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10.02.2025 12:27

ROUNDUP: Droht Deutschlandticket 2026 das Aus?

BERLIN (dpa-AFX) - Millionen Nutzer des Deutschlandtickets haben keine Klarheit darüber, wie es im kommenden Jahr weitergeht. Die Finanzierung durch Bund und Länder ist nur bis Ende des Jahres gesichert. Nach der Bundestagswahl droht eine Hängepartie. Zum Januar stieg der Monatspreis um fast ein Fünftel von 49 Euro auf 58 Euro.

Seit Mai 2023 ermöglicht das Deutschland-Abo bundesweit Fahrten in sämtlichen Bussen und Bahnen des Nah- und Regionalverkehrs zum einheitlichen Monatspreis. Es hat die unübersichtliche Tarifstruktur im öffentlichen Verkehrssektor erheblich vereinfacht.

Eine größere Kündigungswelle blieb trotz der deutlichen Preiserhöhung zwar bisher aus, wie der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) mitteilte. Mit zuletzt rund 13,5 Millionen Abonnenten blieb die Branche aber rund zehn Prozent unter ihrem Ziel, bis Ende 2024 rund 15 Millionen Kundinnen und Kunden für das Ticket zu gewinnen.

Milliardenschwere Zuschüsse

Nur noch für dieses Jahr sind Bundesmittel festgeschrieben. Der Bund gibt pro Jahr einen Zuschuss von 1,5 Milliarden Euro, um Einnahmeausfälle bei Verkehrsbetrieben auszugleichen - denn die meisten ÖPNV-Abos waren zuvor deutlich teurer. Die Länder geben ebenfalls insgesamt 1,5 Milliarden Euro. Festgeschrieben ist das im Regionalisierungsgesetz. Für eine Fortführung des Tickets über 2025 hinaus müsste das Gesetz geändert werden. Es drohen harte Verhandlungen.

Branche: Zuschuss wird nicht ausreichen

Zumal die Kosten nach Angaben des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) deutlich über 3 Milliarden Euro pro Jahr liegen. Eine VDV-Hochrechnung für 2024 habe ergeben, dass die Branche 3,45 Milliarden Euro an Ausgleichszahlungen benötigt habe. "Die von Bund und Ländern jährlich zur Verfügung gestellten drei Milliarden Euro werden dauerhaft nicht ausreichen, um den Verlust der Branche auszugleichen", sagte VDV-Präsident Ingo Wortmann.

"Für eine langfristige Finanzierung des Deutschlandtickets braucht es verbindlich zugesagte Mittel von Bund und Ländern in ausreichender Höhe und inklusive einer jährlichen Dynamisierung, damit das Ticket für die Fahrgäste preislich attraktiv bleiben kann."

So seien die Spielräume für weitere Erhöhungen begrenzt, betonte VDV-Hauptgeschäftsführer Oliver Wolff. "Die Quote der Kündigungen ist jetzt okay, aber wenn das Ticket 20 Euro teurer wird, dann wird es auch schon eng."

Bayern: Bund soll alleine zahlen

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), Vorsitzender der Verkehrsministerkonferenz, sagte: "Für die Länder war es ein Kraftakt, den Bund dazu zu bringen, seine Finanzierungszusagen für das Deutschlandticket einzuhalten. Für 2025 ist das Ticket gesichert, aber langfristig muss die neue Bundesregierung über die Zukunft des Tickets entscheiden. Aus bayerischer Sicht muss der Bund die Kosten künftig ganz übernehmen, schließlich war das Deutschlandticket - wie der Name schon sagt - ein Wunsch des Bundes."

Union sieht Konstruktionsfehler

Die Union hatte die Zukunft des Tickets bereits offen gelassen. Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange (CSU) sagte im Dezember mit Blick auf die Zeit nach 2025, es gebe "Spielraum für alles Weitere oder Neue". Das Ticket habe eine Vielzahl von Konstruktionsfehlern und sei nicht solide finanziert. Der Bund mische sich in eine Länderaufgabe ein, der ländliche Raum werde benachteiligt. Das Auto bleibe Verkehrsmittel Nummer eins, vor allem im ländlichen Raum.

Unions-Kanzlerkandidat Friedrich Merz sagte im November auf die Frage, wie er die Zukunft des Tickets nach 2025 sehe: "Das ist eine sehr schwierige Frage, die wir auch im Lichte der Haushaltsplanungen im nächsten Jahr beantworten müssen." Im Wahlprogramm von CDU und CSU kommt das Wort Deutschlandticket nicht vor.

SPD und Grüne fordern langfristige Absicherung

Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer (Grüne) sagte, das Ticket sei eine Erfolgsgeschichte. "Eine der ersten Aufgaben der neuen Bundesregierung muss es sein, die Finanzierung des Tickets langfristig abzusichern." Der Bund müsse sich an der Finanzierung dauerhaft mindestens hälftig beteiligen.

Das Ticket sei ein entscheidender Baustein für die Mobilitätswende, sagte Niedersachsens Verkehrsminister Olaf Lies (SPD). Die Zukunft des Tickets müsse nachhaltig gesichert werden. "Wir müssen weg von dieser wiederkehrenden Hängepartie bis kurz vor Torschluss." Auch der Bund müsse das Ticket weiter mitfinanzieren. "Wir sollten weiter bei einer hälftigen Aufteilung aller Kosten bleiben."

Wird Ticket teurer?

Eine Preiserhöhung über 2025 hinaus werde man "mit Sicherheit" diskutieren müssen, sagte Lies. Aber es sei endlich eine langfristige Lösung mit einem für die Kunden nachvollziehbaren, klaren Preismechanismus nötig. "Fakt ist: Wenn wir über Preiserhöhungen sprechen, können wir die allgemeine Preissteigerung nicht komplett ausklammern. Aber sie müssen moderat und erklärbar bleiben, denn der Erfolg des Tickets hängt auch mit dem günstigen Preis zusammen."

Krischer sagte, der Ticketpreis hänge insbesondere von den Kostenentwicklungen sowie den Nutzerzahlen ab. "Zur preislichen Stabilisierung des Ticketpreises und möglichen tariflichen Weiterentwicklung sind somit auch höhere Ticketeinnahmen durch höhere Verkaufszahlen entscheidend. Eine langfristige Perspektive für das Ticket würde helfen, noch mehr Nutzer vom Ticket zu überzeugen."

BUND-Verkehrsexperte Jens Hilgenberg sagte: "Eine neue Bundesregierung muss sich klar zum Ausbau des ÖPNV und eine dauerhafte Beibehaltung eines für alle bezahlbaren Deutschlandtickets bekennen."

Ausweitung des Tickets?

SPD-Bundestagsfraktionsvize Detlef Müller sprach sich für eine Weiterentwicklung des Tickets aus etwa durch deutschlandweit gültige Mitnahmeregelungen für Kinder und Fahrräder. Außerdem müsse der Kreis der Nutzer deutlich ausgeweitet werden, um die Deckungsbeiträge aus dem Ticketverkauf zu erhöhen. "Hierzu braucht es vor allem die Verlässlichkeit des Angebotes aber auch eine Ausweitung von Jobticket-Angeboten für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die Einbindung weiterer Gruppen wie beispielsweise Auszubildende, Schülerinnen und Schüler, Studierende sowie Seniorinnen und Senioren."/hoe/DP/tih



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