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21.01.2026 12:13

WDH/ROUNDUP/Trump pocht auf Grönland: Wer die Arktis bisher schützt

(Wiederholung: Formulierung im 6. Absatz, letzter Satz angepasst.)

BERLIN/STOCKHOLM (dpa-AFX) - "Hoher Norden, niedrige Spannungen" - das war das erklärte Ziel der Nato, bevor Donald Trump aggressiv Grönland für die USA beanspruchte. Seit zwei Jahrzehnten warne die Nato Dänemark vor der "russischen Bedrohung", behauptete der US-Präsident jüngst. "Leider war Dänemark bisher nicht in der Lage, etwas dagegen zu unternehmen." Stimmt das? Wer ist für die Sicherheit Grönlands tatsächlich zuständig? Und welche Rolle spielen die USA und Deutschland dabei?

Wer ist für den militärischen Schutz der Arktisinsel zuständig?

Dänemark gehört wie USA zu den Gründungsmitgliedern der Nato. Mit der Gründung 1949 ist auch die Arktisinsel Grönland Nato-Gebiet. Militärisch zuständig ist der Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur), immer ein US-General. Dessen Verantwortungsgebiet reicht vom Mittelmeer bis an den Nordpol.

Zudem haben die USA und das Königreich Dänemark 1951 ein Verteidigungsabkommen für Grönland geschlossen ("concerning the defence of Greenland"). Die halbautonome Regierung Grönlands erhielt im Jahr 2004 ein Mitspracherecht. Das Abkommen erlaubte den USA, Militärbasen auf der Arktisinsel zu errichten und - de facto - die Verteidigung als Nato-Aufgabe zu übernehmen.

Im vergangenen Jahr wurde angekündigt, dass die Zuständigkeit für die Nato-Verteidigungsplanungen für Dänemark, Schweden und Finnland vom operativen Hauptquartier im niederländischen Brunssum an das in Norfolk in den USA übertragen wird. Das ist Reaktion auf die veränderte Sicherheitslage, ohne dass es Anzeichen dafür gibt, dass Russland oder China sich der Arktisinsel bemächtigen wollen.

Wie viele Soldaten haben die USA auf Grönland?

Im Kalten Krieg hatten die USA viel mehr Militär als jetzt auf Grönland. Kanzler Friedrich Merz (CDU) nannte am Montag eine Zahl von einst über 30.000 Soldaten. "Es sind zurzeit unter 200. Also offensichtlich ist die Bedrohungsanalyse auch der Vereinigten Staaten selbst nicht so dramatisch, wie sie im Augenblick vorgetragen wird. Was nicht heißt, dass sie nicht wieder größer werden könnte", sagte der Kanzler.

Die US-Soldaten sind vor allem in der Pituffik Space Base, früher Luftwaffenbasis Thule. Diese ist für die Raketenabwehr und Radarüberwachung wichtig. Pituffiks Blickpunkt auf dem Kopf der Welt ermögliche strategisch gesehen Weltraumüberlegenheit, schreibt das US-Militär selbst über die Anlage. Es sei die nördlichste US-Militäreinrichtung - neun Monate im Jahr von Eis eingeschlossen, habe aber eine rund ums Jahr offene Landebahn.

Wozu diente die Erkundung der Bundeswehr?

Auch wenn die gemeinsame Entsendung von Soldaten als politisches Signal verstanden wird, dient sie formal der Vorbereitung einer militärischen Übung. Die Männer und Frauen der Bundeswehr haben die Bedingungen dafür geprüft. Genannt werden Hafenanlagen, logistische Möglichkeiten, die Treibstoffversorgung und praktische Fragen wie die Enteisung von Luftfahrzeugen.

