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| 19.03.2026 15:21 ROUNDUP/Neue Angriffe im Iran-Krieg: Wird Gas jetzt auch für Haushalte teurer? BONN/AMSTERDAM (dpa-AFX) - Nach wechselseitigen Angriffen auf die Gasindustrie Irans und Katars sind die Erdgaspreise im europäischen Großhandel erneut stark gestiegen. Unter anderem waren bei einem iranischen Raketenangriff in Katar wichtige Flüssiggasanlagen schwer beschädigt worden. In der Folge stiegen am Handelsplatz TTF die Preise. Am Donnerstagnachmittag lag der Preis für im April zu lieferndes Gas bei 65 Euro je Megawattstunde. Das ist mehr als doppelt so viel wie vor Beginn des Iran-Kriegs. Steigen dadurch jetzt auch die Gaspreise für Haushaltskunden? Energieexperte Andreas Fischer vom Institut der deutschen Wirtschaft geht trotz der aktuellen Preisanstiege im Großhandel davon aus, dass ein Großteil der Haushaltskunden zunächst keine spürbar höheren Erdgaspreise bezahlen muss. "Die aktuellen Steigerungen dürften bei vielen Verbrauchern noch nicht ankommen, vor allem, wenn sie Festpreisverträge haben. Das sichert sie gegen kurzfristige Anstiege ab", sagte er der Deutschen Presse-Agentur dpa. Auswirkungen der Schäden in Katar noch unklar Es komme jetzt auf das Ausmaß der Schäden an den katarischen LNG-Anlagen an. "Je mehr dort beschädigt wurde, desto schwieriger und langwieriger wird das Wiederhochfahren." Die neuen Schäden hätten weltweite Auswirkungen. So würden sich die LNG-Kunden aus dem asiatischen Raum wie Indien nun noch stärker als bisher um andere Bezugsquellen bemühen, was die Preise weltweit beeinflusse. Wie sehr dies in Deutschland das "zarte Pflänzchen an Wachstum" beeinträchtigen werde, sei aber noch nicht abzusehen. Anders sieht es bei Haushalten aus, die zum Beispiel gerade umgezogen sind und einen neuen Vertrag abschließen müssen: Nach Erhebungen des Vergleichsportals Verivox sind die jeweils günstigsten Gaspreise für Neukunden seit Ende Februar im Schnitt um 21 Prozent gestiegen. Im Februar 2026 bezahlte ein Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden im günstigsten Gastarif mit zwölfmonatiger Preisgarantie durchschnittlich 8,2 Cent pro Kilowattstunde. "Aktuell liegt das günstigste Angebot im Bundesschnitt bei rund 9,9 Cent", sagte ein Sprecher. Verband: Stadtwerke kaufen Großteil langfristig ein Viele Haushalte sind Kunden bei den örtlichen Stadtwerken. "Wer heute einen laufenden Gasvertrag bei einem Stadtwerk hat, muss keine kurzfristigen Preissteigerungen befürchten", hieß es beim Verband VKU auf Anfrage. Grund sei, dass Stadtwerke in der Regel eine konservative Beschaffungsstrategie hätten und den Großteil ihrer Gasmengen langfristig in mehreren Tranchen bei Großlieferanten einkauften. So könnten sie kurzfristige Preisschwankungen abfedern und ihre Endkunden preisstabil versorgen. "Anderes gilt für Neuverträge: Hier stellen wir aktuell fest, dass die Preise ansteigen. Je länger der Krieg dauert, desto höher die Wahrscheinlichkeit von weiteren Preissteigerungen", sagte VKU-Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. Wesentliche Preistreiber blieben die Unsicherheit über die Dauer des Konflikts sowie die anhaltenden Produktionsausfälle von LNG-Anlagen und Raffinerien. "Das sorgt weiterhin für eine sehr hohe Marktvolatilität." Die Sorgen vor Lieferengpässen werden immer stärker. Die erheblichen Einschränkungen des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus am Persischen Golf beginnen sich vor allem auf Verbraucher in Asien auszuwirken, die auf Lieferungen aus der Golfregion besonders angewiesen sind und zuletzt auch auf dem europäischen Markt verstärkt Gas nachfragen. Jetzt kommen auch Angriffe auf Gasfelder hinzu. Dies könnte die Versorgung mit Erdgas auch längerfristig beeinträchtigen. Netzagentur: Ausreichend Gas vorhanden Die Bundesnetzagentur sieht die Versorgungssicherheit weiter gewährleistet. "Die Gasversorgung in Deutschland ist stabil", sagte eine Sprecherin. Aktuell sei auf dem Weltmarkt ausreichend Gas verfügbar, allerdings zu steigenden Preisen. "Die weitere Entwicklung hängt von der Dauer des Krieges ab." Experte spricht von "neuer Phase des Krieges" Nach den Angriffen auf die katarischen LNG-Produktionsanlagen rechnet das Analysehaus ICIS für mindestens drei Monate mit einem vollständigen Ausfall und einem drei- bis fünfjährigen Teilausfall. Durch die Angriffe seien 2 der 14 LNG-Verflüssigungsanlagen in Ras Laffan schwer beschädigt und dauerhaft beeinträchtigt, sagte ICIS-Gasmarktexperte Andreas Schröder. "Wir kommen in eine neue Phase des Krieges hinein." Bei drei Monaten Ausfalldauer gehe man nun von einem TTF-Gaspreis in Höhe von 85 Euro je Megawattstunde aus. Bei einem Monat Produktions-Ausfall und Sperrung der Straße von Hormus hatte ICIS zuvor mit 60 Euro gerechnet. Schröder geht davon aus, dass die gestiegenen Preise eines Tages auch bei den Haushaltskunden ankommen werden, die aktuell noch durch Festpreise geschützt sind. "Das ist nur eine Frage der Zeit. Die Großhändler müssen das irgendwann weitergeben." Auswirkungen sehe man aber schon jetzt bei den gestiegenen Neukundenpreisen. Die LNG-Produktion in Katar war in zwei Städten schon Anfang März eingestellt worden. Katar ist einer der weltweit wichtigsten LNG-Produzenten. Durch die Straße von Hormus werden etwa 20 Prozent des weltweiten Flüssigerdgases transportiert. Es stammt primär aus Katar./tob/DP/nas Weitere Konjunkturnachrichten |
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