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16.04.2026 21:05

ROUNDUP 3: Trump verkündet zehntägige Waffenruhe im Libanon

(Aktualisierung: Netanjahu im 2., 5. und 8. Absatz, Armee im 10. Absatz)

BEIRUT/TEL AVIV/WASHINGTON (dpa-AFX) - Mehr als sechs Wochen nach Beginn der jüngsten Eskalation zwischen Israel und der proiranischen Hisbollah-Miliz im Libanon hat US-Präsident Donald Trump eine Waffenruhe verkündet. Sie solle um Mitternacht (Ortszeit, 23.00 Uhr MESZ) beginnen und zunächst zehn Tage dauern, schrieb er nach Gesprächen mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu auf seiner Plattform Truth Social. Er werde beide zu einem Treffen im Weißen Haus einladen.

Netanjahu bestätigte die Waffenruhe in einer Videobotschaft. Ziel sei es, Gesprächen über ein Friedensabkommen mit dem Libanon eine Chance zu geben, die mit einem Treffen der Gesandten beider Länder in Washington begonnen hätten.

Hisbollah lässt Einhaltung der Waffenruhe offen

Die Hisbollah ließ offen, ob sie sich an die Vereinbarung halten wird. Jede Waffenruhe müsse "umfassend für das gesamte libanesische Gebiet" gelten und dürfe keinerlei Truppenbewegungen Israels zulassen. "Die anhaltende israelische Besatzung auf unserem Land gibt dem Libanon und seinem Volk das Recht, Widerstand zu leisten", teilte die Miliz mit. Über diese Frage - also über den weiteren Kampf gegen Israel - werde "je nach Entwicklung der Ereignisse entschieden".

Die libanesische Regierung ist keine aktive Konfliktpartei und bemüht sich um Deeskalation. Ministerpräsident Nawaf Salam begrüßte die Waffenruhe. Die Regierung hatte lange wenig bis gar keinen Einfluss auf die Aktivitäten der Hisbollah-Miliz, hat den Druck unter Führung von Präsident Aoun aber erhöht.

Trump schrieb weiter, er habe Vizepräsident JD Vance, US-Außenminister Marco Rubio und Generalstabschef Dan Caine angewiesen, gemeinsam mit dem Libanon und Israel auf einen dauerhaften Frieden hinzuarbeiten. "Wir haben die Gelegenheit, ein historisches Friedensabkommen mit dem Libanon abzuschließen", sagte Netanjahu. Israel habe dabei zwei zentrale Forderungen: Eine Entwaffnung der Hisbollah und die Vereinbarung eines dauerhaften Friedens beider Staaten.

Erster Durchbruch nach erneuter Konfrontation

Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar liefern sich auch die vom Iran unterstützte Hisbollah und das israelische Militär eine erneute schwere Konfrontation. Als Reaktion auf die Tötung des iranischen obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei feuert die Hisbollah seit Anfang März erneut Raketen in Richtung Israel. Die israelische Luftwaffe reagiert seitdem mit massiven Luftangriffen. Dabei kam es zu schweren Kämpfen im Süden und zu Angriffen im Osten sowie der Hauptstadt Beirut und deren Vororten.

Das israelische Militär rückte in einer Bodenoffensive zudem weiter in den Süden des Nachbarlandes vor und lieferte sich im Grenzgebiet Bodenkämpfe mit der Hisbollah. Die libanesische Staatsagentur NNA meldete nach Ankündigung der Waffenruhe weitere israelische Angriffe im Süden, darunter ein Angriff mit acht Toten.

Netanjahu kündigte an, während der Waffenruhe werde die israelische Armee in einer "verstärkten Sicherheitszone" im Südlibanon bleiben. Diese reiche vom Mittelmeer bis zur syrischen Grenze und sei etwa zehn Kilometer breit. Dies diene dem Schutz der Ortschaften im Norden Israels vor Hisbollah-Angriffen. Der israelische TV-Sender N12 berichtete, Netanjahu habe im Gespräch mit Ministern gesagt, er sei bei der Waffenruhe einer Bitte Trumps nachgekommen.

Rund 2.200 Tote im Libanon

Dem libanesischen Gesundheitsministerium zufolge wurden bei den erneuten Kämpfen bisher knapp 2.200 Menschen getötet. Darunter sind den Angaben zufolge zahlreiche Frauen und Kinder. Die israelische Armee sprach zuletzt von mehr als 1.700 getöteten Hisbollah-Mitgliedern seit Anfang März. Die genaue Zahl der getöteten Zivilisten ist unklar.

Im Libanon warten Hunderttausende darauf, in ihre Häuser zurückkehren zu können. Nach Regierungsangaben wurden aufgrund des jüngsten Konflikts mehr als eine Million Menschen vertrieben. In den angegriffenen Gebieten herrscht zum Teil großflächige Zerstörung. Die Armee rief zur Vorsicht auf und empfahl Vertriebenen, nicht sofort in ihre Häuser zurückzukehren, sondern das Inkrafttreten der Waffenruhe abzuwarten.

Kein Frieden nach erster Waffenruhe

Die Hisbollah agiert im Libanon seit langer Zeit als eine Art Staat im Staate. Sie ist einer der wichtigsten Verbündeten in Irans sogenannter "Achse des Widerstands". Bis vor der jüngsten Eskalation stuften Beobachter die Kapazitäten der Miliz aber als deutlich geschwächt ein.

Israel und die Hisbollah hatten bereits 2024 einen offenen Krieg gegeneinander geführt. Trotz einer Waffenruhe im November 2024 blieb die Lage angespannt. Beide Seiten warfen sich fortwährend Verstöße vor. Das israelische Militär griff trotz Waffenruhe weiter nahezu täglich im Libanon an.

Das israelische Militär blieb auch an mehreren Punkten im Libanon stationiert. Gemäß der damals getroffenen Waffenruhe sollte die Hisbollah entwaffnet werden. Israel warf dem libanesischen Staat bei der Aufgabe Versagen vor und wollte die Entwaffnung schließlich militärisch durchsetzen.

Der neue Durchbruch folgt auf direkte Gespräche in Washington, bei denen die Botschafter der verfeindeten Länder sich erstmals seit Jahrzehnten direkt zu politischen Verhandlungen trafen. Schon zuvor hieß es nach US-Angaben, dass die Gespräche zu einem "umfassenden Friedensabkommen" führen könnten./arj/DP/he



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