Meist geht es auch um Standorte. Darunter könnte der Zivilflughafen Kangerlussuaq sein, früher ein US-Militärstandort und gut 300 Kilometer von der Hauptstadt Nuuk entfernt am Ende eines mehr als 150 Kilometer langen Fjords gelegen. Als mögliche deutsche Beiträge nannte das Verteidigungsministerium Aufklärungsflüge mit neuen Maschinen vom Typ P-8 Poseidon, aber auch die Entsendung von Gebirgsjägern, Fregatten oder Kampfflugzeugen.

Was hat die Bundeswehr bisher gemacht?

Im vergangenen Jahr war der Einsatzgruppenversorger "Berlin" als erstes Schiff der Deutschen Marine in Nuuk auf Grönland eingelaufen. Zudem hat Deutschland die militärische Zusammenarbeit mit Island, Kanada und Großbritannien verstärkt. Die Bundeswehr beteiligte sich mehrfach an Übungen.

Aktuell gehe es darum, im Nordatlantik die Seegebiete zwischen Grönland, Island und Großbritannien besser abzusichern, ein Lagebild zu haben "und bei Bedarf im Grunde auch Möglichkeiten und Mittel vor Ort hat", sagte ein Sprecher des Verteidigungsministeriums in Berlin.

Eine für die Nato wie auch Russland und China strategisch wichtige Meerenge im Nordatlantik ist das sogenannte GIUK Gap, begrenzt durch Grönland, Island und Großbritannien. Im Blick ist auch das als Bear Gap bezeichnete und strategisch wichtige Gewässer zwischen Nordkap, Bäreninsel und Spitzbergen.

Was haben die Dänen nun vor?

Sollten die USA Grönland wirklich mit militärischer Gewalt an sich reißen wollen, wären die Dänen und Grönländer chancenlos. Auch deshalb versuchen beide Länder es weiter mit Diplomatie - aber auch mit klarer Abgrenzung.

Ein Zeichen wollen die Dänen mit einer verstärkten Militärpräsenz auf der Arktisinsel setzen. Erst am Montagabend landete erneut ein Flugzeug mit dänischen Soldaten auf dem Flughafen der grönländischen Hauptstadt Nuuk. Sie sollen unter anderem kritische Infrastruktur bewachen und unter den extremen Bedingungen der Arktis trainieren. Um die USA von ihrem Vorhaben abzubringen, setzt Dänemark zudem stark auf die Unterstützung der EU- und Nato-Partner.

Was erhoffen sich die Dänen von den Bündnispartnern?

Als kleines Land sind die Dänen auf ihre Alliierten angewiesen und tun alles dafür, die europäischen Nato-Partner in dem Konflikt auf ihrer Seite zu haben. In einer gemeinsamen Erklärung haben Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Schweden, Finnland, Norwegen, die Niederlande und Dänemark erst vor wenigen Tagen erneut ihre volle Solidarität mit Grönland und dem dänischen Königreich bekundet.

Gleichzeitig will Dänemark mit Hilfe der Nato-Alliierten zeigen, wie es Grönland und die Arktis besser beschützen kann. Gerade erst bat Dänemark die Nato um eine dauerhafte Präsenz auf Grönland. Vorbild dafür könnte die verstärkte Nato-Präsenz in der Ostsee und im Baltikum sein, wie Regierungschefin Mette Frederiksen sagte.

Im Laufe des Jahres wollen die Dänen immer wieder mit internationalen Trupps in Schnee und Eis trainieren - etwa in der Siedlung Kangerlussuaq. "Die Fahrwasser hier sind voller Eis. Es ist gefährlich, Schiff zu fahren", sagt Søren Andersen, Chef des Arktischen Kommandos. "In Kangerlussuaq kann es an einem ganz normalen Wintertag bis zu minus 40 Grad kalt sein." Unter solchen Bedingungen hätten viele Einheiten der Streitkräfte noch nie trainiert, sagt er. Deshalb sei es nötig, dass sie vor Ort seien. Das Arktische Kommando ist eine Einheit der dänischen Streitkräfte in Nuuk./cn/DP/stk



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