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12.03.2026 05:55

EWE sieht vorerst keine höheren Gaspreise für Verbraucher

OLDENBURG (dpa-AFX) - Der Oldenburger Energieversorger EWE rechnet trotz rasant gestiegener Weltmarktpreise für Gas infolge der Eskalation im Nahen Osten vorerst nicht mit steigenden Preisen für Verbraucher. "Wir haben wie immer Gasmengen für unsere Kunden beschafft", sagte EWE-Chef Stefan Dohler der Deutschen Presse-Agentur. "Wir haben einen sehr hohen Anteil von Festpreisverträgen, die Preise in der Regel für eine Laufzeit von einem Jahr garantieren. Da machen wir keine Abstriche."

Auch in der Grundversorgung, wo es diese Preisabsicherung nicht gebe, zeichne sich keine kurzfristig notwendige Preiserhöhung ab, sagte Dohler. Insgesamt haben zurzeit fast eine halbe Million Kundinnen und Kunden Erdgas-Lieferverträge mit dem niedersächsischen Energieversorger.

Preisausschläge am Weltmarkt

Wegen des Iran-Krieges sind die Handelspreise für Gas zuletzt deutlich gestiegen. Da der Transport von Flüssiggas aus den Förderregionen am Persischen Golf durch die wichtige Straße von Hormus durch den Krieg faktisch zum Erliegen gekommen ist, ist die Zukunft der Produktion ungewiss. Die Weltmärkte reagierten mit heftigen Preisausschlägen.

In der Spitze habe der Gaspreis zuletzt bei rund 65 Euro pro Megawattstunde gelegen, sagte Dohler. Vor der Eskalation des Konfliktes seien es 30 Euro gewesen. "Die Aufregung ist etwas aus dem Markt raus, aber Gas ist immer noch signifikant teurer als es vor dem Konflikt der Fall war."

Ändern könne sich die Preissituation, falls der Konflikt länger andauern sollte. "Wenn wir dauerhaft höhere Gaspreise auf dem Weltmarkt haben, dann müssten wir diese Kosten in der Beschaffung etwas zeitversetzt an die Kunden weitergeben - das müssten dann alle Energieversorger machen", sagte der EWE-Manager. Wann es dazu kommen könnte, hänge vom Fortlauf des Konfliktes ab. Dabei gehe es eher um Monate als Wochen.

Wie werden Speicher wieder voll?

Aktuell zeichne sich keine Mangellage bei der Gasversorgung in Deutschland ab, sagte der EWE-Vorstandsvorsitzende. Deutschland beziehe Flüssigerdgas (LNG) hauptsächlich aus den USA und Pipelinegas aus Norwegen.

Den EWE-Chef beunruhigt allerdings die Ausgangslage nach diesem Winter. "Die größere Sorge ist im Moment, wie wir die Speicher wieder befüllen können bis zum nächsten Winter. Dafür brauchen wir bessere Lösungen, um die Befüllung der Speicher gut hinzubekommen", sagte Dohler.

In der Regel sinken die Gaspreise im Sommer, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und es einspeichern. Doch je höher die Gaspreise im Sommer sind, desto weniger lohnt sich das Befüllen der Speicher. Schon im vergangenen Jahr waren Preissignale ausgeblieben, die Erdgasspeicher stärker zu befüllen.

Inzwischen hätten die deutschen Gasspeicher mit einem Füllstand von etwa 20 Prozent den niedrigsten Stand seit 15 Jahren erreicht, warnt Dohler. "Nach einem einigermaßen normalen Winter sind wir nun auf einem historischen Minimum."

Debatte um Gasreserve

Helfen könnte laut Dohler künftig eine strategische Gasreserve, um für einen Krisenfall vorzusorgen. So einen Erdgas-Notvorrat hatten zuletzt auch die Gas-Speicherbetreiber vorgeschlagen. Mit einer Reservemenge von bis zu 78 Terawattstunden (TWh) könnte Berechnungen des Branchenverbandes Ines (Initiative Energien Speichern) zufolge ein vollständiger Ausfall norwegischer Gaspipelines nach Deutschland für 90 Tage überbrückt werden.

Ob es so eine strategische Gasreserve geben wird, ist noch offen. Hintergrund ist das Auslaufen der aktuellen Regelungen zu Gasspeicher-Mindestfüllständen im kommenden Jahr. Die Regierungskoalition hat sich im Koalitionsvertrag vorgenommen, "geeignete Instrumente" für eine "versorgungssichere und kostengünstigere Befüllung" auf den Weg zu bringen./len/DP/zb



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