen seien auf Eigenmarken gewechselt und hätten Markenprodukte häufiger nur im Angebot gekauft. Hersteller seien deshalb vorsichtiger geworden mit Preiserhöhungen.

Mit dem Geschäft ist der Rewe-Chef zufrieden. "2024 war ein gutes Jahr für uns." Die Rewe-Gruppe steigerte ihren Umsatz nach eigenen Angaben um 4,6 Prozent auf 96 Milliarden Euro. Im deutschen Lebensmittelhandel waren es 41,6 Milliarden Euro (+3,2 Prozent).

Besonders kräftig zulegen konnte die eigene Reisesparte Dertour. Die Umsätze stiegen um knapp 22 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro.

"Erlebnisse gewinnen an Bedeutung", sagte Souque. Konsumenten investierten bewusst in ihr Wohlbefinden. Für diesen Sommer liegen die Gästezahlen 15 Prozent höher als im Vorjahr. Neben der andauernden Reiselust wurde die Entwicklung auch durch die FTI-Pleite begünstigt. Der bislang drittgrößte Reiseveranstalter hatte 2024 Insolvenz angemeldet und alle gebuchten Reisen storniert. Der Tourismus-Bereich von Rewe hatte bereits 2023 ein zweistelliges Plus erzielt.

Supermärkte holen sich Marktanteile von Discountern zurück

Steigern konnte der Handelsriese zuletzt auch seinen Gewinn, der um gut ein Drittel auf eine Milliarde Euro gestiegen ist. Dies gehe unter anderem auf eine Steuerrückerstattung zurück, hieß es. Im Jahresüberschuss sind selbstständige Rewe-Händler und Beteiligungsunternehmen nicht berücksichtigt.

Vollsortimenter wie Rewe und Edeka haben 2024 Marktanteile gewonnen, wie Zahlen des Marktforschers NIQ zeigen. Die Supermarktketten konnten ihre Umsätze demnach stärker steigern als Discounter wie Aldi und Lidl. Die hatten allerdings in den beiden Jahren zuvor größere Zuwächse verzeichnet./cr/DP/nas



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